Flughafen Düsseldorf

Nachtlandungen in Düsseldorf: NRW erhöht Druck auf Airlines

Düsseldorf.   NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst fordert größere Zeitpuffer für den Düsseldorfer Flughafen – und droht mit einem Veto bei den Wachstumsplänen.

NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) hat im Streit um erhebliche Verspätungen und häufige Nachtlandungen am Düsseldorfer Flughafen den Druck auf die Airlines erhöht. „Man kalkuliert ein Risiko zu Lasten der Kunden und der Anwohner“, kritisierte Wüst am Donnerstag die Unternehmensstrategie einzelner Fluglinien. Die Puffer und Standzeiten seien immer weiter reduziert worden. „Wenn man jede Minute rausquetscht, ob man vielleicht doch noch einmal mehr nach Mallorca kommt, ist das genau das, was ich kritisiere“, so der Verkehrsminister.

Wüst machte nach Gesprächen mit mehreren Fluglinien-Chefs deutlich, dass er nicht bereit sei, „das sehenden Auges stehen zu lassen“. Der Verkehrsminister deutete an, dass die derzeitige Praxis auch in die Entscheidung des Landes über die angestrebte Kapazitätserweiterung des Flughafens Düsseldorf einfließen werde. „Wir haben das alles im Blick, auch wenn wir die große Abwägungsarbeit als ordentliche Behörde machen müssen, wenn es um die Kapazitätserweiterung geht“, sagte Wüst. Man müsse die Argumente auch „im Lichte dieses und des letzten Sommers wägen“.

Der Flughafen hatte bereits 2015 beim Land beantragt, künftig an 56 seiner 112 wöchentlichen Betriebsstunden bis zu 60 Flüge pro Stunde abwickeln zu dürfen. Bisher sind maximal 47 Flüge erlaubt. Gegen diese Ausweitung des Start- und Landesbetriebs in Stoßzeiten laufen Anwohner und Umlandgemeinden Sturm. Es gibt mehr als 40.000 Einwendungen gegen die Wachstumspläne. Das Flughafen-Management hält dagegen die Kapazitätserweiterung für zwingend notwendig, da andernfalls das erwartete Passagierwachstum in Düsseldorf nicht mehr bedient werden könne. Schon jetzt gebe es zu nachgefragten Zeiten keine Flugrechte mehr. Unterstützung erfährt der Airport durch die NRW-Wirtschaft, die vor dem Abwürgen eines Job-Motors warnt. Beide Seiten haben Dutzende Gutachter aufgeboten.

Wüst machte deutlich, dass er über den Antrag des Flughafens nicht vor 2022 entscheiden werde. Es gehe um eine rechtssichere Entscheidung, die voraussichtlich beklagt werde: „Wir werden damit am Ende vor Gericht landen, und ich habe keine Lust, dass uns das um die Ohren fliegt“, sagte Wüst. Die Expansion des Flughafens Düsseldorf ist rechtlich besonders kompliziert, da ein 1965 geschlossener Vergleich mit den Umlandgemeinden („Angerland-Vergleich“) die Nutzung der zweiten Start- und Landebahn einschränkt.

Leserkommentare (16) Kommentar schreiben