Abschied

„Hart aber fair“: Die letzte Sendung mit Frank Plasberg

| Lesedauer: 7 Minuten
Neuer „hart aber fair“-Moderator: Das ist Louis Klamroth

Neuer hart-aber-fair-Moderator- Das ist Louis Klamroth

Der deutsche Fernsehmoderator Louis Klamroth ist ab Januar 2023 das neue Gesicht von „hart aber fair“.

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Köln.  An ihm schieden sich die Geister: Moderator Frank Plasberg hört bei „hart aber fair“ auf. Der Journalist will jetzt erstmal „nichts“ machen.

Frank Plasberg beschreibt es wie ein Experiment, das ihm nun bevorsteht. „Man kennt das von Kindern: Wenn man ihnen die Playstation oder das iPad abnimmt und sie Langeweile bekommen, dann fangen sie plötzlich wieder mit Versteckspiel an“, erklärt er. So ähnlich stellt er sich das nun auch bei sich vor. Reize runterfahren - und abwarten, was für Ideen so kommen. „Ich will schauen, was Langeweile mit mir machen wird“, sagt er.

Der Unterschied ist: In den Händen von Frank Plasberg ruht keine Unterhaltungselektronik, sondern eine der bekanntesten Fernsehtalkshows des Landes. Seit 2001 moderiert er „hart aber fair“. Am Montagabend aber (14. November, 21.00 Uhr, Das Erste) soll Schluss damit sein. Dann will Plasberg das Format ein letztes Mal präsentieren. Danach macht die Sendung eine Pause, bevor sie Anfang 2023 zurückkehrt - mit einem neuen Moderator. Mit Louis Klamroth.

Frank Plasberg: „Das Format ist wichtiger als der Moderator“

Dass es ausgerechnet Plasberg ist, der durch einen Rückzug Bewegung in die erste Liga der deutschen Talkshow-Moderatorinnen und -Moderatoren bringt, kann auf den ersten Blick durchaus überraschen. Der 65-Jährige pflegte in seiner Sendung nicht nur einen zackigen Stil - er war auch um selbstbewusste Aussagen über deren Erfolg selten verlegen („Wir haben uns durchgeboxt, sind vom Underdog zum Platzhirschen aufgestiegen“). Auch heute noch wählt er im Gespräch manchmal Vokabeln, die ein gewisse Härte ausstrahlen. Etwa: „Wir haben immer gekämpft.“ Oder auch, dass der damalig WDR-Intendant Fritz Pleitgen die Sendung einst vom WDR in die ARD „gebombt“ habe.

Den recht geräuschlosen Rückzug des Kopfes der Kompanie ohne Not erwartet man da nicht sofort. Aber genauso sei es gewesen, berichtet Plasberg. „Im Oktober des vergangenen Jahres bin ich an den Sender, den Auftraggeber, herangetreten und habe gesagt: Leute, ich werde 65. Guckt doch mal, ob es wirklich so ist, wie wir denken - dass das Format stärker ist als der Moderator“, sagt er. „Und dass es mit einem neuen Gesicht auch eine Sauerstoffdusche bekommen könnte.“ Ihm sei stets wichtig gewesen, dass die Sendung nicht „wie bei einer Art Witwenverbrennung“ mitverbrannt werde, wenn er mal in Ruhestand gehe.

Moderator hat momentan keine neuen Pläne

Plasberg wählt dabei tatsächlich das Wort Ruhestand. Er sagt, er habe momentan keine neuen Pläne. Zwar habe er sich durchaus gefragt, was eine neue Herausforderung sein könne. Eine neue Sendung aber zum Beispiel sei es nicht. „Ich sage: Das größte Abenteuer für mich - der mit 16 Jahren bei der „Bergischen Morgenpost“ in Wermelskirchen angefangen hat, journalistisch zu arbeiten - ist: Einfach mal nicht mehr wichtig sein. Einfach mal zu gucken, was mit einem passiert, wenn man nicht mit Terminen zugedröhnt ist.“ Ihm sei klar, dass das auch in „in ein dunkles Loch“ führen könne. „Aber ich will es ausprobieren.“ Auch das Jahresendquiz in der ARD werde er nicht mehr moderieren. „Also heißt es im Dezember dann auch: Ade.“

Dass er bei „hart aber fair“ weiterhin Einfluss nehmen könnte, verneint Plasberg. Zwar werde die Sendung weiterhin von der Produktionsfirma produziert, von der er einer der Geschäftsführer sei. Aber „aktiv“ werde er nichts mehr damit zu tun haben. Er sei nun Zuschauer. Oder wie Plasberg versichert: „Ich werde nicht wie der alternde Schraubenfabrikant sein, der noch spätabends durch die Gänge schleicht und schaut, ob die Toleranzmaße passen.“

Sendung war in ihren ersten Jahren stilbildend

Wie sich „hart aber fair“ entwickeln wird, wird daher erst klar sein, wenn der jüngere Klamroth übernommen hat. Vor allem in ihren ersten Jahren war die Sendung stilbildend - vom berühmten Faktencheck bis zur verspielten Schlussrunde. Von 2001 an lief sie im WDR, von 2007 an in der ARD. Die Liste der Gäste mit den meisten Auftritten führt Norbert Röttgen an, gefolgt von Karl Lauterbach und Bärbel Höhn. Erst auf Platz vier folgt - etwas überraschend - Talkshow-Tanker Wolfgang Bosbach. Plasberg hat die Zahlen mal rausgesucht.

Er macht keinen Hehl daraus, dass es ihm gefallen hätte, auch mal am Sonntagabend in der ARD zu senden - dort, wo momentan Anne Will zu sehen ist oder früher Günther Jauch. „Natürlich hätte ich es gerne auch mal bequem gehabt“, sagt er. Am Sonntag - dem „Tatort“-Tag - habe man in der ARD schon mal zehn Millionen Zuschauer im Vorlauf. Vor dem „hart aber fair“-Sendeplatz am Montagabend laufe dagegen sehr viel Unterschiedliches. Manchmal habe man darauf aufbauen können, bisweilen nicht. „Manchmal lief da eine Naturdoku über balzende Eichhörnchen“, sagt Plasberg.

In seiner letzten Sendung soll das Thema „Ab in die Wüste – wer freut sich auf die WM in Katar?“ sein. Plasberg sagt, dass er noch gar nicht wisse, was er zum Schluss sagen werde - er schreibe nichts auf. In den letzten Minuten soll es aber wohl eine Überraschung geben. „Mir wurde gesagt: Warte ab, was dann passiert“, berichtet er.

Vor „hart aber fair“-Abschied: Plasberg über Öffentlich-Rechtliche

Plasberg hat kurz vor seinem Abschied die Themensetzung der Öffentlich-Rechtlichen hinterfragt. „Diversität ist eine wichtige Aufgabe und Minderheiten jedweder Form müssen stattfinden. Die Frage ist, ob man das in einem Übereifer tun muss“, sagte der 65-Jährige dem Podcast des Medienunternehmens „The Pioneer“. „Muss man unter Diversität nicht auch verstehen, an Menschen zu denken, die in der Mehrheit zu einer Minderheit werden, etwa die Perspektive der Pendlerpauschale mit dem Diesel auf dem Land und nicht die Prämie für Lastenfahrräder?“ Der Journalist weiter: „Wir senden manchmal über die Köpfe der Menschen hinweg.“

Für eine Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland nannte Plasberg Radio Bremen als Vorbild. „Wer die schlanken Strukturen bei Radio Bremen kennt, die Intendantin hat nicht einmal ein Dienstfahrrad, dann weiß man, wo der richtige Ort für Reform und Neubeginn ist“, sagte der langjährige „hart aber fair“-Moderator. „Von Bremen lernen, heißt Überleben lernen.“

Radio Bremen (RB) gehört zu den kleinsten Sendern innerhalb der ARD. Aus eigener Kraft, also aus den Rundfunkbeiträgen, die dem ARD-Sender zustehen, kann sich Radio Bremen nicht komplett finanzieren. Als sogenannte Nehmer-Anstalt - ähnlich wie beim Länderfinanzausgleich - erhält der ARD-Sender ebenso wie der Saarländische Rundfunk (SR) deshalb Geld von größeren finanzstärkeren ARD-Sendern. (dpa)

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