Tierschutz

Viele Angriffe auf Amtsveterinäre in Nordrhein-Westfalen

Schwein gehabt: Amtsveterinäre leisten viel für den Tierschutz. Aber nicht immer reagieren die Tierbesitzer freundlich auf diese Mediziner.

Schwein gehabt: Amtsveterinäre leisten viel für den Tierschutz. Aber nicht immer reagieren die Tierbesitzer freundlich auf diese Mediziner.

Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Düsseldorf.   Sie wollen Tiere schützen und werden attackiert. Die Landesregierung berichtet von Morddrohungen und Forken gegen Amtstierärzte.

Düsseldorf. Amtliche Tierärzte leben offenbar gefährlich. Das NRW-Umweltministerium berichtet von insgesamt 127 Attacken von Tierhaltern gegen Amtsveterinäre seit dem Jahr 2010. Oft handelte es sich um Beschimpfungen bis hin zu Morddrohungen, aufgebrachte Tierbesitzer gingen auch mit Forken und Holzlatten auf die Mediziner los.

Die Zahl der Fälle dürfte weit höher liegen, denn viele Kreisverwaltungen dokumentieren „einfache“ Beleidigungen gar nicht mehr, heißt es in der Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage des Grünen-Landtagsabgeordneten Norwich Rüße.

Private Tierbesitzer reagierten aggressiver als Landwirte

Viele Betroffene verzichteten auf eine Anzeige, weil der Arbeitsdruck auf die Veterinäre sehr hoch sei. Außerdem hätten Maßnahmen gegen aggressive Personen häufig keine Aussicht auf Erfolg. Viele der Drohungen würden auch „sehr subtil“ vorgebracht. Ganz allgemein fällt bei Kontrollen durch die Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsämter eine „zunehmende Distanzlosigkeit“ auf, stellt das Umweltministerium fest.

Besonders private Tierbesitzer neigen zu Angriffen auf Amts-Tierärzte. Bei den landwirtschaftlichen Betreiben sei das Bedrohungspotenzial geringer, es gebe aber auch unter den Bauern wenige „schwarze Schafe“, die sich nicht nur mit Amts-Tierärzten, sondern auch mit anderen Behördenvertretern immer wieder anlegten.

Schubsen, treten, schlagen

Die Liste der aktenkundigen Fälle ist lang. 42 Körperverletzungen sind dokumentiert und sieben Sachbeschädigungen. Es kam zu Handgreiflichkeiten wie Schubsen und Drängeln, Freiheitsberaubung durch Türzuhalten, zu Tritten ins Gesicht und Schlägen mit stumpfen Gegenständen. In Kleve gab es 2016 eine von Räuberische Erpressung und „besonders schwere Körperverletzung“ in zwei Fällen. Das Landgericht verurteilte den Täter zu vier Jahren und sechs Monaten Haft. Hier einige Beispiele aus NRW:

In Bochum gibt es zwar keine Meldungen zu verletzten Amtsveterinären. Die Stadt erklärt aber, es komme vermehrt zu aggressivem Verhalten von Tierbesitzern bei Tierschutzüberwachungen. In Dortmund gibt es „immer wieder Drohungen“. Im Ennepe-Ruhr-Kreis trat ein Katzenbesitzer einem Amtsveterinär ins Gesicht.

Mit dem Auto auf die Ärztin zugefahren

Die Behörden in Hagen berichten von einem Fall „massiven Stalkings“ gegen eine Mitarbeiterin des Veterinäramtes. Der Täter darf sich dieser Frau nun nicht mehr als 20 Meter nähern. 2017 fuhr ein Kontrollierter in Hagen mit dem Auto auf eine Tierärztin zu und kam kurz vor ihr zum Stehen. 2011 erhielt ein Amtstierarzt in Hagen eine Morddrohung. Im Kreis Soest wurden seit dem Jahr 2010 zehn Fälle erfasst, darunter auch Angriffe mit Forken. In Duisburg berichten die Behörden von zwei Morddrohungen gegen Amtsveterinäre

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