Elektromobilität

Forschungsfabrik: Ruhrgebiet fühlt sich ausgebootet

Wird das Ruhrgebiet bei den Bemühungen des Landes in der Elektromobilität gegenüber Münster und Aachen vernachlässigt? „Auto-Professor“ Ferdinand Dudenhöffer nimmt kein Blatt vor den Mund.

Wird das Ruhrgebiet bei den Bemühungen des Landes in der Elektromobilität gegenüber Münster und Aachen vernachlässigt? „Auto-Professor“ Ferdinand Dudenhöffer nimmt kein Blatt vor den Mund.

Foto: Ingo Otto

Düsseldorf   „Auto-Professor“ Dudenhöffer beklagt die Festlegung auf Münster als Bewerbungsstandort für das 400-Millionen-Projekt. Das Land wehrt sich.

Die Bewerbung der Landesregierung um die bundesweit einzige Forschungsfabrik für Batteriezellen der Elektromobilität hat bei der Universität Duisburg-Essen Verärgerung hervorgerufen. „Das Ruhrgebiet wird aus nicht nachvollziehbaren Gründen ausgebootet“, kritisierte der bekannte „Auto-Professor“ Ferdinand Dudenhöffer. Im NRW-Wissenschaftsministerium fehle offenbar die fachliche Expertise, sonst hätte man die Uni Duisburg-Essen beim Forschungsantrag einbeziehen müssen, so Dudenhöffer.

Das Wissenschaftsministerium wies die Kritik zurück: Man selbst habe gar keinen Einfluss auf Standortvorschläge gehabt. Der Bund habe lediglich Institute angefragt, „die herausragende Kompetenzen sowohl auf dem Gebiet der Batteriezellkonzepte als auch der Batteriezellfertigung haben“. In NRW seien dies drei Professoren aus Münster und Aachen gewesen. Im Rahmen der Standortbewerbung werde man jedoch auch die Kompetenzen aus Duisburg-Essen darstellen.

Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte sich auf Münster als mögliche Adresse für die Forschungsfabrik festgelegt. Das Projekt soll mit 400 Millionen Euro gefördert werden. Das dortige Institut „MEET“ genieße weltweite Anerkennung: „Es war immer klar: Münster ist der richtige Standort“, sagte Laschet.

Werden Münster und Aachen vom Land bevorzugt?

Das von Dudenhöffer geführte CAR-Institut (Center Automotive Research) fühlt sich bei der Elektromobilität gegenüber Münster und der von Laschet öffentlich stark wahrgenommenen RWTH Aachen vernachlässigt. Dabei sei Duisburg-Essen die einzige Hochschule, die Forschung in industrielle Umsetzung bringe. Das Anodenmaterial aus Duisburg-Essen für Elektroantriebe gehe bereits in die Produktion und stoße in der Autoindustrie auf großes Interesse. Es sei bedauerlich, klagt Dudenhöffer, dass die Uni Duisburg-Essen bislang ihre Forschungsergebnisse noch nicht einmal im Expertenkreis für Elektromobilität der Landesregierung habe vorstellen dürfen.

Ob NRW bei der Forschungsfabrik überhaupt zum Zug kommt, ist unklar. Es gibt starke Konkurrenz aus Süddeutschland. Die Bundesregierung will noch vor der Sommerpause eine Entscheidung treffen. Bei einer Präsentation zu Jahresbeginn hatten sich Dudenhöffers CAR-Institut und Einrichtungen aus Münster, Aachen und Jülich noch gemeinsam als NRW-Plattform ausgegeben.

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