AfD-Parteitag

AfD in NRW vor Zerreißprobe - Parteitag könnte heftig werden

AfD-Landeschef Martin Renner ist zwar seinen größten Widersacher, Marcus Pretzell, los. Dennoch dürfte er am Wochenende beim Parteitag in Kalkar Konkurrenz bekommen.

Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

AfD-Landeschef Martin Renner ist zwar seinen größten Widersacher, Marcus Pretzell, los. Dennoch dürfte er am Wochenende beim Parteitag in Kalkar Konkurrenz bekommen. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Düsseldorf.   Beim Parteitag in Kalkar drohen Flügelkämpfe, die absehbar bei den Vorstandswahlen ausgefochten werden. Gerüchte um Betrug bei der Buchführung.

Eigentlich sollte für AfD-Landeschef Martin Renner der Weg frei sein für eine weitere Amtszeit: Marcus Pretzell, sein bisher größter Widersacher und bis September ebenfalls Vorsitzender des Landesverbandes, hat die Partei im Streit verlassen. Außerdem könnte der „Rechtsruck“ der AfD im Bund Renner in die Karten spielen. Dennoch muss sich der 63-Jährige Bundestagsabgeordnete am Wochenende beim Parteitag in Kalkar auf heftigen Gegenwind einstellen.

AfD-Parteitage waren bisher stets unübersichtlich, ihr Ausgang, wie zuletzt in Hannover, praktisch unvorhersehbar. Daher muss die Rechnung „Pretzell ist weg = Durchmarsch für Renner“ nicht unbedingt aufgehen. „Wir sind alle immer ein bisschen im Clinch“, sagte der Chef des 4500 Mitglieder großen AfD-Landesverbandes drei Tage vor dem Treffen im „Wunderland Kalkar“, einem Freizeitpark auf dem Gelände der nie realisierten Atomanlage „Schneller Brüter“.

Ex-Mitglied: Die Landespartei ist tief zerstritten

Über die Formulierung „ein bisschen Clinch“ werden sich manche wundern. „Die Landespartei ist weiter tief zerstritten, und der AfD-Landessprecher wird es diesmal sehr schwer haben“, sagte ein früherer Funktionsträger, der vor Kurzem aus der AfD austrat, dieser Zeitung. Mitglieder, die sich selbst als liberal-konservativ einordnen, ringen mit der wachsenden Gruppe jener, die durch völkisch-nationalistische Töne auffallen.

Renner selbst ist grob im so genannten „Höcke-Lager“ zu verorten. Wie der thüringische AfD-Landessprecher Björn Höcke neigt er zu verbalen Entgleisungen, spricht von einer „sozialistischen Versiffung der Gesellschaft“, Bürger wähnt er als „Systemsklaven“. Noch weiter rechts steht Sonja Schaak, Kreisverband Lippe, die Ambitionen haben könnte, für die AfD-Landesspitze zu kandidieren.

Konkurrenz für Martin Renner

Dass Martin Renner im „Wunderland“ Konkurrenz bekommen wird, gilt als ausgemacht. Der Gelsenkirchener Bundestagsabgeordnete und Berufsschullehrer Jörg Schneider dürfte kandidieren. Er gehört nicht zu den besonders radikalen Akteuren in der AfD-NRW und galt mal als Pretzell-Gefolgsmann. Michael Schild aus Unna, auch ein möglicher Anwärter auf den Landesvorsitz, hat hingegen den Ruf eines „Hardliners“. Daneben kursieren weitere Namen: Uwe Freitag (Düren), Thomas Heßling (Rhein-Sieg), Andreas Handt (Unna) und Thomas Röckemann (Minden).

Bevor diese Entscheidungen fallen, muss in Kalkar Grundsätzliches geklärt werden: Soll der neue Vorstand ein Votum für ein oder zwei Jahre bekommen? Wird es künftig einen, zwei oder gar drei AfD-Landessprecher (Vorsitzende) geben? Gut möglich also, dass Renner, wenn er gewählt werden sollte, erneut einen Vorsitzenden auf Augenhöhe akzeptieren muss.

Gerüchte über Absage des Parteitags

Ursprünglich sollten diese Fragen schon im Oktober bei einem Parteitag in Wiehl geklärt werden. Der aber wurde, angeblich „aus Sicherheitsgründen“, abgesagt. Die Polizei erkannte damals jedenfalls keine großen Risiken. Innerhalb der AfD wird gemunkelt, die Absage habe andere Gründe gehabt.

Schon damals gab es Gerüchte über „finanzielle Unregelmäßigkeiten“ im Landesverband. Und dieser Vorwurf steht weiter im Raum. In einem der Anträge wird nun eine Sonderprüfung der Finanzen durch unabhängige Experten gefordert. Es geht um Hunderttausende Euro, die angeblich veruntreut und für dubiose Zwecke ausgegeben wurden.

Neue Alternative: Die Blauen

Die Frage, ob die NRW-AfD in Kalkar weiter nach rechts rückt, ist für die Landtagsfraktion womöglich existenziell. Neben dem Ex-AfD-Landeschef Marcus Pretzell haben zwei andere Abgeordnete nach der Bundestagswahl Partei und Fraktion verlassen: Frank Neppe und Alexander Langguth. Beide haben inzwischen im Iserlohner Stadtrat mit anderen Ex-AfD-lern eine „Blaue Fraktion“ gegründet, die sich an der von der früheren AfD-Bundesvorsitzenden Frauke Petry gegründeten „Blauen Partei“ orientiert. Nicht ausgeschlossen, dass sich nach Kalkar weitere Abgeordnete, die Pretzell nahe stehen, diesem Lager anschließen. Aber nicht jedes Ex-AfD-Mitglied dürfte dort willkommen sein.

Einer der „Blauen“ droht schon mal: „Wir werden uns sehr genau überlegen, wen wir aufnehmen.“

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