Katholische Kirche

Katholische Kirche will 5000 Euro Entschädigung zahlen

Der Trierer Bischof und Missbrauchsbeauftragte der Katholischen Kirche, Stephan Ackermann. (Foto: dapd)

Der Trierer Bischof und Missbrauchsbeauftragte der Katholischen Kirche, Stephan Ackermann. (Foto: dapd)

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Essen.   Die Katholische Kirche will Opfer sexuellen Missbrauchs durch Geistliche mit bis zu 5.000 Euro pro Person entschädigen. In besonders schweren Fällen seien auch andere oder zusätzliche Leistungen möglich, teilte die Deutsche Bischofskonferenz mit.

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Der Runde Tisch gegen sexuelle Gewalt, den die Bundesregierung vor einem Jahr eingesetzt hat, kommt mit der Arbeit nur langsam voran. Bei dem Treffen der Rechts-Arbeitsgruppe unter Leitung von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) wurde am Mittwoch noch immer nicht über konkrete Entschädigungen gesprochen.

Die Missbrauchs-Beauftragte der Regierung, Christine Bergmann, empfahl lediglich Vorschläge für einen gemeinsamen Hilfs-Fonds aller Institutionen am Runden Tisch. Daraufhin legte die katholische Bischofskonferenz einen eigenen, umfassenden Hilfsplan vor. „Wir verstehen die wachsende Ungeduld der Betroffenen“, begründete sie ihre Entscheidung.

Ihr Hilfs-Konzept besteht aus vier Säulen. Erstens: Kirchliche Einrichtungen zahlen Opfern sexueller Gewalt bis zu 5000 Euro, wenn sie ihre Ansprüche wegen Verjährung nicht mehr vor Gericht einklagen können. Zweitens: In besonderen Härtefällen kann auch eine höhere Entschädigung gezahlt werden. Drittens: Die Kirche übernimmt die Kosten für eine Psychotherapie oder eine Paartherapie. Viertens: Die Kirche fördert Projekte zur Vorbeugung von Missbrauch aus einem Fonds in Höhe von 500 000 Euro.

Gelder nicht aus Kirchensteuer

Opfer können Anträge an die Missbrauchs-Beauftragten in jedem Bistum stellen. Geprüft werden sie dann von einer Kommission, die aus Juristen, Psychotherapeuten und Theologen besteht. Sie spricht Empfehlungen aus, die das jeweilige Bistum, aus dem das Opfer stammt, umsetzt.

Unklar ist noch, mit welchen Entschädigungs-Summen die Kirche insgesamt rechnet. Im Ruhrbistum, so dessen Sprecher, hätten bisher nur einige wenige Opfer den Wunsch nach Übernahme etwa einer Therapie geäußert. Gelder für die Leistungen sollen nicht aus Kirchensteuer-Mitteln stammen. Astrid Gutzeit vom Vorstand des Arbeitskreises der Opferhilfe begrüßte das Konzept. Es werde, sagte sie der WAZ, „mit Sicherheit in die weiteren Konzepte einfließen.“ Auch Leutheusser-Schnarrenberger und Bergmann lobten das Hilfs-Paket. Heftige Kritik kam hingegen vom „Eckigen Tisch“. Matthias Katsch, Sprecher der Gruppe, nannte die Summe eine „Unverschämtheit“. (mit dapd)

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