Kommentar

Iran und die USA – Das gefährliche Spiel mit dem Feuer

Donald Trump übt massiven Druck auf den Iran aus.

Donald Trump übt massiven Druck auf den Iran aus.

Foto: Ting Shen / dpa

Berlin.  Der Iran-Konflikt spitzt sich immer weiter zu. Die USA und der Iran reizen die jeweils andere Seite mit massiven Fehleinschätzungen.

Kaum eine Region in der Welt wird dieser Tage mit martialischeren Vokabeln belegt wie der Persische Golf. Die Rede ist vom Tanker- und Drohnenkrieg . Der Krieg der Worte zwischen den USA und dem Iran tobt ohnehin bereits seit geraumer Zeit. Einstweilen scheuen beide Länder vor einem militärischen Schlagabtausch zurück. Sie setzen der jeweils anderen Seite mit Nadelstichen zu – doch alles unterhalb der Schwelle einer direkten Konfrontation.

Sowohl Washington als auch Teheran tragen ihren Konflikt auf kleiner Flamme aus. Beide glauben, die Eskalation nach Belieben hoch- oder herunterschrauben zu können. Sie sind davon überzeugt, eine mächtige Drohkulisse zu haben. Beide könnten sich in ihrem Kalkül verschätzen.

US-Präsident Donald Trump hat sich in seine „Strategie des maximalen Drucks“ verbissen. Das unter seinem Amtsvorgänger Barack Obama ausgehandelte Atomabkommen, das den Iran zumindest für zehn Jahre von Kernwaffen fernhält, reicht ihm nicht. Er will die Mullahs nicht nur zu einem Nuklearverzicht auf alle Ewigkeit zwingen. Sie sollen zudem das Raketenprogramm des Landes einstellen und die schiitischen Milizen zwischen dem Libanon und dem Jemen nicht mehr unterstützen. Harsche wirtschaftliche Sanktionen – so denkt Trump – werden das Regime einknicken lassen.

Iraner sind Entbehrung durch Ersten Golfkrieg gewöhnt

Diese Rechnung könnte sich als Fehlkalkulation erweisen. Zwar wirken die Strafmaßnahmen der Amerikaner. Die Menschen im Iran leiden unter den galoppierenden Preisen – die Inflation liegt bei 50 Prozent. Das Wachstum wird dieses Jahr nach Schätzungen um sechs Prozent einbrechen. Doch die Bevölkerung ist an schmerzvolle Entbehrung gewöhnt. Mangel, Elend und Zerstörung haben während des Ersten Golfkriegs zwischen dem Iran und dem Irak 1980 bis 1988 nicht zum Zusammenbruch der Regierung geführt.

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Auch blutet die iranische Wirtschaft infolge der US-Sanktionen keineswegs aus. Es gibt Schlupflöcher des Handels – etwa über die Türkei, den Irak oder Pakistan. Banken in Vietnam oder Malaysia finanzieren über komplizierte Dreiecks-Operationen nach wie vor Geschäfte mit dem Iran. Hinzu kommt, dass die Führung in Teheran einflussreiche Verbündete hat. Russland und China stehen an der Seite des Iran. Sie lehnen erzwungene Politikwechsel – zumal solche des Unilateralisten Trump – ab.

Video der iranischen Revolutionsgarde soll Kaperung des Tankers zeigen

Teheran will Deutschland, Frankreich und Großbritannien unter Druck setzen

Doch auch der Iran könnte sich am großen geopolitischen Schachbrett verspekulieren. Teheran will vor allem die europäischen Unterzeichnerstaaten des Atomvertrags – Deutschland, Frankreich, Großbritannien – unter Druck setzen. Die Aktionen gegen Tanker auf der wichtigen Ölroute durch den Persischen Golf sollen die Gefahr eines weltwirtschaftlichen Schocks heraufbeschwören. Darüber hinaus löst die Drohung, den Nuklearwaffen-Baustoff Uran weiter anzureichern , die Sorge vor einem Wettrüsten im ohnehin explosiven Nahen Osten aus.

Der Iran will die Europäer durch den Angst-Hebel dazu bringen, die US-Sanktionen auszugleichen. Es ist ein Spiel mit dem Feuer, das genau das Gegenteil bewirken könnte. Bislang haben die Regierungen in Berlin, Paris und London das Atomabkommen eisern verteidigt. Nun treibt Teheran die Europäer in die Arme der Amerikaner. Zudem bringt die Urananreicherung der stark ramponierten iranischen Wirtschaft nichts.

Die USA und der Iran reizen die jeweils andere Seite mit massiven Fehleinschätzungen. Sie manövrieren sich in eine Frontstellung, aus der es kaum noch einen Ausweg gibt. Damit steigt die Gefahr einer Konfrontation, die nicht mehr auf kleiner Flamme zu halten wäre.

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