CDU-Kritik an Grünen

Arbeitsminister warnt NRW vor "grüner Wohlfühlpolitik"

"Diese ganze grüne Wohlfühlpolitik macht mir mächtig Sorgen": NRW-Arbeits- und Sozialminister Karl-Josef Laumann (CDU).

"Diese ganze grüne Wohlfühlpolitik macht mir mächtig Sorgen": NRW-Arbeits- und Sozialminister Karl-Josef Laumann (CDU).

Foto: Martin Möller / Martin Möller / Funke Foto Services

Düsseldorf  "Mit Windrädern ist es nicht getan", warnt Karl-Josef Laumann (CDU). Er rät NRW ab, den Grünen hinterher zu laufen. Industrie schaffe Wohlstand.

NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) rät der Landesregierung und der eigenen Partei, nicht blind dem grünen Zeitgeist zu folgen. „Wir müssen in NRW die Wertschätzung für industrielle Fertigung behalten. Und da macht mir die ganze grüne Wohlfühlpolitik mächtig Sorgen. Wir sind als Landesregierung gut beraten, nicht den Grünen hinterher zu laufen“, sagte Laumann dieser Redaktion während einer Reise nach Rumänien. Der Minister hatte dort mit einer Delegation aus Unternehmern, Handwerkern und Gewerkschaftern Firmen aus NRW besucht, die die Standortvorteile dort nutzen.


Zum Beispiel gelingt es Unternehmen wie Kirchhoff Automotive aus Südwestfalen und Thyssenkrupp Bilstein aus dem Ruhrgebiet, innerhalb weniger Monate neue Fertigungen in Rumänien aufzubauen. In NRW dauerten solche Projekte oftmals viel länger.

EU-Partner könnten Deutschland wirtschaftlich überflügeln

In Rumänien passiere viel, sagte CDU-Politiker Laumann. Auch dort gebe es fleißige Menschen. In Sibiu in Siebenbürgen (früher: Hermannstadt) entstehen moderne Industrien vor den Türen der Stadt. „Die Maschinen dort kommen zum Glück oft noch aus Deutschland.Wir müssen aber aufpassen, dass wir nicht eines Tages von den EU-Partnern abgehängt werden“, warnte Laumann.


Die Landesregierung müsse daher auch den jüngeren NRW-Bürgern erklären, wie wichtig es sei, dass NRW ein Industrieland mit genügend Gewerbeflächen und bezahlbarer Energie bleibe. „Mit ein paar Windrädern und etwas Sonnenenergie ist es nicht getan. Industrie lässt sich nicht verstecken, aber sie sorgt für gute Arbeitsplätze“, so Laumann. Er platzierte seine Grünen-Kritik in den Landesparteitag der Grünen am Wochenende in Neuss hinein. Die NRW-Grünen beschlossen dort eine Neuausrichtung ihrer Bildungspolitik und feierten die Erfolge ihrer Partei bei der Europawahl.

Auch Laschet warnt

Eine ähnliche Grünen-kritische Haltung hatte zuletzt NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) gegenüber dieser Zeitung vertreten. Die CDU dürfe die Grünen „nicht grün überholen“, sagte er. Die Union müsse in der Klimadebatte deutlich machen, „dass wir die gleichen Ziele haben, aber unterschiedliche Antworten geben.“ NRW müsse Industrieland bleiben und neben grünen auch soziale Fragen berücksichtigen.


Arbeitsminister Laumann nannte es eine „Katastrophe“, dass im Ruhrgebiet einige Städte zu wenig geeignete Industrieflächen anböten. Er kritisierte scharf den Regionalverband Ruhr (RVR), der sich selbst als Vermittler für Gewerbe- und Industrieflächen ins Gespräch gebracht hat. „Der RVR schenkt diesen Fragen nicht genug Aufmerksamkeit und weist zu wenige Flächen aus“, sagte Laumann.

Ruf nach gerechter Verteilung von Hilfsgeldern für Rumänien

Nach dem Besuch einer Roma-Siedlung in Rumänien mahnte NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann eine gerechte Verteilung von Hilfsgeldern an: „Wir müssen unsere EU-Abgeordneten auffordern, dafür zu sorgen, dass das EU-Geld, das für die Verbesserung der Lebensumstände in Rumänien gedacht ist, auch tatsächlich dort bei jenen Menschen ankommt, für die es gedacht ist.“ Viele Roma sind ins Ruhrgebiet ausgewandert. „Wir können aber diese Probleme nicht in Duisburg, Dortmund und Gelsenkirchen lösen“, so Laumann.​

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