Ruhrverband

"Trinkwasserversorgung trotz Klimawandel nicht gefährdet"

Die Hennetalsperre bei Meschede im Sauerland gehört zum Wasserversorgungssystem des Essener Ruhrverbandes. Auch hier wurde in diesem Sommer Wasser abgelassen, damit die Ruhr nicht trocken fällt.

Die Hennetalsperre bei Meschede im Sauerland gehört zum Wasserversorgungssystem des Essener Ruhrverbandes. Auch hier wurde in diesem Sommer Wasser abgelassen, damit die Ruhr nicht trocken fällt.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Essen.  Der Ruhrverband warnt vor extremer Trockenheit. Die Trinkwasserversorgung sei aber nicht gefährdet. Sorgen bereitet das Grubenwasser.

4,5 Millionen Menschen hängen wortwörtlich am Tropf der Ruhr. Verantwortlich für die Wasserversorgung im südlichen Revier ist der Essener Ruhrverband. Dessen „Ruhrgütebericht“ gibt jährlich Auskunft über Qualität und Versorgungssicherheit. Statt kühlem Nass stellte Verbandschef Norbert Jardin am Freitag aber Dürre und Trockenheit in den Vordergrund seines Berichts. Aus gutem Grund. Ein Überblick.

Wie blickt der Ruhrverband auf den Klimawandel?

Rekordtemperatur, Rekordsommer, Rekordtrockenheit: Der Klimawandel trifft das Einzugsgebiet der Ruhr empfindlich. „Wir haben eine extrem herausfordernde Situation. Die letzten elf Jahre waren allesamt zu trocken“, sagt Norbert Jardin. Jardin ist wohlgemerkt kein bunter Klimaaktivist oder Friday-for-Future-Frontmann, sondern ein leicht ergrauter Managertyp mittleren Alters im dunklen Anzug. Der Vorstandsvorsitzende des Ruhrverbandes redet unaufgeregt über die Folgen des Klimawandels. Aber „zunehmend Sorgen“ machen sie ihm schon. Seit Aufzeichnungsbeginn 1881 sei die mittlere Jahrestemperatur im Ruhreinzugsgebiet . Jardin: „Die zehn wärmsten Jahre gab es dabei in den vergangene zwei Jahrzehnten.“

Was macht die Hitze mit dem Ruhreinzugsgebiet?

Sie führt zu extremer Trockenheit. „2020 ist der dritte Sommer in Folge mit einer Rekord-Trockenheit“, sagt Jardin. Weil es im Februar überdurchschnittlich viel geregnet hat, waren die Talsperren Ende März zwar gut gefüllt. Geholfen hat der Ruhr aber nur ein Trick. Mitte August begann der Ruhrverband, die Wasserzufuhr aus den Seen im Sauerland zu drosseln. Dazu war eine Sondergenehmigung des Landes erforderlich. „Ohne unsere Talsperren wäre die Ruhr bei Schwerte seit Juni trocken gefallen“, so Jardin.

Braucht die Ruhr eine weitere Talsperre?

Nein. „Unser Talsperrensystem ist leistungsfähig“, betont der Ruhrverbandschef. Anhand von Simulationsmodellen will der Verband herausgefunden haben, dass es selbst unter den Bedingungen des Klimawandels nur einmal in 500 Jahren zum Totalausfall der Talsperren kommen würde. Voraussetzung: Die Wasserzufuhr aus Möhne,- Bigge-, Sorpe- und Hennesee könne weiter so flexibel gesteuert werden wie in diesem Sommer. Der Ruhrverband hofft auf eine Freigabe des zuständigen NRW-Umweltministeriums. Der Wasserqualität habe die Absenkung des Zuflusses jedenfalls bislang nicht geschadet.

Im August kam es in Deutschland vereinzelt zu einer angespannten Situation bei der Trinkwasserversorgung. Kann das auch im Ruhrgebiet passieren?

Nein, betont der Ruhrverband. Die Trinkwasserversorgung sei auch in extrem trockenen Sommern hierzulande nicht gefährdet. Dem Ballungsraum hilft, dass das Wasserversorgungssystem des Ruhrverbandes mit seinen acht Talsperren, weiteren Stauseen und 63 Kläranlagen einst für die größte Industrielandschaft Deutschlands ausgelegt wurde. Heute ist der Wasserverbrauch in der Region aber deutlich niedriger als zur Blütezeit von Kohle und Stahl.

Wie gut ist unser Trinkwasser?

Ruhrverband und Arbeitsgemeinschaft der Ruhr-Wasserwerke (AWWR) loben die Qualität des Trinkwasser in höchsten Tönen. „Das Ruhr-Trinkwasser ist das preiswertestes Grundnahrungsmittel, das es gibt“, sagt Vize-AWWR-Chef Robert Dietrich. Laut Ruhrgütebericht liegt die Qualität des gereinigten Abwassers aus den Kläranlagen weit über gesetzlichen Mindestanforderungen.

Warum macht sich der Ruhrverband Sorgen ums Grubenwasser?

Grubenwasser ist eine Hinterlassenschaft des Ruhrbergbaus. Seine Entsorgung gehört zu den „Ewigkeitsaufgaben“. Jährlich fließen rund 25 Millionen Kubikmeter Grubenwasser in die Ruhr. Das Wasser aus den Schachtanlagen ist hochgradig salz- und mineralienhaltig. „Mit der bisherigen Menge kommt die Ruhr gut klar“, sagt AWWR-Geschäftsführer Ulrich Peterwitz. Sorgen bereitet dem Diplom-Geologen, dass bald zusätzliche 15 Millionen Kubikmeter in die Ruhr fließen könnten, weil die RAG ihre Wasserhaltung umstellen will. Noch ist das nicht endgültig. Peterwitz: „Wir warnen aber schon jetzt vor möglichen negativen Folgen für die Ruhrwasserqualität.“

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