Ermittlungen

Datenleak: Verdächtiger war Behörden wohl länger bekannt

Ermittler: Hacker nennt als Motiv Ärger über Politiker-Aussagen

Bei der Vernehmung habe der Mann angegeben, allein gehandelt zu haben, erklärte das Bundeskriminalamt.

Bei der Vernehmung habe der Mann angegeben, allein gehandelt zu haben, erklärte das Bundeskriminalamt.

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Berlin  Hat der Tatverdächtige des aktuellen Datenleaks nur aus Ärger über Politiker gehandelt? Ein Bericht nährt Zweifel an dieser These.

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Nach dem Datenleak, bei dem private Daten hunderter Prominenter veröffentlicht worden sind, hatte es geheißen, der Tatverdächtige habe nicht nach rechtsextremen Vorstellungen gehandelt. Daran lässt ein Bericht nun aber Zweifel aufkommen.

Wie der „Spiegel“ berichtet, sei der mutmaßliche Täter nämlich schon vor Bekanntwerden der groß angelegten Datenveröffentlichung ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. In drei Fällen soll der 20-jährige Johannes S. aus Hessen rechtsextreme Parolen verbreitet haben. Die entsprechenden Verfahren der Staatsanwaltschaft Gießen seien noch nicht abgeschlossen.

Bisher hatte es immer geheißen, der Tatverdächtige habe aus Ärger über Politiker und Prominente wie Jan Böhmermann oder Til Schweiger gehandelt. Er habe sich an deren Aussagen gestört und wollte die Betroffenen mit der Veröffentlichung sensibler Daten bloßstellen. Ein rechtsextremes Motiv oder eine Unterstützung durch ausländische politische Kräfte wurde dabei ausgeschlossen.

Tatverdächtiger im Datenleak war in YouTube-Szene aktiv

In dem Bericht heißt es auch, der junge Mann könnte durch einen YouTube-Kanal beeinflusst worden sein. Dieser Kanal habe über genau die Politiker berichtet, von denen für das Datenleak Informationen gesammelt wurden.

Als gesichert gilt, dass der Tatverdächtige selbst Teil der YouTuber-Szene war. Er soll über den gekaperten Account eines Video-Produzenten auf der Videoplattform Zugriff auf Kontaktdaten anderer Prominenter erlangt haben.

Daten-Leak: 20-jähriger Hacker festgenommen

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Daten-Leak: 20-jähriger Hacker festgenommen

Der Verdächtige Johannes S. wurde nach einer Vernehmung durch die Behörden und Beschlagnahmung von technischen Geräten wieder auf freien Fuß gesetzt. Er lebte zum Tatzeitpunkt noch bei seiner Mutter. Die Behörden sahen keine Fluchtgefahr und nicht die Gefahr zu weiteren Straftaten.

Das Verfahren zu dem Datenleak liegt aktuell bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main. Diese hat eine Schwerpunktabteilung, die auf Internetkriminalität spezialisiert ist.

Als Reaktion auf die Veröffentlichung haben Politiker schärfere Regeln gefordert. Horst Seehofer will ein IT-Sicherheits-Gesetz 2.0 vorlegen. (ac)

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