Rechtsextremismus

Opferberatung: Mehr rechte Gewalttaten in NRW

Dortmund gilt als Hochburg der extrem Rechten. Hier Bilder von einem Aufmarsch im Stadtteil Marten.

Dortmund gilt als Hochburg der extrem Rechten. Hier Bilder von einem Aufmarsch im Stadtteil Marten.

Foto: Robert Rutkowski/dpa

Düsseldorf.   232 rechte Gewalttaten zählten die zentralen Opfer-Beratungsstellen zuletzt in NRW. Besonders schlimm ist die Lage in Dortmund, Düsseldorf, Köln.

Im Jahr 2018 registrierten Opferberatungsstellen in NRW 232 rechte Gewalttaten mit mindestens 318 Betroffenen, darunter auch Kinder und Jugendliche. Dies ist das Ergebnis der gemeinsamen Jahresstatistik der OBR (Opferberatung Rheinland) und von BackUp (Opferberatung in Westfalen-Lippe), den beiden zentralen Beratungsstellen in NRW für Betroffene von rechter Gewalt.

Die Beratungsstellen stellten nach dem Anstieg politisch rechts motivierter Gewalt in den Jahren 2014 bis 2016 eine erneute Zunahme um elf Prozent im Vergleich zum Jahr 2017 fest. In 92 Prozent der Fälle handele es sich um Körperverletzungen (2017: 89 Prozent).

„Alle 38 Stunden ein Angriff“

„Statistisch betrachtet wird in NRW alle 38 Stunden ein Mensch angegriffen, verletzt oder massiv bedroht. Hinter diesen abstrakten Zahlen stehen Menschen, die durch die Gewalt massiv in ihrem Leben und Alltag getroffen und eingeschränkt werden und denen wir als Beratungsstellen im Rheinland und in Westfalen-Lippe in jedem Einzelfall unsere solidarische Unterstützung anbieten“, sagte Birgit Rheims von der OBR in einer Pressemitteilung.

Rassismus stelle mit 159 Angriffen und einem Anteil von 69 Prozent aller registrierten Gewalttaten weiterhin das häufigste Tatmotiv dar (2017: 158 Angriffe). 191 Menschen wurden den Beratungsstellen zufolge im Jahr 2018 aufgrund ihrer (vermeintlichen) Herkunft oder ihrer Religionszugehörigkeit angegriffen, darunter viele, die seit Jahrzehnten ihren Lebensmittelpunkt in NRW haben, Schwarze, Muslime, Roma und Geflüchtete. Birgit Rheims: „Wir beobachten seit Jahren zunehmende rassistisch geprägte Diskurse in Politik und Gesellschaft, durch die sich Gewalttäter offensichtlich legitimiert fühlen. Dies ist eine dramatische Entwicklung.“

In Dortmund gab es die meisten Angriffe

Die Angriffe auf politische Gegner sind 2018 auf 43 gestiegen (2017: 34). Betroffene waren laut dem Bericht Menschen, die sich gegen Rechtsextremismus und Rassismus sowie für Geflüchtete engagieren. Ein Viertel dieser Angriffe fand im Umfeld von Kundgebungen und Aufmärschen extrem rechter Gruppierungen statt, so etwa in Dortmund, Düsseldorf und Köln.

„Im landesweiten Vergleich weist Dortmund die meisten Angriffe gegen politische Gegner auf, was sich auf die aktive rechte Szene in der Stadt zurückführen lässt“, so Martin Kesztyüs von BackUp.

15 Gewalttaten gegen Juden

Ein Anstieg sei auch bei den antisemitisch motivierten Gewalttaten zu verzeichnen. Während den Beratungsstellen 2017 keine Angriffsfälle bekannt wurden, sind 2018 insgesamt 15 antisemitische Gewalttaten registriert worden. Die Beratungsstellen begrüßen daher die Ernennung der NRW-Antisemitismusbeauftragten Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP).

In NRW gibt es im Rückblick auf 2018 nur wenige Kreise und kreisfreie Städte, die nicht mit politisch rechts motivierter Gewalt konfrontiert waren. Lokale Schwerpunkte der Gewalt sind nach Angaben der Beratungsstellen vor allem die Großstädte entlang von Rhein und Ruhr mit hoher Einwohnerzahl, aktiver extrem rechter Szene vor Ort und rechten Kundgebungen und Aufmärschen. 2018 stachen vor allem Dortmund (32 Gewalttaten), Düsseldorf (25 Gewalttaten) und Köln (17 Gewalttaten) hervor. In den drei Städten stiegen die Angriffszahlen im Vergleich zum Vorjahr.

Im Januar hatte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) erklärt, die Zahl der rechtsextremen Gewalttaten in NRW bleibe auf einem „hohen Niveau“.

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