Experten: Kita-Plätze aktiv anbieten

An Rhein und Ruhr.   Fachleute fordern ein Umdenken bei der Kita-Platzvergabe. Statt dass Eltern sich wie bisher aktiv um Betreuung bemühen müssen, sollten Städte ihnen automatisch und ungefragt einen Platz anbieten. Dem müssten Eltern dann aktiv widersprechen. So soll sichergestellt werden, dass auch benachteiligte Familien über frühkindliche Betreuungsangebote gut informiert werden, sagte Thomas Cornelissen, Mitautor einer Kita-Studie des Essener RWI-Leibnitz-Instituts.

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Fachleute fordern ein Umdenken bei der Kita-Platzvergabe. Statt dass Eltern sich wie bisher aktiv um Betreuung bemühen müssen, sollten Städte ihnen automatisch und ungefragt einen Platz anbieten. Dem müssten Eltern dann aktiv widersprechen. So soll sichergestellt werden, dass auch benachteiligte Familien über frühkindliche Betreuungsangebote gut informiert werden, sagte Thomas Cornelissen, Mitautor einer Kita-Studie des Essener RWI-Leibnitz-Instituts.

Laut der gemeinsamen Studie des Instituts und des Londoner University College profitieren besonders Kinder aus armen und zugewanderten Familien vom Kita-Besuch. Besuchen sie frühzeitig einen Kindergarten, steigert das ihre Schulfähigkeit. Das fand das Team um den Wirtschaftswissenschaftler Christian Dustmann bei einer Langzeitbetrachtung der Schuleingangsuntersuchungen in der Weser-Ems-Region von mehr als 130 000 Kindern zwischen 1994 bis 2002 heraus. „Wir fanden gleichzeitig heraus, dass gerade die Kinder, die am meisten von den positiven Einflüssen der Kita profitieren würden, dieses Bildungsangebot seltener nutzen“, erklärte Dustmann. Er führt das auch darauf zurück, dass Kinder von berufstätigen Eltern eher einen Platz erhalten als Kinder, deren Mütter keinen Job haben. Erschwerend komme hinzu, dass sich gerade finanziell benachteiligte Familien der positiven Effekte von frühkindlicher Bildung nicht bewusst seien.

Die Politik müsse nach Einschätzung der Wissenschaftler Einfluss darauf nehmen, dass gerade diese Kinder zum Kita-Besuch ermutigt werden. „Ein gebührenfreier Kitabesuch mag einige Familien dazu bewegen, das reicht aber als alleinige Maßnahme nicht aus“, sagt Dustmann. Eine automatische Kita-Anmeldung könne helfen.

Die Bertelsmann-Stiftung wiederum hat die 86 Kitas in Mülheim untersucht und weist in einer bisher unveröffentlichten Studie nach, dass die Zahl der Kinder aus armen oder zugewanderten Familien in einzelnen Kitas oftmals höher ist, als ihr Anteil in dem Stadtteil erwarten ließe. In manchen Kitas konzentrieren sich daher die Probleme besonders. Studienleiterin Regina von Görtz spricht von „Segregation“, der Trennung sozialer Gruppen. Gründe seien etwa, dass freie Träger eher Kinder einer bestimmten Konfession bevorzugten. Zudem machten besser situierte Eltern stärker vom Wahlrecht Gebrauch, so von Görtz. Sie mahnt zur Abhilfe: Kinder aus benachteiligenden Verhältnissen haben bessere Startchancen, wenn sie in der Kita nicht nur unter sich sind: „Kinder lernen voneinander.“

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