Religion

Kopftuch in der Kita: So wird es künftig in NRW geregelt

Sollen Kopftücher in Kitas und Grundschulen verboten werden, weil die Religionsmündigkeit erst mit 14 Jahren beginnt? Die Landesregierung hat lange mit einer Entscheidung gerungen.

Sollen Kopftücher in Kitas und Grundschulen verboten werden, weil die Religionsmündigkeit erst mit 14 Jahren beginnt? Die Landesregierung hat lange mit einer Entscheidung gerungen.

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Düsseldorf  Wenn schon Mädchen in Kita und Grundschule Kopftuch tragen, ist die theologische Begründung selbst bei Muslimen umstritten. Jetzt reagiert NRW.

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Eineinhalb Jahre lang rang die Landesregierung mit dem geplanten Kopftuch-Verbot in Kindertagesstätten und Grundschulen. Jetzt ist eine Entscheidung gefallen, wie mit dem religiösen Symbol bei kleinen Mädchen umgegangen werden soll.

In Nordrhein-Westfalen wird es doch kein Kopftuch-Verbot in Kindertagesstätten und Grundschulen geben. „Wir haben uns entschieden, auf ein Verbot zu verzichten und stattdessen gemeinsam mit dem Schulministerium die Aufklärungsarbeit und Elterninformation in Kitas und Grundschulen systematisch zu verbessern. Ein entsprechendes Programm wird gerade erarbeitet“, sagte die Staatssekretärin für Integration der Landesregierung, Serap Güler, unserer Redaktion.

Furcht vor dem Scheitern mit dem Verbot beim Verfassungsgericht

Güler hatte vor eineinhalb Jahren bundesweit mit der Forderung für Aufsehen gesorgt, in staatlichen Einrichtungen Kleinkindern das Tragen von Kopftüchern zu untersagen. Dies sexualisiere das Kind, weil es nach islamischem Verständnis so vor männlichen Blicken geschützt werde, und beeinflusse zu früh die religiöse Selbstbestimmung. Es hagelte Kritik für diesen Vorstoß. Experten warnten, ein Verbot könne den Bekenntnisdrang muslimischer Eltern eher verstärken und die Liberalität weiter einschränken.

Nach eingehender juristischer Prüfung muss die Landesregierung nun zurückrudern. „Es ist rechtlich umstritten, ob ein Kopftuch-Verbot als Eingriff in die Religionsfreiheit und in Elternrechte vor dem Bundesverfassungsgericht Bestand haben würde“, sagte Güler weiter. Ein Gutachten, das die Landesregierung in Auftrag gegeben hatte, habe die Bedenken eher verstärkt. Die Menschenrechtsorganisation „Terre des Femmes“ dagegen halte das staatliche Einschreiten gegen eine Frühverschleierung wegen der religiösen Konditionierung der Kinder sehr wohl für geboten. „Ein langer Rechtsstreit hilft niemandem weiter“, so Güler.

Experten fürchten, dass ein Verbot den Bekenntnisdrang der Eltern sogar erhöht

Die Staatssekretärin und gläubige Muslima machte zugleich deutlich, dass sie inhaltlich von einem Kopftuch-Verbot in Kitas und Grundschulen überzeugt bleibe. „Nach meinem islamischen Verständnis muss eine Frau selbstbestimmt und frei darüber entscheiden können, ob sie sich vor männlichen Blicken verhüllen möchte“, sagte Güler. Sie komme selbst aus einem religiösen Haushalt und ihre Mutter trage ein Kopftuch, „aber ich selbst wurde nie dazu gezwungen“.

Studien zeigen, dass Mädchen, die in jungen Jahren ein Kopftuch tragen, es später nur gegen große familiäre Widerstände wieder ablegen können. Es sei ihr wichtig, dass junge Frauen in Nordrhein-Westfalen die notwendige Freiheit im Umgang mit ihrer Religion erhielten, so Güler. „Das geht aber nicht, wenn Eltern schon ihre kleinen Mädchen mit Kopftuch in Kita und Grundschule schicken. Dafür gibt es auch keinerlei theologische Begründung.“

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