Präsidentengattin

Ist Brigitte Macron die heimliche Präsidentin in Frankreich?

Brigitte Macron am vergangenen Februar vor dem Élysée-Palast in Paris.

Brigitte Macron am vergangenen Februar vor dem Élysée-Palast in Paris.

Foto: PHILIPPE WOJAZER / REUTERS

Paris  Ein neues Buch über Frankreichs Präsidentengattin sorgt für Wirbel: Ist Brigitte Macron die Strippenzieherin im Élysée-Palast?

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Fast überall auf der Welt wird die Gattin des Staatsoberhaupts „First Lady“ genannt. In Frankreich hingegen, wo Anglizismen verpönt sind, heißt sie normalerweise „Première Dame“ (Erste Dame). Im engsten Mitarbeiterstab von Präsident Emmanuel Macron kursiert aber eine andere Bezeichnung. Dort spricht man von „la Présidente“, von der Präsidentin, wenn die Rede auf Brigitte Macron kommt.

Nicht aus Ehrfurcht etwa, sondern eher mit einer Mischung aus Ärger und Neid. Die Meinung seiner Ehefrau soll nämlich für den jungen Staatschef mehr zählen als die Ratschläge seiner brillanten Berater. Diese würden die in ihren Augen viel zu einflussreiche „Première Dame“ am liebsten zum Teufel wünschen.

Vieles spricht dafür, dass diese Anekdote aus dem Élysée-Palast, die die beiden Journalistinnen Ava Djamshidi und Nathalie Schuck in einem gerade erschienenen Buch erzählt haben, tatsächlich stimmt. Und falls Brigitte Macron das Werk mit dem Titel „Madame la Présidente“ schon gelesen hat, dürfte sie amüsiert gelächelt haben. Denn wenn „Bibi“, wie sie ihr Mann zärtlich zu nennen pflegt, etwas auszeichnet, dann ist es ihr Humor.

Brigitte Macron kritisiert belehrenden Präsidenten

Von dem wissen nicht nur Freunde und Bekannte zu berichten, sondern so ziemlich alle, die sie kennengelernt haben. Nur wenn der Präsident über die Stränge schlägt, soll sie ziemlich ärgerlich werden.

Insider berichten, dass „Bibi“ ihrem Gatten eine regelrechte Standpauke hielt wegen seiner belehrenden und hochnäsig wirkenden Bemerkungen, mit denen er sich so viele Sympathien bei seinen Landsleuten verscherzt hat.

Sätze wie „Ich brauche nur über die Straße zu gehen und finde für Sie einen Job“, mit der das Staatsoberhaupt einen Arbeitslosen abfertigte, oder seine Klagen über die veränderungsunwilligen, sich ewig beschwerenden Gallier fand die „Première Dame“ ganz und gar nicht lustig.

Neues Buch bietet kaum brisante Enthüllungen

Es war wohl kein Zufall, dass sich Macron kurz darauf öffentlich für seine verletzenden Äußerungen entschuldigte. Aber ist Brigitte Macron wirklich die Schattenpräsidentin Frankreichs? Die Frage scheint auf ein gewaltiges Interesse zu stoßen, wie die in nur drei Tagen vergriffene Startauflage des ihr gewidmeten Porträts nahelegt.

Da das Buch jedoch kaum mit brisanten Enthüllungen aufwartet, drängt sich noch eine weitere Erklärung für seinen Erfolg auf: Die Franzosen möchten einfach mehr wissen über die fraglos aus dem Rahmen fallende Persönlichkeit ihrer 65-jährigen „Première Dame“.

Richtig – die grazile, stets braun gebrannte Blondine, ist 24 Jahre älter als ihr Präsidentengatte. Das hat von Anfang an für Aufregung gesorgt und tut es immer noch. In den Pariser Salons wird die siebenfache Großmutter recht unhöflich als „die Alte“ tituliert.

Brigitte Macron ist stets stilsicher unterwegs

Aufgebracht hat das ausgerechnet François Hollande, Macrons Vorgänger im Präsidentenamt, der bei den zwei schlagzeilenträchtigen Wechseln seiner Lebensgefährtinnen sorgfältig darauf achtete, dass die neue jeweils mindestens zehn Jahre jünger war als die verflossene.

Mit der Eleganz freilich hatte Hollande es noch nie. Ganz in Gegensatz zu Brigitte Macron, von der noch keine einzige abfällige Bemerkung oder Stichelei publik wurde. Und wenn Hollandes Markenzeichen seine ewig schief hängende Krawatte war, so ist die „ Präsidentin“ bekannt für ihre hochhackigen Auftritte in immer wieder für Geraune sorgenden Designerkleidern.

Als oberste Repräsentantin der Haute Couture, da sind sich die Modefans einig, kann Brigitte es sogar mit dem Ex-Model Carla Bruni aufnehmen, die an der Seite von Ex-Präsident Nicolas Sarkozy eine besonders stilbewusste „Première Dame“ abgab.

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Suchte Brigitte Macron den Bildungsminister aus?

Von den offiziellen Verpflichtungen an der Seite ihres Gatten einmal abgesehen pflegt Brigitte Macron übrigens eher die Diskretion. Dass sie sich nachdrücklich für behinderte Menschen und kranke Kinder engagiert, ist zwar bekannt. Aber von den Medien lässt sie sich dabei nur höchst selten begleiten.

Sie spiele eben viel lieber die Strippenzieherin im Hintergrund, lästern Kritiker, die glauben, dass die „Première Dame“ ihre Hauptaufgabe darin sieht, den Präsidenten zu „coachen“. Auch bei der Berufung von Regierungsmitgliedern komme ihr eine nicht zu unterschätzende Rolle zu, heißt es.

Macron verlässt sich häufig auf die gute Menschenkenntnis, die man seiner Frau nachsagt. Es war Brigitte, die ihren Mann auf den weitestgehend unbekannten Jean-Michel Blanquer aufmerksam machte. Ihr Hinweis („Schau dir den mal näher an“) erwies sich als goldener Tipp.

Bildungsminister Blanquer gilt heute als eine der populärsten Persönlichkeiten im Kabinett. Selbst dass Macron vor drei Wochen überraschend einen Staatssekretär für den Schutz von Minderjährigen berief, soll in erster Linie dem Drängen der „Première Dame“ geschuldet sein.

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Die Ex-Lehrerin baute den verknallten Schüler erst auf

Hinter jedem starken Mann steht eine starke Frau, weiß das Sprichwort. Im Fall von Brigitte Macron, so die These des Buchs „Madame la Présidente“, soll es aber die Frau gewesen sein, die ihren Mann erst stark machte.

Ganz gezielt habe die Ex-Lehrerin den rettungslos in sie verknallten Schüler Emmanuel zu jenem Überflieger aufgebaut, der mit 39 Jahren zum jüngsten Präsidenten der V. Republik wurde. „Er schuldet ihr alles. Wenn er Präsident ist, dann dank ihr“, zitieren die beiden Autorinnen einen Vertrauten des Staatsoberhaupts.

Wahrheit oder Legende? Emmanuel Macron hat die Beziehung zu seiner Frau einmal als eine fast seelenverwandte Komplizenschaft beschrieben. Eine Komplizenschaft, der das beständige Lästern über den Altersunterschied des Paars ganz offenbar nichts anhaben kann.

Auch die Spekulationen, wie groß der Einfluss der „Première Dame“ auf den Präsidenten ist, dürften weitergehen. Zumal Letzterer den Eindruck erweckt, nach wie vor so verliebt zu sein in die selbstbewusste und attraktive Frau an seiner Seite wie am ersten Tag.

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