Chemieindustrie

Beschäftigte sollen zwischen Geld und mehr Freizeit wählen

Die IG BCE geht mit dem Motto „Weil du es wert bist!“ in die aktuelle Chemie-Tarifrunde.

Die IG BCE geht mit dem Motto „Weil du es wert bist!“ in die aktuelle Chemie-Tarifrunde.

Essen.   Tarifverhandlungen in der Chemieindustrie: Die IG BCE will erreichen, dass die Beschäftigten zwischen mehr Geld und Freizeit wählen können.

Zunehmend können Beschäftigte bei Tarifabschlüssen zwischen Geld oder mehr Zeit wählen. Auch in der Chemieindustrie mit rund 580.000 Beschäftigten macht sich die Industriegewerkschaft BCE für eine entsprechende Wahlfreiheit stark. Eine Forderung lautet „entweder mehr Geld oder mehr freie Tage“. IG BCE-Chef Michael Vassiliadis betonte, die Gewerkschaft greife damit zum Auftakt der aktuellen Tarifrunde Hinweise aus den Belegschaften auf. Bei vielen Beschäftigten gebe es den Wunsch nach „mehr Zeitsouveränität“. Große Arbeitgeber der Branche sind unter anderem BASF, Covestro, Linde und der Essener Chemiekonzern Evonik.

Georg Müller, der Verhandlungsführer des Chemie-Arbeitgeberverbands BAVC, warnte vor übertriebenen Erwartungen. „Wichtig ist, dass mehr Zeitsouveränität nicht mit einer Verringerung des Arbeitsvolumens übersetzt wird“, sagte er. „Flexibler arbeiten heißt nicht, weniger zu arbeiten. Unterm Strich muss das notwendige Arbeitsvolumen sichergestellt werden.“ Müller betonte, dass die Unternehmen bereits jetzt viele Möglichkeiten bieten, „um Beruf und Privatleben besser in Einklang zu bringen“.

Beispiele Post, TÜV und Metallindustrie

Auch in anderen Branchen gibt es mittlerweile Wahlmöglichkeiten für die Mitarbeiter. Ein Bestandteil des jüngsten Tarifabschlusses für die Metall- und Elektroindustrie ist, dass Beschäftigte, die Kinder erziehen, Angehörige pflegen oder im Schichtbetrieb sind, wählen können, ob sie statt eines Zusatzgelds acht freie Tage nehmen wollen. Zwei Tage davon finanziert der Arbeitgeber. „Viel zu lange war Flexibilität ein Privileg der Arbeitgeber“, sagte Gewerkschaftschef Jörg Hofmann zur Begründung. „Jetzt haben die Beschäftigten erstmals verbindliche Ansprüche, sich für eine kürzere Arbeitszeit zu entscheiden – für sich selbst, für ihre Gesundheit, für ihre Familien.“

Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi können auch Beschäftigte der Deutschen Post einen Anteil an der jüngsten Entgelterhöhung in freie Zeit umwandeln. Bei der Prüf- und Dienstleistungsfirma TÜV Nord habe es für Verdi-Mitglieder nach dem Tarifergebnis die Wahl zwischen fünf zusätzlichen Urlaubstagen oder einer Einmalzahlung gegeben. Angesichts der Digitalisierung und einer wachsenden psychischen Belastung der Beschäftigten spiele das Thema Arbeitszeitgestaltung in Tarifverträgen eine zunehmend wichtige Rolle, berichtet Verdi-Experte Norbert Reuter.

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