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Datensicherheit muss endlich überall zum Thema werden

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Berlin  Niemand sollte sich über den erneuten Datenhack wundern. Kaum einer kümmert sich um die Sicherheit seiner Daten. Aber es wird Zeit.

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Nun hat es mal wieder Prominente und Politiker getroffen, und dann auch noch viele auf einmal. Das klingt spektakulär, es steckt große kriminelle Energie dahinter und ist ein schweres Verbrechen. Aber es ist keine Überraschung – es darf keine sein.

Es zeigt nur einmal mehr: Vor gezielten Hackerangriffen ist kaum jemand sicher – auch nicht Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Und viel zu wenige scheren sich um die Sicherheit der eigenen Daten.

Hinterfragen Sie sich selbst: Wissen Sie, wie vielen Apps auf Smartphone, Tablet oder Notebook Sie erlaubt haben, auf ihre Bilder zuzugreifen? Sind Ihre Bilder im Gerätespeicher oder vielleicht auch in einer Cloud? Welche Programme synchronisieren sich mit Ihren Kalendereinträgen? Klicken Sie nicht auch gerne mal ein Update beiseite, weil Sie gerade keine Lust drauf haben?

Daten werden unkontrolliert gehandelt – möglicherweise auch von Facebook

Viele haben längst den Überblick verloren und vertrauen darauf, dass nichts passiert. Aber können Sie sicher sein, dass der Hersteller dieser einen App, der Sie irgendwann mal gedankenlos Zugriff auf Bilder, Kalenderdaten und Adressbuch gewährt haben, all diese Daten nicht insgeheim weiterverhökert?

Solche Vorwürfe gibt es zuhauf. Und nicht gegen irgendwelche Computerkids aus einer Garage. Sondern gegen Facebook. Einem Netzwerk, dem rund zwei Milliarden Menschen angehören. Mehr als jeder vierte Mensch auf dem Planeten.

Facebook ist in mehrere Datenskandale verwickelt. Unter anderem ermöglichte eine Datenpanne bei Facebook Zugriff auf private Fotos.

Alles hinterlässt im Netz Spuren

Wer die Vorteile der vernetzten Welt nutzen will, der zahlt dafür immer einen Preis. Vielleicht ist es nur ein verschicktes Bild bei WhatsApp, ein kleiner Plausch mit dem „smarten“ Lautsprecher oder die Kreditkartennummer, die auf der Playstation gespeichert ist, damit man bequem Spiele kaufen kann.

Aber all das hinterlässt Spuren, die andere finden und für sich nutzen können. Je größer die Präsenz im Internet ist, desto mehr Spuren hinterlässt man.

Für Verbrecher auf der ganzen Welt sind diese digitalen Fingerabdrücke und das Finden von Sicherheitslücken längst ein Milliardengeschäft, das neue kriminelle Berufsbilder hervorgebracht hat.

Angriffe betreffen jeden einzelnen

Angefangen beim kleinen Betrug mit einer Phishing-Mail oder einem Fake-Shop über eine Erpressung mit Nacktbildern bis hin zur großen Industriespionage. Verbrecher stehlen Daten – jeden Tag, tausendfach, rund um die Uhr, mit vielen verschiedenen Instrumenten.

Einzelpersonen sind genauso betroffen wie Mittelständler, Konzerne, Vereine, Parteien. Selbst digitale Vorreiter wie Amazon und Apple wurden ausgespäht, ohne es zu merken.

Das Netzwerk der Bundesregierung registriert täglich Hunderte Angriffe. „Hacken findet nicht in einem fernen Cyberuniversum statt“, sagte der Präsident des Bundesamtes für IT-Sicherheit unserer Redaktion. „Es betrifft uns alle.“

Datensicherheit ist zentraler Punkt der Digitalisierung

Umso wichtiger ist es, nicht nur über 5G, eine Digitalsteuer und Internet auf dem Land zu sprechen, wenn man in Brüssel und Berlin mal wieder auf die Digitalisierung Deutschlands zu sprechen kommt. Die Sicherheit der IT-Infrastruktur und der Datenschutz müssen als zentrale Bestandteile der Digitalisierung begriffen werden.

Zum Schutz von Verbrauchern, zum Schutz der Wirtschaft, aber vor allem auch zum Schutz der Demokratie.

Nur zu gut hat die letzte Präsidentenwahl in den USA gezeigt, wie sehr gezielte Cyber-Angriffe und Kampagnen das öffentliche Meinungsbild beeinflussen können.

Im Bundestag sollte man sich nun fragen, wie die Daten der Abgeordneten in Umlauf kommen konnten, obwohl es ein Bundesamt gibt, das nur dafür da ist, solche Fälle zu verhindern. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ist seit 2016 sogar um rund die Hälfte gewachsen.

Schulen müssen Medienkompetenz ins Zentrum rücken

Der vielleicht wichtigste Job kommt dabei auf die Länder zu, auf die Schulen. Dass gerade dort immenser Bedarf besteht, zeigte im November der Jugendmedienschutzindex 2018, eine Studie zur Medienkompetenz unter Lehrern. Dort gab jeder zweite Pädagoge an, seinen Schülern bei der Nutzung neuer Medien nicht ausreichend helfen zu können.

Dabei ist es neben dem Elternhaus gerade auch die Schule, die bei unseren Kindern ein Bewusstsein dafür schaffen muss, wie und wodurch man sich angreifbar macht, wenn man das Internet nutzt. Und das so früh wie möglich.

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