Schulessen

Kinder klagen über das Schulessen - meist offenbar zu Recht

Fabian (12) vom Ricarda-Huch-Gymnasium in Gelsenkirchen wünscht sich öfter Pommes als Beilage zum Essen.

Fabian (12) vom Ricarda-Huch-Gymnasium in Gelsenkirchen wünscht sich öfter Pommes als Beilage zum Essen.

Foto: Matthias Graben/WAZ FotoPool

Essen.   Die Qualität von Schulessen stößt oftmals auf Kritik. Eine Studie der Hochschule Niederrhein kommt zu dem Ergebnis, das 90 Prozent der Angebote schlicht als "ungesund, verkocht und unhygienisch" bemängelt werden. Auch die Preise geben Anlass für Diskussionen und Kritik.

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90 Prozent der Portionen für Schüler sind verkocht und ungesund, ergab eine große Studie. Viele Schulen haben Probleme, eine warme Mahlzeit anzubieten. Die Kinder jammern, die Eltern resignieren, die Schulen doktern herum: Das Schulessen gehört zu den Themen, die in Familien und bei Elternabenden diskutiert werden. Tatsächlich sind in den vergangenen Jahren eine Menge Mensen gebaut und Caterer geprüft worden. Doch das Schulessen hat keine Tradition im Land.

Dass überhaupt mehr oder weniger flächendeckend Essen angeboten wird, hat sich aus purer Not entwickelt: Der schnelle Ausbau der Ganztagsbetreuung und der zunehmende Nachmittagsunterricht durch die Schulzeitverkürzung an Gymnasien (G8) schritt zügig voran, die Verpflegung der Kinder hinkt an vielen Schulen immer noch hinterher.

Warum schmeckt es so oft nicht?

Selbst gekocht wird an den wenigsten Schulen. Die traurige Realität: Caterer liefern seit Stunden warmgehaltenes Essen, was an Gemüse, sogenannter Stärkebeilage und Fleisch auf den Tellern landet, ist oft unansehnlich und geschmacklos. Die Hochschule Niederrhein bezeichnet 90 Prozent der Angebote schlicht als „ungesund, verkocht und unhygienisch“. Für dieses vernichtende Ergebnis hatten Wissenschaftler fünf Jahre lang das Angebot in 200 Mensen untersucht.

Prof. Volker Peinelt, Leiter der AG Schulverpflegung der Hochschule, schlägt vor, Essen von einem hochqualifizierten Personal in top-ausgestatteten Küchen zubereiten zu lassen. Ausgeliefert werden sollte es gekühlt oder gefroren. Erst kurz vor der Ausgabe in den Schulen sollte es wieder erhitzt werden.

Was gehört auf den Speiseplan?

Damit ein Schulessen von der Fachhochschule Niederrhein das Prädikat „gesund“ bekommt, müssen einmal pro Woche Fisch, täglich Salat, Gemüse, Obst und Vollkornprodukte angeboten werden. Fleisch sollte fettarm und nicht paniert sein. Täglich ein vegetarisches Gericht und ein Obst- oder Milchprodukte-Nachtisch sind ideal.

Und wenn die Schüler lieber Pizza, Pommes und Hamburger wollen?

Dann sollte man „Kompromisse schließen“, so die Geschäftsführerin der Landeselternschaft Gymnasien, Barbara Teichmann-Kols. Allerdings hat sie die Erfahrung gemacht, dass ältere Schülerinnen ohnehin lieber Salat und frisches Gemüse essen als Fettes aus der Fritteuse. Die Elternvertreterin schlägt vor, die Schüler viel mehr als bisher einzubeziehen, wenn es um das Mittagessen geht. Zum Beispiel mit Arbeitsgemeinschaften, in denen Schüler, Eltern und Lehrer gemeinsam Konzepte entwickeln für eine Verpflegung, die allen schmeckt und gesund ist. „In Schulen, die solche Arbeitsgemeinschaften haben, läuft es meistens besser.“

Was darf gutes Essen in der Schule kosten? 

In Grundschulen, wo die Portionen etwas kleiner sind, sind Preise zwischen 2,50 Euro und drei Euro in Ordnung, heißt es bei der Verbraucherzentrale NRW. In weiterführende Schulen muss meist zwischen drei und vier Euro bezahlt werden. Kinder von Hartz-IV-Empfängern müssen nur einen Eigenanteil von einem Euro bezahlen, der Rest kann aus dem Bildung-und Teilhabepaket des Bundes finanziert werden.

Nach Elternberichten bieten manche Schulen belegte Brötchen für nur 50 Cent an, während andere mehr verlangen als der Bäcker um die Ecke. Warum sind die Preisunterschiede so groß?

Für den Preis entscheidend ist, ob Eltern ehrenamtlich Brötchen schmieren und verkaufen oder ob auch der professionelle Caterer eingebunden ist, der sein Personal bezahlen muss und auch noch verdienen will, erklärt Ursula Tenberge-Weber von der Vernetzungsstelle Schulverpflegung der Verbraucherzentrale NRW.

Wird sich in Zukunft die Verpflegung der Kinder verbessern?

In Schulen, die schon vor vielen Jahren auf einen Ganztagsbetrieb umgestellt haben, läuft der Mittagsbetrieb reibungslos. Beispiele dafür sind in Essen das Stoppenberger Schulzentrum des Bistums Essen oder das Elsa-Brandström-Gymnasium in Oberhausen. Auch etliche Gesamtschulen, die seit jeher auch am Nachmittag unterrichten, gehören dazu. Grundschulen, Gymnasien und Realschulen müssen erst noch ihre Erfahrungen machen. „Tatsächlich ist sehr viel in Bewegung“, sagt Ursula Tenberge-Weber von der Verbraucherzentrale. Und es gebe immer mehr gute Beispiele. Elternvertreterin Teichmann-Kols hat die Erfahrung gemacht, dass eine rege Elternschaft großen Einfluss auf das Essen haben kann.

Stimmen zum Schulessen:

Alper, 13, Getrud-Bäumer-Realschule Essen: „Das Schulessen ist öfters lecker. Manchmal aber nicht. Außerdem ist das Besteck manchmal dreckig. Da hat man keine Lust mehr auf das Essen. Besonders gut finde ich die Currywurst. Gar nicht schmecken mir die Suppen. Die sind irgendwie so schlabberig.“

Josina, 12, Ricarda-Huch-Gymnasium, Gelsenkirchen: „Im Großen und Ganzen ist das Schulessen lecker, vor allem das Salatbuffet. Auch die Fischfrikadellen sind sehr lecker. Aber die Pizza ist mir zu ölig. Ich wünsche mir mehr frische Sachen, wie Gemüse. Denn das Gemüse, das es hier gibt, ist zu verkocht.“

Simon, 14, Gertrud-Bäumer-Realschule, Essen: „Das Schulessen ist ganz lecker. Aber ich finde, dass die Portionen zu klein sind. Zu einer Suppe gibt es nur eine Scheibe Toast. Besonders lecker finde ich die Nudeln mit der Tomatensoße. Weniger gut ist die Gemüsesuppe, weil die oft sehr salzig ist.“

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