Abschied von G8

Nur drei Gymnasien in NRW wollen beim Turbo-Abitur bleiben

Am Mittwoch macht es das NRW-Schulministerium offiziell: Die Gymnasien im Land verabschieden sich fast flächendeckend vom Turbo-Abitur. Es gibt nur drei Ausnahmen von der Regel.

Am Mittwoch macht es das NRW-Schulministerium offiziell: Die Gymnasien im Land verabschieden sich fast flächendeckend vom Turbo-Abitur. Es gibt nur drei Ausnahmen von der Regel.

Foto: Daniel Karmann

Essen.   NRW verabschiedet sich fast flächendeckend vom ungeliebten Turbo-Abitur: Landesweit haben nur drei Gymnasien angegeben, dass sie bei G8 bleiben.

Die Gymnasien in Nordrhein-Westfalen verabschieden sich nahezu geschlossen vom ungeliebten Turbo-Abitur. Nach Angaben des NRW-Schulministeriums haben lediglich drei Gymnasien angemeldet, dass sie auch nach den diesjährigen Sommerferien bei G8 bleiben wollen. Darunter ist nur eine öffentliche Schule. In NRW gibt es 625 Gymnasien – 511 öffentliche Schulen und 114 Gymnasien in freier Trägerschaft.

Nicht eine der G8-Gymnasien liegt im Ruhrgebiet. Bei G8 bleiben: das öffentliche Max-Planck-Gymnasium in Bielefeld, die Evangelikale Bekenntnisschule „Georg Müller“ in Bielefeld und das evangelische Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Hilden.

Jahrelanger Streit ums Turbo-Abitur endet

Ihren Entscheidungen ist ein jahrelanger landesweiter Streit um das 2005 unter Schwarz-Gelb eingeführte Turbo-Abitur vorausgegangen. Nach zunehmender Kritik von Eltern, Lehrern und Schülern hatte die NRW-Landesregierung 2017 die Leitentscheidung getroffen, dass alle NRW-Gymnasien grundsätzlich ab dem Schuljahr 2019/20 zur neunjährigen Schulzeit zurückkehren sollten. Bereits die heutigen Fünftklässler an den Gymnasien sollen nach G9 unterrichtet werden. Das Gesetz dazu ist Mitte 2018 im Landtag verabschiedet worden.

Ausnahmen von der Leitentscheidung können nur jene Schulen machen, an denen die mit Eltern, Schülern und Lehrern besetzten Schulkonferenzen das ausdrücklich wünschen. Die Hürde dazu war hoch: Für einen G8-Verbleib mussten mehr als zwei Drittel der Mitglieder einer Schulkonferenz stimmen.

Im Ruhrgebiet ist solch eine Mehrheit an keinem Gymnasium zustande gekommen, wie eine Recherche dieser Redaktion bereits im Januar zeigte. Mehrere Gymnasien diskutieren aktuell aber, welche speziellen Angebote zur Förderung von leistungsstarken Schülern geschaffen werden.

Gewaltige Kosten für die Rückkehr zu G9

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) zeigte sich am Mittwoch zufrieden. Sie habe immer damit gerechnet, dass weit über 90 Prozent der Gymnasien zu G9 zurückkehren werden.

„Es war gut und richtig, dass die Landesregierung mit dem G9-Gesetz die Leitentscheidung für die landesweite Umstellung auf einen neunjährigen Bildungsgang an den Gymnasien getroffen hat. Damit verbunden war eine Wahlfreiheit für die Schulen und Entscheidungen der einzelnen Schulkonferenzen, die zu respektieren sind“, so Gebauer.

Die Umstellung auf G9 stellt die Schulen vor enorme Voraussetzungen. Landesweit fehlen zahlreiche Lehrer und Klassenräume. Allein die Bau- und Ausstattungskosten bei der Umstellung auf das neunjährige Gymnasium werden bis 2026 auf 518 Millionen Euro geschätzt. Hinzu kommen etwa 115 Millionen Euro an jährlichen Kosten für zusätzliche Lehrer.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben