Kinderbetreuung

In Ruhrgebietsstädten besuchen weniger Kinder eine Kita

Knapp 92 Prozent aller Kinder unter sechs Jahren besuchen in NRW eine Kita. Die Einrichtungen leiden unter Personalnot.

Knapp 92 Prozent aller Kinder unter sechs Jahren besuchen in NRW eine Kita. Die Einrichtungen leiden unter Personalnot.

Foto: Foto: Monika Skolimowska / dpa

Düsseldorf.  Betreuungsquoten liegen im Revier oft unter dem Landesschnitt. Bildungsverband VBE lehnt Pläne ab, Personalnot mit Quereinsteigern zu bekämpfen.

Angesichts der leicht gestiegenen Zahl von Kindern in der Kindertagesbetreuung fordert der Verband Bildung und Erziehung (VBE) die Politik auf, die prekäre Personalnot wirksam zu bekämpfen. „Der Personalnotstand muss im Mittelpunkt der politischen Anstrengungen stehen“, sagte VBE-Landesvorsitzender Stefan Behlau. „Es muss jetzt darum gehen, dem Bedarf der Eltern in Nordrhein-Westfalen gerecht zu werden und dabei die Bildungsqualität nicht zu vernachlässigen“, so Behlau weiter.

Rund 147.000 Kinder unter drei Jahren haben in NRW zum Stichtag 1. März 2019 eine Kita oder eine Tagesmutter besucht. Die Betreuungsquote der unter Dreijährigen stieg damit im Vergleich zum Vorjahr leicht um einen Prozentpunkt von 27,2 Prozent auf 28,2 Prozent, teilte das Landesstatistikamt IT.NRW am Dienstag (3.9.) mit. 45.164 der kleinen Kinder wurden von einer Tagesmutter betreut.

Niedrigere Betreuungsquoten in Ruhrgebietsstädten

In den einzelnen Altersgruppen variieren die Betreuungsquoten stark. Während nur rund 1,2 Prozent der unter einjährigen und 25 Prozent der einjährigen Kinder betreut werden, sind es bei den zweijährigen Mädchen und Jungen mehr als die Hälfte (57,8 Prozent). Ein Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz besteht ab Vollendung des ersten Lebensjahres.

Insgesamt nehmen in NRW 601.781 Kinder unter sechs Jahren ein Angebot der Kindertagesbetreuung in Anspruch. Die Betreuungsquote liegt mit 91,8 Prozent in etwa auf dem Niveau des Vorjahrs (92 Prozent), wie IT.NRW mitteilt. Auch regional zeigt die Statistik ein unterschiedliches Bild. Während zum Beispiel Münster mit einer Quote von 97,6 Prozent und Düsseldorf mit 96,3 Prozent deutlich über dem NRW-Durchschnitt liegen, kommen viele Städte im Ruhrgebiet auf klar niedrigere Werte.

Kitaleitungen fordern mehr Personal

So liegt zum Beispiel in Duisburg die Betreuungsquote nur bei 82,8 Prozent. Gelsenkirchen erreicht 85,5 Prozent, Oberhausen 86,0 Prozent, Essen 86,6 Prozent und Mülheim 88,5 Prozent. Bochum liegt mit einer Quote von 91,8 Prozent genau im Landesmittel. Schlusslicht in NRW ist Mönchengladbach mit einer Quote von 81,9 Prozent.

VBE-Chef Behlau sprach sich gegen Pläne aus, die Personalnot in Kitas mit Seiteneinsteigern zu bekämpfen. „Von Familienminister Stamp erwarten wir auf seinem angekündigten Gipfel zum Quereinsteigerprogramm, dass er nicht die Fehler der Schulpolitik wiederholt. Quereinsteiger ohne eine intensive Vorqualifizierung darf es nicht geben“, betonte Behlau.

Zuletzt hatte der VBE mit einer Umfrage unter Kitaleitungen auf den Personalnotstand aufmerksam gemacht. Danach beklagten 95 Prozent aller Kindergärten in NRW einen Mangel an Fachkräften. „Die Umfrage-Ergebnisse zeigen deutlich, dass flexiblere Öffnungszeiten – wie von der Landesregierung geplant – nur mit einer deutlichen Aufstockung des Personals möglich sind“, sagte Behlau anlässlich der Präsentation der Ergebnisse.

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