Pandemie

Coronavirus in Europa: Einige Länder lockern – geht das gut?

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Mit Corona-Impfpass in den Urlaub?

Mit Corona-Impfpass in den Urlaub?

Geimpften mit einer Art Passierschein Urlaubsreisen ermöglichen - in der EU mehren sich die Forderungen nach einem Impfpass in der Corona-Pandemie. Andere Stimmen warnen vor einer Zwei-Klassen-Gesellschaft und Privilegien für Geimpfte.

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Berlin.  Einige EU-Länder öffnen sich viel mehr als Deutschland: Sie haben mehr Corona-Neuinfektionen, aber keine dramatisch hohen Todeszahlen.

In Deutschland nimmt die Debatte über Lockerungen immer mehr Fahrt auf. Andere Länder der Europäischen Union sind bereits auf dem Weg aus dem Lockdown. Sie öffnen Restaurants, Geschäfte, Kitas und Schulen.

Wie lebt man dort mit dem Virus – und zu welchem Preis? Eine Übersicht über die Lage in Österreich, Italien und Spanien. Tschechien mit der weltweit höchsten Rate an Neuinfektionen hält hingegen am Lockdown fest.

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Österreich: Schulen, Handel, körpernahe Dienstleistungen und Museen offen

„Testen, testen, testen – und zugleich behutsam lockern.“ Auf diese Formel lässt sich die Strategie der Regierung in Wien bringen. Ende Dezember hatte sich Österreich für rund anderthalb Monate einen harten Lockdown verordnet. Mitte Februar wurden die Daumenschrauben gelockert: Schulen, Handel, körpernahe Dienstleistungen und Museen sind wieder offen. In Schulen werden die Kinder zweimal pro Woche getestet. Wer zum Friseur will, braucht einen negativen Test.

Bundeskanzler Sebastian Kurz begründete die Öffnung mit der Lockdown-Müdigkeit. Die Menschen hätten sich immer weniger an die Maßnahmen gehalten, es habe immer mehr Verlagerungen in den privaten Bereich gegeben. „Und ein Lockdown, den keiner mitmacht, der hat natürlich auch wenig Sinn.“

Kurz nannte Israel, das Land mit der weltweit höchsten Impfquote, als Beispiel: „Ich setze mich dafür ein, dass wir in Europa einen grünen Pass zusammenbringen, wie es ihn in Israel gibt, am besten digital am Handy, wo jeder wieder alle Freiheit zurückbekommt, die wir so sehr schätzen“, sagte Kurz auf „Bild Live“. Lesen Sie hier: RKI-Papier zu Corona: In vier Stufen zurück zur Normalität

Aktuell beträgt die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche rund 139. Seit den Lockerungen steigt die Sieben-Tage-Inzidenz allerdings wieder leicht an. Dafür dürften zumindest teilweise die Mutationen verantwortlich sein. In Ostösterreich grassiert vor allem der britische Typ. Die südafrikanische Mutation ist in erster Linie ein Tiroler Problem.

Die Auslastung der Intensivbetten beträgt landesweit rund 29 Prozent. Derzeit sterben in Österreich im Schnitt weniger als 20 Menschen pro Tag an Covid-19.

Italien: Zwischen Ausgangssperren und offenen Bars

Das Land hat ein regional differenziertes System: Je besser die Corona-Zahlen, desto mehr Lockerungen. In elf von insgesamt 20 Regionen gilt das Pandemierisiko als moderat. Bars und Restaurants sind dort bis 18 Uhr geöffnet. An Schulen findet wieder Präsenzunterricht statt. Kinos und Theater sind aber weiterhin geschlossen.

In den neun übrigen Regionen mussten Museen, Bars und Restaurants wegen hoher Corona-Zahlen hingegen wieder schließen. Hochrisikogebiete wie die Provinz Bozen lassen Bewohner nur zum Einkaufen und zur Arbeit aus dem Haus. In ganz Italien gilt zudem weiterhin ab 22 Uhr eine nächtliche Ausgangssperre.

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Das Land hat ein Ampelsystem, das die Farbstufen Orange, Gelb und Rot kennt. Dabei gibt es kein zentrales Kriterium. Vielmehr entscheidet ein Mix aus rund 20 Faktoren über Lockerung oder Lockdown. Darunter befinden sich die Sieben-Tage-Inzidenz, aber auch die Zahl der Corona-Todesfälle pro Tag oder die Auslastung der Kliniken. Italien verzeichnet im Schnitt 300 Covid-19-Tote pro Tag.

Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt im Schnitt bei rund 135. In der autonomen Provinz Bozen bewegt sich die Inzidenz bei knapp 740. Hohe Fallzahlen verzeichnen auch Kampanien, die Emilia-Romagna, Um­brien und die Toskana. 20 Prozent der Neuansteckungen gehen auf Mutanten zurück, vor allem auf die britische Variante. Derzeit befinden sich auf 25 Prozent der Intensivstationen Corona-Patienten.

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Spanien: Vorzeigeinsel Mallorca versus Negativbeispiel Madrid

Die Regionalregierungen haben begonnen, das öffentliche Leben wieder hochzufahren. Das Ziel lautet, die Tourismussaison zu retten. Die Lage fällt je nach Landstrich unterschiedlich aus.

Als Negativbeispiel gilt das Gebiet rund um die Hauptstadt Madrid, wo es in den letzten Monaten nur geringe Beschränkungen gab. Gastronomie und Handel hatten lediglich leicht verkürzte Öffnungszeiten, die nun wieder verlängert wurden. Derzeit darf bis 23 Uhr geöffnet werden. Madrid hat mit 156 die höchste Sieben-Tage-Inzidenz. Lesen Sie hier: Corona: So stehen die Chancen auf Mallorca-Urlaub zu Ostern

Das Positivbeispiel ist die Insel Mallorca mit ihren harten Restriktionen. Bars und Restaurants sind dort noch bis Anfang März geschlossen. Die Inzidenz ist mit 46 die niedrigste in ganz Spanien.

Bei Schulen und Kitas gab es im Land keine Einschränkungen. Zuletzt lag die Inzidenz im Schnitt bei 96. Rund ein Drittel der Ansteckungen geht auf die britische Variante zurück – Tendenz steigend. Laut offiziellen Zahlen sind 33 Prozent der Intensivbetten belegt. Im Schnitt werden pro Tag 350 Corona-Tote gemeldet.

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Tschechien:

Das Nachbarland hat mit zuletzt 672 die höchste Inzidenz weltweit. In der Region Eger (Cheb) an der Grenze zu Bayern und Sachsen liegt der Wert sogar höher als 1100. Derzeit sind über 6800 Covid-19-Patienten in Kliniken, mehr als 1300 von ihnen auf der Intensivstation.

Der Notstand, der an diesem Montag ausläuft, soll verlängert werden. Kulturelle Einrichtungen bleiben ebenso wie die meisten Geschäfte, Restaurants und Schulen geschlossen.

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