Religion

Es hakt noch bei der Reform des Islamunterrichts in NRW

Islamischer Religionsunterricht an einer Schule in Dinslaken.

Islamischer Religionsunterricht an einer Schule in Dinslaken.

Foto: DIANA ROOS / FUNKE Foto Services

Düsseldorf  Kurz vor dem Ende des Beiratsmodells sind viele Fragen offen. Die Islamverbände, die zusammenarbeiten sollen, erkennen sich zum Teil nicht an.

Die Neuaufstellung des Islamischen Religionsunterrichts (IRU) gestaltet sich schwierig. Große Islamverbände befürchten, künftig bei der Auswahl der Themen und der Lehrer weniger als bisher mit entscheiden zu dürfen. Experten warnen, dem Staat könnte die Kontrolle über diesen Religionsunterricht entgleiten.

Der frühere Grünen-Politiker Volker Beck riet dazu, genau zu prüfen, ob die muslimischen Organisationen, die künftig den IRU mittragen, finanziell abhängig sind von anderen Ländern. „Kein ausländischer Staat darf in die Schulen in NRW reinregieren“, sagte Beck, der einen Religionswissenschaft an der Ruhr-Uni Bochum lehrt, bei einer Expertenanhörung im Landtag.

Ditib-Mitgliedschaft ruht

Das Schulfach muss neu gestaltet werden, weil das bisherige Beiratsmodell Ende Juli ausläuft. Der Beirat entscheidet über Inhalte und Lehrkräfte des IRU. Ihm gehören die Vertreter der großen Islamverbände an, zum Beispiel der Zentralrat der Muslime und der Islamrat. Die Mitgliedschaft des wegen seiner Nähe zur türkischen Regierung umstrittenen Verbandes Ditib ruht derzeit.


NRW will den Beirat durch eine Kommission ersetzen, deren Mitgliederzahl nach oben offen ist. Staatliche Vertreter sollen dort nicht mehr sitzen, dafür sind alle möglichen Organisationen eingeladen, die für einen Teil der muslimischen Community stehen. Zum Beispiel für albanische und marokkanische Muslime oder Anhänger eines betont liberalen Islams. Sie sollen mit dem Land NRW einen Vertrag schließen und – wie bisher der Beirat – die Lehrbefähigung für Islamlehrer erteilen.

"Willkürentscheidungen" bei der Lehrerlaubnis?

Eines der Probleme, die das neue Modell mit sich bringen könnte, ist die Uneinigkeit der muslimischen Organisationen. „Manche erkennen sich gegenseitig gar nicht als Teil des Islams an“, sagte Beck.

Der Verband der Islamlehrer berichtet von „Willkürentscheidungen“ bei der Vergabe der Lehrerlaubnis (Idschaza). Es könne nicht garantiert werden, dass diese Entscheidungen von einer selbstständigen Kommission professioneller durchgeführt würden. „Die Idschaza-Vergabe gleicht einem Gesinnungstest“, kritisieren die Religionslehrer.

Ziel: Vielfalt des Islams im Unterricht abbilden

Verbände wie Ditib und der Verband der Islamischen Kulturzentren befürchten, dass der Staat, der über die Zusammensetzung der Kommission entscheidet, damit auch über das Religionsbekenntnis bestimmt. Das „Selbstbestimmungsrecht der Religionsgemeinschaften“ werde nicht beachtet.


NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) glaubt, dass die neue Kommission „die Vielfalt des Islams“ besser abbilden wird als der Beirat. Noch vor der Sommerpause soll das Gesetz verabschiedet werden. Nach den Ferien werde es in NRW weiter diesen Religionsunterricht geben.

Die Nachfrage nach Islamischem Religionsunterricht ist offenbar groß, das Angebot aber noch klein in NRW. Die Zahl der muslimischen Schüler wird hierzulande auf rund 415.000 geschätzt, aber nur etwa 20.000 Kinder und Jugendliche nehmen am IRU teil.

Die SPD im Landtag schlägt vor, die Frist für die auslaufende Beiratslösung um ein Jahr zu verlängern, damit genügend Zeit bleibt, um die vielen offenen Fragen zu klären. Für diese Verlängerung ist unter anderen die kommissarische Beirats-Vorsitzende Hanim Ezder. "Aus unseren Erfahrungen heraus sehe ich darin die Schwierigkeit, dass die Kommission an den Rand der Handlungsfähigkeit geführt werden kann, wenn jederzeit weitere Mitglieder hinzukommen können", schreibt Ezder in ihrer Stellungnahme.

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