Exoten

In NRW fehlt ein Gesetz zur Haltung von gefährlichen Tieren

Wer in NRW ein exotisches Tier halten möchte, muss dafür keinerlei Nachweis erbringen.

Wer in NRW ein exotisches Tier halten möchte, muss dafür keinerlei Nachweis erbringen.

Foto: Christophe Gateau / dpa

Essen.  Eine ausgebüxte Kobra hält ganz Herne in Atem – rechtlich belangt werden kann der Halter wohl kaum. NRW schränkt Liebhaber von Exoten kaum ein.

Eine hochgiftige Kobra entwischt in Herne aus ihrem Terrarium. In der Folge müssen 30 Menschen ihre Wohnungen verlassen, suchen mehrere Spezialkräfte nach dem Tier. Die Haltung der exotischen Schlange ist dabei völlig legitim – in NRW gibt es dazu kaum Einschränkungen.

Vor einer einheitlichen Regelung scheut die Landesregierung bislang zurück. Die bisherigen Gesetze seien ausreichend, heißt es auf Anfrage beim NRW-Umweltministerium. Dabei ist es gerade einmal fünf Jahre her, dass der frühere Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) einen Entwurf auf den Weg brachte, in dem die Haltung von „Gefahrtieren“ eindeutig geregelt werden sollte. Unter anderem vorgesehen war ein Haltungsverbot aller Giftzahn tragenden Schlangenarten – wie etwa der Kobra.

Gesetz zur Haltung von Gefahrtieren liegt in NRW auf Eis

Umgesetzt wurde der Entwurf allerdings nicht. Vor allem die kommunalen Spitzenverbände protestierten damals: So könnten die Behörden vor Ort die umfassende Überwachung überhaupt nicht leisten. Ende 2016 wurden die Bemühungen schließlich auf Eis gelegt: Remmel sprach von einem „nicht mehr auflösbaren Dissenz“.

Seither gab es keine Bemühungen, eine Verordnung auf den Weg zu bringen. Das kritisieren Experten wie Uwe Ringelhan vom zoologischen Institut „Terrazoo“ in Rheinberg. Die Auffangstation nimmt zahlreiche Reptilien auf, die ausgesetzt wurden. „In NRW können Sie sich mit 18 Jahren eine Mamba im Internet bestellen, und die Regierung interessiert das nicht“, wurde Ringelhan in einem früheren Bericht einmal deutlich.

„Zumindest einen Sachkundenachweis sollten die Halter von Gefahrtieren vorlegen und außerdem eine Halterversicherung abschließen“, fordert Ringelhan nun auf Anfrage. Einsätze wie die aktuelle Suche in Herne könnten schließlich schnell Tausende Euro kosten. Aktuell ist noch unklar, wer für die Einsatzkosten aufkommt.

Bundesländer handhaben Haltung von Exoten unterschiedlich

Der Sprecher des NRW-Umweltministeriums sieht bei dem Thema auch den Bund in der Pflicht: „Tauschforen für Reptilien und andere Exoten orientieren sich ja nicht an Ländergrenzen, deswegen muss eine bundesweit einheitliche Regel her.“ Tatsächlich handhaben die Bundesländer die Haltung von exotischen Tieren unterschiedlich: Wer in Hamburg etwa Skorpion, Schlange oder Spinne halten möchte, muss dafür umfangreiche Genehmigungen einholen und sein Tier registrieren lassen. In NRW gilt eine solche Registrierungspflicht nicht.

Der Sprecher des NRW-Umweltministeriums stört sich dabei am Begriff des „Gefahrtiers“. Lege man die Zahlen zugrunde, so müssten auch Pferde, Rinder und Hunde als Gefahrtiere eingestuft werden, argumentiert der Sprecher: Schließlich komme es mit diesen Tieren landesweit besonders häufig zu Unfällen. Insgesamt müsse der Faktor Mensch und dessen Sachkunde bei der Haltung des Tieres in den Mittelpunkt gerückt werden.

Diskussion um Handel mit Exoten aktuell bei Weltartenschutzkonferenz

Die Diskussion um den Handel mit Exoten steht zurzeit auch weit oben auf der Tagesordnung bei der noch bis zum 28. August laufenden Weltartenschutzkonferenz in Genf. Nach Angaben der Organisation „Pro Wildlife“ ist Deutschland innerhalb der EU der größte Importeur exotischer Haustiere.

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