Waldsterben

Ist der Wald in Nordrhein-Westfalen noch zu retten?

Förster Stefan Jeschke zeigt Fraßschäden des Borkenkäfers an einer Fichte am im Duisburger Stadtwald.  Foto:

Förster Stefan Jeschke zeigt Fraßschäden des Borkenkäfers an einer Fichte am im Duisburger Stadtwald. Foto:

Foto: Tanja Pickartz / FUNKE Foto Services

Düsseldorf.  NRW denkt über neue Projekte nach, um das Waldsterben zu stoppen. Ein NRW-Waldfonds ist im Gespräch. Aber vielleicht kommt jede Hilfe zu spät.

Die NRW-Landesregierung dringt auf eine bundesweite „Baumprämie“, die die Rettung der im Klimastress leidenden Wälder erleichtern soll. Außerdem lässt NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) die Einrichtung eines eigenen NRW-Waldfonds prüfen, der von Behörden und – auf freiwilliger Basis – von Unternehmen und Privatleuten gespeist werden soll. „Unsere Wälder sind Kathedralen des Umweltschutzes. Ihre Leistungen müssen stärker anerkannt und gewürdigt werden“, sagte die Ministerin bei der Krisen-Konferenz „Der Wald im Klimastress“, zu der sich am Montag rund 300 Forstwirte, Naturschützer, Forscher, Politiker und Vertreter der Kommunen in Düsseldorf trafen.

Dürre, Stürme und Borkenkäfer setzen den Wäldern in NRW zu, der Holzmarkt ist nahezu kollabiert, und private Waldbesitzer fordern die Landesregierung auf, ihnen in dieser katastrophalen Lage besser zu helfen. Der Vorsitzende des Waldbauernverbandes NRW, Philipp Freiherr Heereman, nennt die bisherigen Hilfspakete von Bund und Ländern „bei weitem unzureichend“. Die Landesregierung kündigte jetzt bei einer Wald-Krisenkonferenz in Düsseldorf neue Projekte zur Rettung der Wälder und der Forstbetriebe an.

Waldfonds und Baumprämie

Mit einem eigenen „NRW-Waldfonds“ möchte Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) die Entwicklung von Wäldern vorantreiben, die weniger sensibel auf Hitze und andere Umwelteinflüsse reagieren. Der Fonds wäre ein regionales Angebot zur Kompensation des klimaschädlichen Ausstoßes von Kohlendioxid (CO2). Unternehmen und Privatleute könnten freiwillig in den Fonds einzahlen. „Er soll auch durch öffentliche Gelder gespeist werden“, sagte Heinen-Esser. Zum Beispiel mit Geld, das Behörden zahlen, um die klimaschädigenden Folgen von Dienstreisen zu kompensieren. Der Waldfonds wäre eine „kleine Baumprämie“ zum Wohle des Waldes in NRW. Darüber hinaus dringt NRW weiter auf eine bundesweite Baumprämie für all jene, die den Wald erhalten und aufforsten. Die Prämie sollte über Einnahmen aus CO2-Zertifikaten finanziert werden.

Für die Beseitigung der Schäden in den Wäldern dürften insgesamt mehr als 200 Millionen Euro nach NRW fließen. Der Bund hat für die kommenden vier Jahre fast 550 Millionen Euro angekündigt. Wie viel NRW aus diesem Topf bekommt, steht noch nicht fest. Die Landesregierung stellt für die Wiederbewaldung in den nächsten zehn Jahren 100 Millionen Euro zur Verfügung. Außerdem stehen neun Millionen Euro für die Bewältigung akuter Schäden zur Verfügung.

Klimafolgenforscher Schellnhuber ruft nach „Mini-Dschungeln“

Aus Sicht des Waldbauernverbandes reicht das nicht. Die privaten Besitzer von rund 150.000 meist kleineren Waldflächen machten sich „Riesensorgen“, sagte Freiherr Heereman. Der Verband kritisiert zum Beispiel die Deckelung der Soforthilfe auf 15.000 Euro und die Beschränkung auf Fichten.

Die Konferenz „Der Wald im Klimastress“ komme „spät, aber nicht zu spät“, sagte Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. „20 Jahre lang hat uns Forschern niemand zugehört, besonders die Waldbesitzer haben sich nicht für den Klimawandel interessiert. Das hat sich dramatisch geändert“, so der Professor. Schellnhuber setzt unter anderem auf eine „Wende Richtung Holzbau“ und auf ein Netz naturgeschützter kleiner Waldflächen im Land. „Wir brauchen ein Mosaik aus Mini-Dschungeln“, sagte er.

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