Besuch im Silicon Valley

Gründer aus NRW träumen vom Durchbruch in Amerika

Auch die Gründer des späteren Elektronik-Riesen Apple fingen im Silicon Valley bescheiden an: v.l. Steve Jobs,  John Sculley und Steve Wozniak mit einem ihrer ersten Personalcomputer.

Auch die Gründer des späteren Elektronik-Riesen Apple fingen im Silicon Valley bescheiden an: v.l. Steve Jobs, John Sculley und Steve Wozniak mit einem ihrer ersten Personalcomputer.

Foto: Sal Veder/dpa

Palo Alto.   Landeswirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) macht Jungunternehmern aus NRW beim gemeinsamen Besuch im Silicon Valley Mut.

„Das Ding zum Fliegen bringen“, ist ein verbreiteter Wunsch im Silicon Valley. Das „Ding“ ist eine frisch gegründete IT-Firma mit neuen Ideen und Wachstumshunger („Start-up“). Und fliegen soll es bis in den strahlenden kalifornischen Gründer-Himmel. Ein Dutzend Jungunternehmer aus NRW versucht gerade, in diesem Tal der Träume nach oben zu kommen. Nicht so hoch wie einst Apple-Gründer Steve Jobs. Aber ein Stück.

„Hi everybody“, ruft Sebastian Schramm (30). Der Dortmunder tritt selbstbewusst vor 50 Menschen, die er nicht kennt, deren Bekanntschaft er aber braucht, um das Ding zum Fliegen zu bringen. „Pitch“ wird diese Situation genannt. Eine Kurzwerbung in eigener Sache. Vier Minuten, in denen es um Geld geht. IT-Experte Schramm hat eine Idee: Er will Ladesäulen für E-Autos lukrativ machen für Investoren. Mit einer Software, die Werbung auf die Säulen bringt – passgenau für Kunden. Mit dieser Vision und seinem Start-up „LoyalGo“ tritt der Mann aus dem Revier vor potenzielle Geldgeber aus dem Valley. „Zwei Millionen Dollar“, findet Schramm, würden das Ding zur Rakete machen. Für Ruhrgebietler, die zur Bescheidenheit neigen, eine dicke Ansage. Im Tal der Software-Träume gehört Klotzen zum guten Ton.

Sebastian Schramm gehört zu einer Gründer-Gruppe, die „NRW-International“, die Außenwirtschaftsförderung des Landes, nach Kalifornien gebracht hat. Die Jungunternehmer wollen Fuß fassen im Gründer-„Eldorado“, zumindest aber die dortigen Regeln lernen. Das Ruhrgebiet ist stark vertreten: Benjamin Schmaling aus Bochum wirbt für seine Firma „Imprintec“, der Dortmunder Jurij Kulik für „Up-Academy“, Jan Bergerhoff wohnt in Köln, stammt aber aus Herne. Er macht mit seiner Firma „Case“ Studienabschlüsse vergleichbar. Nur eine Frau „pitcht“ mit: Lison Weiler aus Düsseldorf.

Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) lobte bei seinem Besuch in Palo Alto die jungen Gründer. Man sollte es ihnen auch in NRW leichter machen, findet er. So leicht wie in den Staaten.

Timo Marks aus Köln freut sich über einen kleinen Coup. Sein Start-up „One FID“ übersetzt Körper-Daten von Kunden in perfekte Konfektionsgrößen, und nun hat Marks einen Termin bei HP bekommen, dem IT-Giganten aus Palo Alto. „Hier im Valley werden Gespräche schnell konkret. Es klappt oder es klappt nicht“, so Marks.

Goldgräber-Stimmung

In Deutschland werde oft drumherum geredet. Und am Ende würden höchstens eine Hand voll Euro ausgezahlt. In diesem Teil Kaliforniens hingegen herrscht Gründer-Goldgräberstimmung.

Goldgräber, Eldorado, Millionen? Das ist die eine Wahrheit über das Valley und die Region San Francisco. Es gibt noch eine andere, dunkle. Sebastian Schramm, der drei Monate in San Francisco bleiben möchte, teilt sein Zimmer mit sieben Mitbewohnern. Für ein Apartment müsste er 2500 Dollar im Monat auf den Tisch legen. Wenn Sebastian, Timo und Jan abends in einer Bar Bier trinken, dann sind zehn Dollar fällig – pro Glas.

Schattenseiten unter der kalifornischen Sonne

Timo Marks hat nachgerechnet: „Mit 100 000 Dollar überstehst du hier kein Jahr.“ Jeder müsse strampeln unter der kalifornischen Sonne. Viele Angestellte im Tal pendeln stundenlang mit dem Auto zum Job. Aus fernen Städten, in denen das Leben billiger ist. In den Straßen von San Francisco nächtigen Tausende Obdachlose auf Bürgersteigen, weil Wohnungen unbezahlbar sind.

Wie schwer ist es wirklich, im Silicon Valley das Ding zum Fliegen zu bringen? „Die Chance, nach einer Woche Schulung durch uns mit einer Million in der Tasche nach Hause zu fliegen, ist klein“, sagt Katrin Lange von NRW International. Aber es gebe diese Momente des Glücks. Vor zwei Jahren habe ein Start-up aus Aachen 1,5 Millionen Dollar abgeräumt. Und viele andere hätten Firmen im Valley gegründet. Wer es nicht versucht, hat schon verloren, sagen die Gründer. Timo Marks bemüht dazu eine alte kalifornische Weisheit: „Gold graben dauert lange.“

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