Termintreue

Termin geschwänzt: Ärzte beklagen unzuverlässige Patienten

Fachärzte wie Dermatologen ärgern sich darüber, dass Patienten Termine nicht wahrnehmen. Das gilt besonders für solche, die zentral über die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen gemacht worden sind.

Fachärzte wie Dermatologen ärgern sich darüber, dass Patienten Termine nicht wahrnehmen. Das gilt besonders für solche, die zentral über die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen gemacht worden sind.

Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Essen.   Bundesgesundheitsminister Spahn will längere Sprechzeiten für Ärzte durchsetzen. Mediziner sehen ein anderes Problem: unzuverlässige Patienten.

Immer mehr Patienten in Nordrhein-Westfalen schwänzen ihre Arzttermine und sorgen damit für zunehmend Frust bei den Medizinern. Inzwischen nehmen bis zu 15 Prozent der Patienten einen an sie vermittelten Facharzttermin nicht wahr und sagen ihn auch nicht ab. Das geht aus einer Auswertung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein hervor, die Facharztbesuche zentral über eine Terminservice-Stelle vergibt. Mitte 2016 lag die Terminuntreue noch bei 11,5 Prozent. Angaben für Westfalen liegen nicht vor.

Die KV Nordrhein spricht von einer nicht neuen, aber zunehmenden Unsitte, die in den Praxen für Ärger sorge. Das gelte insbesondere, wenn für eine geplante Untersuchung bereits Vorbereitungen getroffen wurden und die Termine nicht weitergereicht beziehungsweise neu vergeben werden konnten, sagte Frank Bergmann, Vorstandsvorsitzender der KV Nordrhein. „Dadurch verlängern sich auch für andere Patienten die Wartezeiten unnötig.“

Bis zu 1000 Euro pro Monat an Schaden

Unzuverlässige Patienten sorgen in den Praxen zudem für hohen Schaden: In einer Umfrage von 2017 beklagen Ärzte bundesweit finanzielle Einbußen von bis zu 1000 Euro pro Monat. Die KV Nordrhein fordert Konsequenzen und ruft nach einer einheitlichen Grundlage, damit sich Ärzte entstandene Kosten vom Patienten erstatten lassen können - bisher ist das nicht vorgesehen.

Rudolf Henke, Präsident der Ärztekammer Nordrhein, mahnt, dass Terminuntreue den in Deutschland freien Zugang zu Haus- und Fachärzten aufs Spiel setze. „Es wäre hilfreich, wenn auch die Krankenkassen über ihre Kommunikationswege ihre Mitglieder zur Termintreue auffordern würden, statt mit immer neuen Forderungen nach mehr Arztsprechstunden zu suggerieren, dass Wartzeiten nur deshalb bestehen, weil Ärzte zu wenig arbeiten.“ Der Verband der Ersatzkassen in NRW nimmt die Vorlage auf: „Wir appellieren an unsere Versicherten, vereinbarte Termine aus Rücksicht auf andere Patienten auch wahrzunehmen“, sagte eine Sprecherin.

Seit 2016 teilen die Kassenärztlichen Vereinigungen gesetzlich Versicherten zentral Termine für Fachärzte sowie inzwischen auch für Psychotherapeuten zu. 2018 sind NRW-weit knapp 50.000 Termine auf diese Weise vergeben worden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will die Servicestellen auch auf Haus- und Kinderarzttermine ausweiten und trotz großer Kritik Sprechzeiten der Ärzte erweitern.

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben