CDU Essen-Werden

CDU-Basis dringt auf schnelle Wahl des Parteichefs

„Wir sind die, die für alle ansprechbar sind“: CDU“-Urgestein“ Hanslothar Kranz (84) moderierte den politischen Stammtisch des CDU-Ortsverbandes Essen-Werden. Er hofft, dass die Volksparteien nicht noch mehr unter Druck geraten. Foto:

„Wir sind die, die für alle ansprechbar sind“: CDU“-Urgestein“ Hanslothar Kranz (84) moderierte den politischen Stammtisch des CDU-Ortsverbandes Essen-Werden. Er hofft, dass die Volksparteien nicht noch mehr unter Druck geraten. Foto:

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Essen.  Friedrich Merz scheint auch bei der CDU-Basis im Ruhrgebiet der Favorit für die Parteiführung zu sein. Und Laschet? Sollte NRW nicht verlassen.

Laschet? Merz? Spahn? Oder doch ein anderer? Über Personalien könnte die CDU-Basis im Ruhrgebiet stundenlang reden. Aber eines will sie nicht: Eine monatelange Hängepartie um die Frage, wer Vorsitzender und Kanzlerkandidat werden soll, womöglich bis Dezember. Der CDU-Ortsverband Werden passt da gut ins Bild. „Schafft zügig Klarheit“, ist das Signal aus dem Essener Süden an die Parteispitze.

So eine vertrackte Lage wie die nach „Thüringen“ und der plötzlichen Rückzugsankündigung von „AKK“ hat Hanslothar Kranz (84) noch nicht erlebt. Dabei ist er schon seit 1957 in der CDU, war 34 Jahre Bezirksbürgermeister und engagiert sich 50 Jahre für den Regionalverband Ruhr (RVR). Mehr Partei-„Urgestein“ geht nicht. Die Wirren um Barschel und Engholm, ja das war schlimm, erinnert sich der Chef der CDU Werden an andere Krisen. Aktuell treiben ihn und seine Mitstreiter Sorgen um, dass die Volkspartei CDU so in Bedrängnis geraten könnte wie die SPD. Eine monatelange Vorsitzenden-Suche hat die Sozialdemokratie schon ausprobiert. Aber gut geht’s ihr immer noch nicht.

Vorsprung für Merz

Thüringen, AKK, Kanzlerkandidatur. Für die zwei Dutzend Bürger, die an diesem Abend zum Stammtisch der CDU Werden gekommen sind, ist das unendlich weit weg. Das richtige Leben spielt vor ihrer Haustür. Ein Mann in einem rot-schwarz gestreiften Trikot ärgert sich über Trinkgelage am Ruhrtal-Radweg, ein anderer fragt, was aus den Baulücken im Ort wird. Kranz und seine Stellvertreterin Martina Schürmann lauschen und beraten. Zum ersten Mal ist die CDU im Restaurant „Attika“ zu Gast, und kümmert sich um Gäste aus dem Stadtteil, die vor südlichen und sonnigen Wand-Panoramen sitzen. Das Stammlokal des Ortsverbands, die „Domstuben“, wird gerade umgebaut, und wie das nach dem Umbau einmal aussehen wird, weiß keiner. Ein bisschen ist das wie mit der CDU.

Als die Gäste nach zwei Stunden gehen, bleiben die drei großen Fragen übrig: Laschet? Merz? Oder Spahn als Parteichef und Kanzlerkandidat? Der Favorit der Basis scheint nicht nur im Sauerland, sondern auch im Revier der stramme Konservative Friedrich Merz zu sein. „Unter den CDU-Bezirksvertretern hat Merz einen Vorsprung“, erzählt Herbert Schermuly (76), stolze 60 Jahre in der CDU und selbst kein Merz-Fan. Vermutlich neige auch die „sehr mittelständisch geprägte“ Union in ganz Essen eher zu Merz, erklärt Hanslothar Kranz. Ortsverbands-Kollege Jan-Peter Hazebrouck gehört zu jenen, die auf den Südwestfalen hoffen: „Er gibt eine Position vor und vertritt sie auch“, lobt Hazebrouck.

Sie mögen Armin Laschet – vor allem als Ministerpräsident

Interessant ist, dass an der Spitze der CDU Werden, im bürgerlichen Essener Süden, Jens Spahn einen Stein im Brett hat. „Unheimlich fleißig“, findet Kranz den umtriebigen Bundesgesundheitsminister. Zweiter Vorteil: Spahn ist im Gegensatz zu den Mitbewerbern jung. Martina Schürmann würde sich ebenfalls „eher für Spahn“ entscheiden. „Merz könnte es auch“, glaubt Schürmann, Ratsvertreterin in Essen und seit 2006 in der CDU. Aber Merz polarisiere sehr. „Bringt das die CDU nach vorne? Macht er die Partei zukunftsfähig?“ Schürmann hat da Zweifel.

Und Armin Laschet? Der hätte bestimmt das Zeug zum Kanzler und Bundesparteichef. Da sind sie sich einig. „Aber noch lieber ist mir Laschet als Ministerpräsident“, gesteht Herbert Schermuly. „Laschet ist gut da, wo er ist“, findet auch Annette-Henriette Dirkes aus dem Ortsverbands-Vorstand. Kranz und Schürmann fürchten, NRW hätte ein Problem, wenn Laschet nach Berlin ginge.

Mit der so genannten „Werteunion“ können sie hier in Werden übrigens gar nichts anfangen. „Beleidigend“ nennt Herbert Schermuly das Auftreten dieses Vereins. Seine Werte und die von vielen anderen Christdemokraten im Ruhrgebiet seien andere. Bezirksvertreter Schermuly war 30 Jahre lang Betriebsrat und steht fest auf christlich-sozialem Fundament. Für ihn hat CDU viel mit Gottvertrauen und Arbeitnehmernähe zu tun und nichts mit rechtsnationalen Tönen. Der neue Parteichef möge der Union „Frieden und Eintracht“ bringen, hofft Schermuly. Und das möglichst schnell, ergänzt Ratsfrau Martina Schürmann. Die Partei möge bitte nicht bis Dezember warten, um zu klären, wer sie in die nächsten Wahlkämpfe führt.

Fazit:

Die Basis will keine monatelange Hängepartie um Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur. Friedrich Merz genießt große Sympathien auch in den Ortsverbänden des Ruhrgebiets. Armin Laschet ist als Ministerpräsident bei der Basis beliebt. Ginge er nach Berlin, dann hinterließe er eine Lücke in Düsseldorf, fürchtet sie. Die rebellische „Werteunion“ hat wenig Rückhalt in der Partei.

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