Missbrauchsskandal

Lügde: Warum kannte die Polizei verdächtigen Schuppen nicht?

Immer neue Überraschungen beim Abriss der Parzelle auf dem Campingplatz „Eichwald“ in Lügde, der als Tatort des tausendfachen Kindesmissbrauchs gilt.

Immer neue Überraschungen beim Abriss der Parzelle auf dem Campingplatz „Eichwald“ in Lügde, der als Tatort des tausendfachen Kindesmissbrauchs gilt.

Foto: Guido Kirchner

Düsseldorf   Campingplatz „Eichwald“ und kein Ende: Nach monatelangen Ermittlungen tauchen neue Datenträger und ein Verschlag des Hauptverdächtigen auf.

Die Polizei-Pannen im Fall des massenhaften Kindesmissbrauchs auf einem Campingplatz im ostwestfälischen Lügde werfen immer neue Fragen auf. In ihrer inzwischen neunten gemeinsamen Pressemitteilung zu den Ermittlungen mussten die Staatsanwaltschaft Detmold und das Bielefelder Präsidium nun einräumen, dass nahe der Campingparzelle des Hauptverdächtigen noch dessen Geräteschuppen gefunden worden sei.

Bislang habe man keinerlei Kenntnis gehabt von diesem Verschlag – verwunderlich nach viermonatiger Ermittlungsarbeit und sechsmaliger Durchsuchung des mutmaßlichen Tatorts auf dem Campingplatz „Eichwald“. Wie kann das sein? Es geht schließlich um den grausamen Verdacht, dass auf dem Gelände mindestens 40 Kinder in mehr als 1000 Einzeltaten von dem Hauptverdächtigen und seinen bis zu sieben Helfern über Jahre missbraucht und dabei gefilmt wurden. Der Campingplatz-Betreiber behauptet, die Polizei längst über die Existenz des Schuppens informiert zu haben. Bei der nachträglichen Durchsuchung seien dort jedoch nur Werkzeuge und Metallschrott gefunden worden, beruhigte die Staatsanwaltschaft die Öffentlichkeit.

Auf den Videokassetten angeblich nur Unterhaltung

Rätsel geben aber auch immer neue Datenträger auf, die ein Abrissunternehmer der Polizei aushändigt. Der Mann sollte mit seinem Bagger die Parzelle des Hauptverdächtigen räumen, nachdem der Tatort bereits vor zwei Wochen offiziell freigegeben worden war. Zunächst fanden Arbeiter dabei fünf Datenträger, die möglicherweise in einem doppelten Boden des Wohnwagens verbaut waren. Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte eilig erklärt, die Polizei habe gründlich gearbeitet, die CDs und Disketten seien nicht zu finden gewesen. Aus der Bielefelder Polizei hieß es gar, man habe keine richterliche Genehmigung für ein Aufbrechen des Wohnwagen-Bodens besessen. Rechtsexperten wiesen diesen Einwand mit Verweis auf die Strafprozessordnung zurück. Was genau auf den Datenträgern gespeichert ist, blieb bislang unklar.

Am Dienstag dann meldete der Abrissunternehmer erneut den Fund von elf Videokassetten, einer CD und einer Mini-CD. Sie sollen sich obenauf in einem Container befunden haben, in dem sich der Abrissschutt aus der Parzelle des Hauptverdächtigen befand. „Eine grobe Sichtung einiger Videokassetten erbrachte bislang keine strafrechtlich relevanten Inhalte, sondern Unterhaltungssendungen“, erklärte die Staatsanwaltschaft. Möglicherweise seien die Datenträger nachträglich in den Container geworfen worden.

Die Opposition im Landtag hat nach einer monatelangen Pannenserie das Vertrauen in die Ermittlungsarbeit längst verloren und forderte Innenminister Reul bereits zum Rücktritt auf.

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