Hitze, Stürme, Käfer

Die Wälder in NRW sind so krank wie noch nie

Ein Bild aus dem Sommer 2019: Abgestorbene Fichten stehen im Nationalpark Eifel in der Sonne.  Foto:

Ein Bild aus dem Sommer 2019: Abgestorbene Fichten stehen im Nationalpark Eifel in der Sonne. Foto:

Foto: Oliver Berg / dpa

Düsseldorf.  Der Waldzustandsbericht 2019 ist noch katastrophaler als der im vergangenen Jahr. Fichte, Buche, Eiche und Kiefer sind krank.

Noch nie ging es den Wäldern in Nordrhein-Westfalen so schlecht wie in diesem Jahr. NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) sprach am Montag bei der Vorstellung der Waldzustandserhebung 2019 von einer „dramatischen“ Lage. Nur jeder fünfte Baum (19 Prozent) weise derzeit keine Schäden auf. Damit hat sich die Situation seit 2018 – dem damals katastrophalsten Jahr seit der Untersuchung des Waldzustandes – noch weiter verschlechtert.

Das zweite Dürre-Jahr in Folge und ein fortschreitender Borkenkäfer-Befall haben den Wäldern extrem zugesetzt. Die Borkenkäfer-Plage sei noch lange nicht vorbei und könne ihren Höhepunkt erst noch erreichen, warnte Bertram Leder vom Landesbetrieb Wald und Holz. Die Folgen eines dritten Hitzesommers möchten sich die Experten gar nicht ausmalen. Sollte 2020 ein regenreicheres Jahr werden, dann hätten die Bestände eine Chance, sich zu erholen.

Die Fichte verschwindet aus NRW

„Die Zahlen sind alarmierend. Unser Wald ist krank“, sagte Ministerin Heinen-Esser. So weisen die Fichten den schlechtesten Zustand seit Beginn der Untersuchungen im Jahr 1984 auf. Nur noch 22 Prozent dieser Bäume sind gesund, vielerorts sind ihre Bestände fast vollständig verschwunden. Auf 50.000 Hektar Fläche sind Fichten abgestorben, rechnete Hubert Kaiser, Forstexperte im Umweltministerium, vor. Der witterungsbedingte Schaden allein an dieser Baumart entspreche damit den Verwüstungen des Orkans Kyrill im Winter 2007. Die Menge des Fichten-Schadholzes erreichte 2018 und 2019 fast 19 Millionen Kubikmeter.

Extremwetter im Ruhrgebiet: Duisburg hält Hitzerekord in NRW
Extremwetter im Ruhrgebiet- Duisburg hält Hitzerekord in NRW

Die Mehrfachbelastungen durch Klimawandel und Insekten machen auch den anderen wichtigen Baumarten schwer zu schaffen. Der Zustand der Buchen hat sich zwar laut Landesregierung nicht noch weiter verschlechtert. Dennoch ist bei vier von fünf Buchen eine Kronenverlichtung zu beobachten. Die Schäden an den Eichen erreichen 2019 den schlechtesten Wert aller bisherigen Untersuchungen. Fast 90 Prozent dieser Bäume sind von Kronenverlichtung betroffen. Ähnlich schlecht geht es den Kiefern.

100 Millionen Euro für die Wiederbewaldung

Mit einer groß angelegten Wiederbewaldung – auch mit bisher eher „exotischen“ Arten wie Douglasien und Roteichen – möchte NRW gegen die „Krise des Waldes“ ankämpfen. In den kommenden zehn Jahren stellt das Land insgesamt 100 Millionen Euro dafür zur Verfügung. Ministerin Heinen-Esser will darüber hinaus einen „NRW-Waldfonds“ gründen. Damit könnten zum Beispiel Flugreisen der Landesregierung finanziell kompensiert und die Waldrettung intensiviert werden. NRW macht sich auch für eine bundesweite „Baumprämie“ stark, die über die Einnahmen aus CO2-Zertifikaten finanziert werden könnte.

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben