Jahreswirtschaftsbericht

Konjunktur: Fünf Gründe, warum sich NRW passabel schlägt

Die NRW-Wirtschaft schlage sich in schwierigem Umfeld „wacker“, lobte NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) am Montag bei der Vorstellung des Jahreswirtschaftsberichts.

Die NRW-Wirtschaft schlage sich in schwierigem Umfeld „wacker“, lobte NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) am Montag bei der Vorstellung des Jahreswirtschaftsberichts.

Foto: Federico Gambarini

Düsseldorf   Vier Jahre nach der „Schlusslicht-Debatte“ trotzt die Wirtschaft an Rhein und Ruhr einem schwierigen Umfeld erstaunlich gut. Was ist passiert?

Noch vier Jahren lag Nordrhein-Westfalen beim Wirtschaftswachstum in der Rangliste der Bundesländer ganz hinten. Eine „Schlusslicht-Debatte“ lähmte das Land. Mittlerweile hat sich NRW auf Platz vier vorgekämpft. Die Wirtschaftsleistung liegt mit 1,4 Prozent im Bundesschnitt (1,5). Und 2019 scheint man die Eintrübung der Konjunktur sogar besser wegzustecken als andere (Prognostizierte NRW-Wirtschaftsleistung: 1,1 Prozent/Bund: 1,0 Prozent). Was ist da passiert? Fünf Gründe, warum sich unsere Wirtschaft „in schwierigem Umfeld wacker schlägt“, wie Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) lobt.

Erstens: Faktor Autoindustrie

NRW ist zwar das Land der Kfz-Zulieferer, das Absatz- und Imageproblem der großen Autokonzerne schlage hier aber nicht so stark ins Kontor wie in anderen Bundesländern, analysiert der Chef der Wirtschaftsweisen, Christoph Schmidt. Sollte US-Präsident Donald Trump jedoch ernst machen mit hohen Strafzöllen auf deutsche Autos, dürften die Folgen in der gesamten Branche rasch sichtbar werden, warnt der Ökonom.

Zweitens: Faktor Branchenmix

Nordrhein-Westfalen ist stark im boomenden Bau- und Dienstleistungsbereich. Zwar gehen 45 Prozent der Güter der NRW-Industrie in den Export, doch vor allem die private Konsumnachfrage trägt einen beträchtlichen Teil des Aufschwungs. Trotz der internationalen Verwerfungen und der sich abkühlenden Konjunktur sei die Stimmungslage in der NRW-Wirtschaft überraschend gut, sagt IHK-Präsident Thomas Meyer.

Drittens: Faktor Arbeitskräfte

NRW hat beim Abbau der Arbeitslosigkeit Nachholbedarf, was sich im sechsten Boomjahr in Folge bemerkbar macht. Bei der Beschäftigung liegt man nun über dem Bundestrend: 2018 gab es ein Plus von 160.000 sozialversicherungspflichtigen Jobs, im laufenden Jahr kommen voraussichtlich 100.000 neue hinzu. Die verbesserte Haushaltslage bei Land und Kommunen hilft, neue Stellen zu schaffen. Und die Erhöhung des Beitragssatzes zur Pflegeversicherung führt zu mehr Pflegejobs. Trotzdem: NRW bleibt weiter hinter Bremen das Land mit der höchsten Quote von Langzeitarbeitslosen.

Viertens: Faktor Entfesselung

Die schwarz-gelbe Landesregierung hat mit sogenannten Entfesselungspaketen bereits 40 bürokratische Regelungen abgeschafft. Für die Stimmung in den Unternehmen sei das „ein wichtiges Signal“, lobt IHK-Chef Meyer. NRW-Wirtschaftsminister Pinkwart will mit der Streichung weiterer Vorschriften bessere Investitionsbedingungen schaffen.

Fünftens: Faktor Außenwirtschaft

NRW scheint nach Analyse des Wirtschaftsforschungsinstituts RWI beim Außenhandel nicht mehr gegenüber den anderen Bundesländern zurückzufallen. Das war lange anders. Die in NRW wichtigen Grundstoffindustrien, häufig ein Vorläufer im Konjunkturzyklus, haben Abwärtsentwicklungen wohl früher verdaut. Auf Szenarien wie den Brexit hat man sich eingestellt: In der Rangfolge der wichtigen NRW-Handelspartner ist Großbritannien längst von Rang vier (2015) auf Rang acht (2018) abgerutscht.

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