Kontrolle

Apotheker-Skandal - Land gibt Entwarnung bei Krebs-Arzneien

In NRW wurden 116 Apotheken kontrolliert, die individuelle Krebsmedikamente für Patienten herstellen. Von insgesamt 123 Proben seien 122 nicht zu beanstanden gewesen, hieß es.später.

Foto: Dirk Bauer

In NRW wurden 116 Apotheken kontrolliert, die individuelle Krebsmedikamente für Patienten herstellen. Von insgesamt 123 Proben seien 122 nicht zu beanstanden gewesen, hieß es.später. Foto: Dirk Bauer

Düsseldorf/Bottrop.  Nach dem Skandal um mutmaßlich gepanschte Krebsmedikamente in Bottrop hat das Land alle 116 entsprechenden Krebsapotheken in NRW kontrolliert.

Gut eineinhalb Jahre nach Auffliegen des Bottroper Apotheken-Skandals sieht NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) eine neue Patientensicherheit bei der Zubereitung von Krebsmedikamenten. Die Herstellung der sogenannten individuellen Zytostatika erfolge „im Land qualitativ hochwertig und entsprechend den ärztlichen Verordnungen“, sagte Laumann.

Die landeseigene Arzneimitteluntersuchungsstelle habe gemeinsam mit 50 Kreisen und Städten in NRW unangemeldet alle 116 Apotheken überprüft, die individuelle Krebsmedikamente für Patienten herstellen. Von insgesamt 123 Proben mit unterschiedlichsten Wirkstoffen seien 122 nicht zu beanstanden gewesen. Eine Probe wies demnach einen Gehalt des geforderten Wirkstoffs knapp unterhalb des zulässigen Grenzwertes auf. Weitere Untersuchungen und Inspektionen vor Ort hätten jedoch keine Hinweise auf systematische Fehler ergeben. „Von einer Patientengefährdung war nicht auszugehen“, so das NRW-Gesundheitsministerium.

Bottroper Apotheker zu zwölf Jahren Haft verurteilt

In Bottrop hatte der Apotheker Peter S. für einen der größten Medizin-Skandale der Nachkriegszeit gesorgt. Das Essener Landgericht sah es als erwiesen an, dass der 48-Jährige massenhaft Krebsmedikamente gestreckt und bei den Krankenkassen voll abgerechnet hatte, um sich persönlich zu bereichern. Peter S. wurde Mitte Juli dieses Jahres zu zwölf Jahren Haft verurteilt.

Gesundheitsminister Laumann hat in Folge des Skandals mit mehreren Erlassen die Apotheken-Überwachung verschärft. Zuvor lag es im Ermessen der einzelnen Kommune, ob und in welchem Umfang kontrolliert wurde. Zudem erfolgten Kontrollen mit vorheriger Ankündigung.

Die nun flächendeckenden Überprüfungen nach landesweit einheitlichen Standards brachten überwiegend Dokumentationsmängel und organisatorische Schwierigkeiten zu Tage, jedoch keine Unterdosierungen. Laumann kündigte an, dass sich die zuständigen Behörden auch künftig durch unangekündigte Inspektionen und Probenuntersuchungen davon überzeugen würden, dass die Vorschriften beachtet werden.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert dagegen eine noch engmaschigere Überwachung. Unangekündigte Stichprobenkontrollen bei den 116 NRW-Schwerpunkt-Apotheken für Zytostatika müssten viermal jährlich durch Amtsapotheker stattfinden. Zudem sollten nicht verbrauchte individuelle Krebsmittel zentral gesammelt und stichprobenartig auf ihre Wirkstoffe hin überprüft werden. Rückläufer müssten vernichtet werden, um auszuschließen, dass diese Präparate wiederverwendet werden.

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