Corona und Schule

Eltern fordern besseren Coronaschutz an den Schulen

Viele Schüler tragen auch im Klasenraum stets eine Maske. Dennoch fordern Eltern weitreichendere Corona-Schutzmaßnahmen für die Schüler.

Viele Schüler tragen auch im Klasenraum stets eine Maske. Dennoch fordern Eltern weitreichendere Corona-Schutzmaßnahmen für die Schüler.

Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Essen.  Virenfilter, mehr Personal, besserer Digital-Unterricht -- Elternverbände wenden sich mit Brandbrief an Angela Merkel und die Länder

Angesichts wieder stark steigender Infektionszahlen wächst bei Eltern und Lehrern die Sorge vor erneuten Schulschließungen. In einem Brandbrief an Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sowie sämtliche Bildungsministerien in den Ländern fordert ein bundesweites Bündnis von Elternverbänden bessere und bundesweit einheitliche Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus.

„Aufgrund der wieder aktuell hohen Bedrohungslage durch Sars-Cov-2 sehen wir nur die Möglichkeit, eine zentrale Steuerung der Maßnahmen an Schulen durch die Bundesregierung einzufordern“, erklärte Anke Staar, Vorsitzende der Landeselternkonferenz NRW. Von den Landesregierungen fühlen sich die Eltern im Stich gelassen. Die bisherigen Hygienestandards reichten nicht aus, derzeit seien bundesweit etwa 50.000 Schüler sowie Tausende Lehrkräfte in Quarantäne. „Wir müssen umgehend sicherstellen, dass in Zukunft keine Schule mehr geschlossen wird, sondern nur eine Anpassung der Beschulungskonzepte erfolgen muss und Familien möglichst nicht noch stärker in wirtschaftliche Nöte geraten.“

Eltern stellen zahlreiche Forderungen auf

Unterzeichnet haben die Petition insgesamt 23 Verbände und Initiativen von Niedersachsen über NRW bis zum Saarland. Unterstützung erhält das Eltern-Bündnis von der GEW in NRW sowie dem Landesverband Bildung und Erziehung (VBE).

Die Elternverbände verbinden ihre Sorge mit zahlreichen Forderungen an die Politik. „Wir fordern einen ländereinheitlichen Stufenplan, der bei steigenden Infektionszahlen zu abgestuften Hygienesicherheitsmaßnahmen vor Ort führt.“ Weiter verlangen die Eltern „die umgehende Verkleinerung der Lerngruppen“, um die Abstandsregeln einhalten zu können. Zudem müsse der digitale Unterricht in der Oberstufe nach dem Vorbild der Hochschulen ausgeweitet werden. Zu diesem Zweck seien technische Administratoren und weiteres Personal nötig, dafür könnten Fachkräfte, Studierende und Lehramtsanwärter angeworben werden.

Ministerin sieht geringe Infektionsrisiken

Eine verlässliche Betreuung von Schülerinnen und Schülern von berufstätigen Eltern sowie für Kinder „mit erhöhtem Unterstützungsbedarf“ müsse gewährleistet sein. Außerdem verlangen die Verbände den Einbau von Virenfiltern in Räumen, die nicht ausreichend gelüftet werden können.

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hatte zuvor die Hygienemaßnahmen an den Schulen gelobt. Die Erfahrungen der letzten Wochen hätten gezeigt, dass die Schulen des Landes keine Hotspots seien und kein unkontrolliertes Infektionsgeschehen festzustellen sei. Für diese Einschätzung zeigen die Elternverbände kein Verständnis. „Wir wundern uns über die beharrliche Ausblendungshaltung der BildungsministerInnen bezüglich der Erkenntnisse zur Ansteckung und Erkrankung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen an Sars-Cov-2.“

Gymnasiallehrer fordern Virenfilter in Schulräumen

Rückendeckung erhalten die Eltern von GEW und VBE sowie vom Philologen-Verband in NRW. Wegen zahlreicher Quarantäne-Maßnahmen sei ein regulärer Präsenzunterricht kaum noch möglich, meint Sabine Mistler, Vorsitzende des Philologen-Verbands. Viele Lehrkräfte fühlten sich nicht ausreichend geschützt. „So kann der Verband die Vorgabe des regelmäßigen Lüftens an den Schulen nur mit einer Mischung aus Sorge und Unverständnis betrachten.“ Mit sinkenden Temperauren sei dies „eine wachsende Zumutung“, so Mistler. Die Interessenvertretung der Gymnasiallehrer verlangt ebenfalls geeignete Luftfilter in den Schulräumen.

Auch VBE-Vorsitzender Stefan Behlau vermisst „handfeste Konzepte und Lösungsvorschläge, wie Ansteckungen im Klassenraum möglichst vermieden werden können“. Zudem sei das uneinheitliche Vorgehen der Gesundheitsämter vor Ort ein Ärgernis und verunsichere die Betroffenen. Das Land müsse Regelungen treffen, „die das zum Teil völlig unterschiedliche Verhalten der Gesundheitsämter beenden“, sagte GEW-Vorsitzende Maike Finnern.

Bildungskonferenz zur Pandemie

„Schulen sind mindestens so systemrelevant wie Banken, Fluglinien und die Automobilindustrie“, schließt der Brandbrief der Elternverbände an die Politik. Sie fordern deshalb von der Bundesregierung die Einberufung eines „Bildungskonferenz“ mit allen relevanten Gruppierungen, um erneute Schulschließungen zu verhindern.

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