Lagebericht

Alleinerziehende in NRW von Corona-Krise besonders betroffen

In der Corona-Hochphase sind Kitas nur für bestimmte Gruppen geöffnet gewesen. Alleinerziehende standen trotz Hilfen oft vor Problemen.

In der Corona-Hochphase sind Kitas nur für bestimmte Gruppen geöffnet gewesen. Alleinerziehende standen trotz Hilfen oft vor Problemen.

Foto: Kerstin Bögeholz / FUNKE FotoServices

Essen.  In der Corona-Krise sind Alleinerziehende besonders belastet gewesen. Sie fordern schnelle Änderungen und ein Corona-Elterngeld.

Die Corona-Krise hat Alleinerziehende in NRW in besonderem Maße getroffen. Die nicht zuverlässige Kinderbetreuung, Kontaktbeschränkungen und finanzielle Sorgen belasteten Alleinerziehende sehr, wie der Landesverband allein erziehender Mütter und Väter (VAMV) in einem Lagebericht darstellt. „Die Krise hat bestehende Ungleichheiten verschärft“, sagt VAMV-Vorstand Nicola Stroop. „Für viele Alleinerziehende ist das System aus den Fugen geraten.“

Für Alleinerziehende sei eine verlässliche Kinderbetreuung die Voraussetzung, um Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren, heißt es vom Verband. Genau daran mangelte es aber offenbar über Monate. Selbst nach der Öffnung von Notgruppen habe die tatsächliche Zulassung eines Kindes von der Kita-Leitung vor Ort abgehangen. Auch die Entscheidung, welche Kinder im Rahmen einer Härtefallregelung in vollem Umfang betreut werden sollten, hätten die Jugendämter immer im Einzelfall getroffen - viele Alleinerziehenden hätten nicht von der Härtefallregelung gar nicht profitiert.

Über 1000 Alleinerziehende suchten Hilfe an der Krisen-Hotline

Die Betreuungsfrage sei ins Private verlagert worden und habe gerade Alleinerziehende stark belastet, kritisieren die Interessenvertreter in ihrem Bericht. Deutlich sei das auch an der Krisen-Hotline geworden, die der Verband gestartet hat. .

Verbandsvorstand Stroop fordert, dass fehlende Betreuung künftig strukturell kompensiert werden müsse, „entweder durch einen gesetzlichen Anspruch auf Notbetreuung oder durch finanzielle Ausgleichszahlungen“. Konkret sei ein Corona-Elterngeld denkbar.

Insbesondere Alleinerziehende benötigten in Krisenzeiten einen Rechtsanspruch auf Arbeitszeitreduzierung mit finanzieller Absicherung. Vier von zehn Alleinerziehenden gelten als armutsgefährdet. Sie sind häufiger befristet beschäftigt und arbeiten häufiger zu atypischen Zeiten wie am Wochenende oder im Schichtdienst als es in Paarfamilien der Fall ist.

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