Jugend verliert Interesse am Führerschein

Dortmund.   Der Führerschein verliert bei jungen Menschen immer mehr an Bedeutung. Experten gehen davon aus, dass die Zahl der Fahrschüler in den kommenden Jahren deutlich einbrechen wird. Gründe dafür sind die demografische Entwicklung, ein gutes Mobilitätsangebot in den Städten und der Attraktivitätsverlust des Autos als Statussymbol.

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Der Führerschein verliert bei jungen Menschen immer mehr an Bedeutung. Experten gehen davon aus, dass die Zahl der Fahrschüler in den kommenden Jahren deutlich einbrechen wird. Gründe dafür sind die demografische Entwicklung, ein gutes Mobilitätsangebot in den Städten und der Attraktivitätsverlust des Autos als Statussymbol.

In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Führerscheinneulinge in NRW stetig zurückgegangen. Das belegen Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes. Demnach gab es am 1. Januar 2008 landesweit 418 435 Führerscheinneulinge, am 1. Januar diesen Jahres waren es 393 726. Zudem nimmt die Altersspreizung der Fahranfänger zu.

„Etwa die Hälfte macht den Führerschein schon mit 17, die andere Hälfte wartet teilweise bis sie 24 Jahre oder älter ist“, so Gerhard von Bressensdorf, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF). Viele junge Menschen entschieden sich vor der Fahrschule dazu eine Ausbildung zu machen. „Bei vielen ist das Geld auch anders gebunden, zum Beispiel durch die Nutzung von Smartphones.“

Der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer sieht in der Entwicklung einen Trend. Insbesondere in den Großstädten sei das „Mobilitätsangebot so, dass junge Leute ohne Auto auskommen“. Das Auto verliere an dort Attraktivität, auch wegen der damit verbundenen Kosten für Unterhalt oder Parkplätze. „Anstatt einen Führerschein zu machen, wird das Geld lieber für eine Urlaubsreise ausgegeben.“

Perspektivisch werde das eigene Fahren ohnehin an Bedeutung verlieren, glaubt Dudenhöffer: „In zwanzig Jahren werden Autos autonom fahren, dann braucht man auch keine Fahrlehrer mehr.“

Anders sieht es allerdings im ländlichen Raum aus, wo es keine oder kaum öffentlichen Nahverkehr gibt. Dort geht der Trend hin zum Führerschein mit 17, also dem begleiteten Fahren, bei dem Jugendliche unter Aufsicht eines Führerscheinbesitzers ein Auto steuern dürfen. „Das läuft auf dem Land sehr erfolgreich“, berichtet Kurt Bartels, Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Nordrhein.

Insgesamt hat aber auch Bartels bemerkt, dass „der Führerschein nicht mehr so mit dem Mobilitätsgedanken verbunden ist wie vor zehn Jahren“. Die einbrechenden Zahlen bei den Fahrschülern würden zwar derzeit zum Teil durch Flüchtlinge kompensiert, die einen Führerschein machten, so Bartels. Die Branche stellt sich aber auf schwierige Zeiten ein. „Wir müssen uns auf sinkende Schülerzahlen einstellen und rechnen in der Zukunft mit einem starken Einbruch“, so der BVF-Vorsitzende von Bressensdorf.

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