Bergisch Gladbach

Justiz-Pannen bei Ermittlungen gegen Kinderschänder-Ring

Der Missbrauchsfall von Bergisch Gladbach weitet sich aus. Mehrere Männer sollen Kinder sexuell missbraucht haben. Hier durchsucht die Polizei die Wohnung eines Verdächtigen.

Der Missbrauchsfall von Bergisch Gladbach weitet sich aus. Mehrere Männer sollen Kinder sexuell missbraucht haben. Hier durchsucht die Polizei die Wohnung eines Verdächtigen.

Foto: Dagmar Meyer-Roeger / dpa

Düsseldorf.  Der Missbrauchsfall in Bergisch Gladbach weitet sich aus: 1800 Männer tauschten Kinderpornos und boten ihre eigenen Kinder zur Vergewaltigung an.

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Nordrhein-Westfalen wird ein Jahr nach dem Missbrauchsfall im ostwestfälischen Lüdge von einem wohl noch deutlich größeren Kinderschänder-Skandal erschüttert. Wie die Landesregierung am Mittwoch in der Fragestunde des Landtags ausführte, hat die Polizei im Zuge der Ermittlungen gegen einen Mann aus Bergisch Gladbach seit Ende Oktober einen Kinderporno-Ring aufgedeckt, in dem 1800 Männer Bilder und Filme von schwersten Missbrauchstaten tauschten oder sich zu Übergriffen auf ihre eigenen Kinder verabredeten.

„Allein die Vorstellung haut einem die Füße weg“, sagte Innenminister Herbert Reul. Der CDU-Politiker sprach von einem „riesigen Netzwerk mit Tätern in ganz Deutschland“.Die Ermittlungen haben inzwischen Sondereinheiten der Staatsanwaltschaft und Polizei in Köln übernommen. Rund 250 Beamte einer Besonderen Aufbau-Organisation (BAO) müssen 2400 Datenträger mit 30 Terabyte Material auswerten. Erst 18 Chat-Teilnehmer konnten bislang ermittelt werden, acht Männer sitzen in Untersuchungshaft.

Frühe Hinweise auf einen Mann in Wesel wurden nicht ernst genug genommen

Überschattet werden die Ermittlungen durch eine schwere Justizpanne, die Justizminister Peter Biesenbach (CDU) im Landtag einräumte. So waren frühe Hinweise auf Missbrauchstaten eines Mannes aus Wesel, der offenbar zum Kinderschänder-Netzwerk gehörte, im Juni nicht mit dem erforderlichen Nachdruck verfolgt worden. Der Generalstaatsanwalt habe bei der Überprüfung des Vorgehens der zuständigen Staatsanwaltschaft Kleve „handwerkliche Fehler festgestellt, die ich sehr bedauere“, sagte Biesenbach.

Der Mann aus Wesel, ein Zeitsoldat der Bundeswehr, war von seiner Ehefrau beschuldigt worden, seinen fünfjährigen Stiefsohn und die dreijährige Tochter missbraucht zu haben. Es gab Hinweise auf Verletzungen der Opfer sowie das Geständnis des Mannes, die Kinder fünfmal im Genitalbereich berührt zu haben und früher schon Kinderpornografie konsumiert zu haben. Dennoch beantragte die Staatsanwaltschaft keine Hausdurchsuchung und zog keine Experten zur Vernehmung der Kinder hinzu.

Möglicherweise hätte der Kinderschänder-Ring so schon früher aufgedeckt werden können. Innenminister Reul betonte, dass auch die Polizei-Arbeit in Wesel „nicht meinem hohen Qualitätsanspruch“ gerecht geworden sei. Anders als im Fall des jahrelangen Missbrauchs auf einem Campingplatz im ostwestfälischen Lügde habe die Polizei aber diesmal „schnell gehandelt“, früh die Staatsanwaltschaft eingeschaltet und die betroffenen Kinder in Sicherheit gebracht.

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