Arme Leute spenden mehr als Reiche

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Berlin/Dortmund. (ph/ds/jow) Ältere Menschen, sozial engagierte Bürger und Menschen mit kleinen Einkommen oder Renten machen Deutschland zum Spenden-Weltmeister.

Eigener Bericht Vor allem ihrem Einsatz ist es zu verdanken, dass im ersten Halbjahr 2007 mit 843 Millionen Euro rund 70 Millionen Euro oder fast zehn Prozent mehr Geld gespendet wurde als im gleichen Vorjahreszeitraum. Damit wurde der Spendenmarkt nach einem drastischen Rückgang 2006 wieder spürbar belebt.

Mehr als die Hälfte aller Spenden kamen von Über-60-Jährigen. Der durchschnittliche Spendenwert liegt bei 25 Euro, stellt der Deutsche Spendenrat in seinem Spendenbericht fest. Dagegen hielten sich Wohlhabendere trotz der guten Konjunktur zurück. Haushalte mit einem Nettoeinkommen über 2750 Euro spendeten insgesamt zwar 341 Millionen Euro - was aber nur durch einige große Einzelspenden zustande kam.

Dass Kleinspenden die Masse machen, bestätigen Einrichtungen wie die Caritas im Erzbistum Paderborn: Manches Briefchen mit einem Zehn-Euro-Schein käme aus einem Altenheim. Erzbischof Hans-Josef Becker zur WR: "Besonders die ältere Generation, die Krieg und Leid erlebt hat, spendet. Das ist auch meine Erfahrung. Ich habe größten Respekt vor einer Rentnerin, die von dem wenigen, was sie hat, abgibt". Becker sieht im Trend auch einen Zusammenhang mit der sozialen Situation in Deutschland: "Die soziale Schieflage hat auch damit zu tun, dass Reichtum und Selbstverwöhnung das Herz erkalten lassen", sagte der Erzbischof. "Zum Glück nicht bei allen. Die Option für die Armen ist für mich der Stachel im Fleisch eines jeden Christen."

Fachleute nehmen an, dass wohlhabende Menschen statt auf Spenden verstärkt auf Stiftungen setzen, um gemeinnützige Ziele zu fördern. Auch ist das Vertrauen in karitative Organisationen laut Deutschem Spendenrat weiter gesunken. "Durch Gesetzesänderungen ist es für Bürger einfacher uns steuerlich attraktiver geworden, sich in Stiftungen zu engagieren", sagte Anke Pätsch vom Bundesverband Deutscher Stiftungen.

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