Stephan E.

Fall Lübcke: Weitere Ermittlungen gegen mutmaßlichen Mörder

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Berlin.  Stephan E. soll Walter Lübcke ermordet haben. Die Ermittler prüfen nun eine weitere Tat, an der er beteiligt gewesen sein könnte.

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Neue Ermittlungen gegen Stephan E., den Tatverdächtigen im Mordfall Lübcke: Am Donnerstag ist erneut das Wohnhaus des 45-Jährigen durchsucht worden.

Die Ermittler prüfen eine Beteiligung von Stephan E. in einem bisher ungeklärten, früheren Fall, wie die Staatsanwaltschaft Kassel am Freitag auf Anfrage unserer Redaktion bestätigte.

Weitere Angaben machte die Staatsanwaltschaft nicht. Wie „Spiegel Online“ zuerst berichtete, geht es um einen Angriff auf einen irakischen Flüchtling vor dreieinhalb Jahren. Der damals 22 Jahre alte Asylbewerber wurde in Lohfelden bei Kassel von Unbekannten mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt.

Stephan E. sitzt in Untersuchungshaft – Neue Durchsuchungen in Wohnhaus

Nach Informationen unserer Redaktion begründen die Umstände, die jetzt zur neuen Durchsuchung des Hauses von Stephan E. führte, zwar weitere intensive Ermittlungen. Es ist allerdings unklar, wie heiß die Spur ist, die auch im Fall des jungen Irakers nun den mutmaßlichen Lübcke-Mörder E. ins Visier der Strafverfolger bringt.

Es bestehe „der Anfangsverdacht einer Straftat“, so die Strafverfolgungsbehörden. Die Ermittler stellten am Donnerstag in dem Haus des mutmaßlichen Rechtsterroristen Gegenstände sicher. Im Blick hatte die Polizei dabei vor allem Messer und Fahrräder von E.

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Der irakische Asylsuchende war im Januar 2016 unweit der Unterkunft für Flüchtlinge in Lohfelden von einem Täter mit einem Messer schwer verletzt worden. Der Täter konnte damals unerkannt auf einem Fahrrad fliehen.

Der Rechtsextremist soll im Juni den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) mit einem Kopfschuss getötet haben.

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Der mutmaßliche Täter, gegen den die Bundesanwaltschaft wegen Mordes ermittelt, sitzt in Untersuchungshaft. Der Generalbundesanwalt geht von einem rechtsextremen Hintergrund aus. Der 45-jährige Stephan E. hatte die Tat gestanden und später sein Geständnis widerrufen.

Eine erste Pressemitteilung zu dem Angriff auf den 22 Jahre alten Iraker hatte die hessische Polizei noch in der Nacht zum 7. Januar 2016 verschickt. Damals waren die Tatumstände noch unklar. „Ein Verkehrsunfall kann derzeit ausgeschlossen werden“, hieß es nur.

Der Flüchtling blutete stark am Rücken, hatte Schnittwunden. Ein Autofahrer fand laut Polizei den Mann auf einer Kreuzung in Lohfelden liegen, unweit der dortigen Asylunterkunft. Der Iraker musste notoperiert werden, er hatte Verletzungen am oberen linken Rückenbereich.

Mutmaßlicher Täter als über 30-Jähriger beschrieben

Doch er war außer Lebensgefahr. Am Tag nach der Tat veröffentlichte die Polizei eine zweite Mitteilung zu dem Fall und schilderte neue Details zum Tathergang: Das Opfer, der junge Iraker, „nahm kurz einen Fahrradfahrer wahr, drehte sich wieder um und ging weiter. Plötzlich verspürte er einen Schlag am Rücken und sah danach den Fahrradfahrer geradeaus weiterfahren“.

Der Geflüchtete habe noch hinter dem Radfahrer hergerufen „und sackte dann zusammen“. Am Tatort entdeckten die Beamten nach eigenen Angaben zwei Messer. Den Radfahrer beschrieb das Opfer damals als einen Mann über 30 Jahre.

Der Rechtsextremist, der Regierungspräsident Lübcke ermordet haben soll, war 2016 Anfang 40. Unklar ist jedoch, wie genau die Zeugenaussage des Opfers damals waren. Die Schilderungen waren nach Angaben der Ermittler eher „vage“. Das Fahrrad, mit dem der Täter flüchtete, beschrieb der Iraker als laut Polizei als „älteres Modell“.

Der Fall Walter Lübcke hat in Deutschland eine breite Diskussion über rechten Terror ausgelöst. Nicht nur Außenminister Heiko Maas sprach davon, dass Deutschland damit ein Problem habe. Die Details am Mord an Lübcke offenbarten indes, wie organisiert der Rechtsextremismus in Deutschland ist. (dpa/les/cu)

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