Stichentscheide

OB-Wahlen: Was die „Zeitenwende“ der NRW-Grünen bedeutet

Felix Banaszak, Vorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen in Nordrhein-Westfalen, am Montag mit Sibylle Keupen (r, parteilos), den neuen Oberbürgermeisterin von Aachen, und Katja Dörner (Bündnis 90/Die Grünen), der neue Oberbürgermeisterin von Bonn.

Felix Banaszak, Vorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen in Nordrhein-Westfalen, am Montag mit Sibylle Keupen (r, parteilos), den neuen Oberbürgermeisterin von Aachen, und Katja Dörner (Bündnis 90/Die Grünen), der neue Oberbürgermeisterin von Bonn.

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Düsseldorf.  Mit den ersten Großstadt-Oberbürgermeistern in NRW ist die Öko-Partei gleichermaßen Partner und Hauptgegner der Laschet-CDU. Geht das?

Mehr als 30 Jahre hat es gedauert, bis die NRW-Grünen von einer alternativen Splitterpartei zum Machtzentrum in etlichen Großstädten geworden sind. Mit ihren triumphalen Siegen bei den Oberbürgermeister-Stichwahlen in Bonn, Wuppertal und Aachen vom Sonntag dürfte auch dem Letzten klar geworden sein, dass SPD und CDU die Rathäuser nicht mehr länger unter sich ausmachen.

Auch in elf weiteren kleinen Städten haben sich Grüne oder die von ihnen unterstützten Kandidaten durchgesetzt. Hinzu kommt die wiedergewählte parteilose Kölner Stadtchefin Henriette Reker, die vor fünf Jahren ebenfalls eine „Erfindung“ der Grünen war.

Selbstbewusst, aber sich nicht selbst genug - die neue Losung der Grünen

„Wir Grüne sind eine eigenständige politische Kraft in Nordrhein-Westfalen, aber wir sind uns nicht selbst genug“, sagte die Landeschefin Mona Neubaur am Tag danach. Man will keine neue SPD sein, sondern sieht sich als Magnet für Anhänger aus allen Lagern. Die Grünen haben es seit der Landtagswahlpleite 2017 geschafft, sich als unideologische Träger eines Lebensgefühls neu zu erfinden. Wer für Klimaschutz ist, liberal tickt und die Verkehrswende will, geht mittlerweile zu den Grünen. Man wolle den Veränderungsbereiten „Halt geben“, formulierte Neubaur.

Empfand man sich bislang eher als Adresse für urbane Milieus der Studentenstädte, zeigte der vergangene Sonntag auch das Potenzial in der Provinz. So triumphierten die Grünen mit ihren Bürgermeister-Kandidaten etwa in Nettetal am schwarzen Niederrhein oder in Havixbeck im Münsterland. Neubauers Co-Vorsitzender Felix Banaszak sprach von einer „Zeitenwende“. In welche Bündnisse auf Landesebene sie führen wird, ist indes unklar.

In Dortmund haben die Grünen zwar knapp vergeblich versucht, im Schulterschluss mit der CDU die 74-jährige Dominanz der SPD zu brechen. In Köln und Wuppertal kooperierten sie derweil mit den Christdemokraten. Ob diese Oberbürgermeister-Wahlen aber ein weiteres Vorzeichen für Schwarz-Grün in Bund und Land waren, muss sich erst noch erweisen.

Ausgerechnet in Laschets Heimat Aachen sind die Grünen unbestrittene Nummer eins

Ausgerechnet in Aachen, der Heimatstadt von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), zeigten die Grünen schließlich, wie sehr sie im selben Teich fischen wie die christdemokratische Konkurrenz. Seit den 80er Jahren haben sie in der einst tiefschwarzen Bischofsstadt immer weiter ihren Einfluss ausgebaut. Sie werden auch in Zukunft eher CDU-Wettbewerber Nummer eins sein als allein SPD-Ersatz.

Laschet gehört zu denen in der Union, die wissen, dass mit Rezepten der „guten alten Zeit“ in den Städten künftig nichts mehr zu gewinnen ist. Er kann sich mit der Trophäe trösten, in Stephan Keller künftig wieder den OB in der Landeshauptstadt Düsseldorf zu stellen. Außerdem zeigten die neuen Landrätinnen Anna Katharina Bölling (Minden-Lübbecke) und Silke Gorißen (Kleve) oder die pragmatischen neuen/alten Ruhr-OBs Thomas Kufen (Essen), Daniel Schranz (Oberhausen) und Marc Buchholz (Mülheim), wo und wie die Mehrheiten für die CDU zu holen sind.

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