Bildung

Ärger um digitale Schul-Plattform „Logineo“

Vieles läuft in Schulen eher auf Papier.

Vieles läuft in Schulen eher auf Papier.

Foto: dpa / Friso Gentsch

Düsseldorf.  Die Einführung des Prestigeprojekts „Logineo“ stockt. Lehrer sind verärgert und behelfen sich momentan mit privaten Diensten.

Die pannenreiche Einführung des digitalen Prestigeprojektes „Logineo“ an den NRW-Schulen sorgt zunehmend bei Lehrern für Verärgerung. Die bereits für 2016 versprochene landesweite Etablierung einer digitalen Arbeitsplattform für den Austausch von Unterrichtsmaterialien oder den geschützten Eltern-Schüler-Kontakt sei „längst überfällig“, kritisierte der Verband Bildung und Erziehung NRW (VBE). Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) beklagte, dass noch immer keine Lösung in Sicht sei.

Der Landesregierung sei es bis heute nicht gelungen, „ein lauffähiges Produkt“ in einer angemessenen Zeit zu entwickeln, monierte der Datenschutz-Experte des VBE, Andreas Stommel. „Bislang gibt es die Plattform nur auf dem Papier.“ GEW-Vize Maike Finnern zeigte sich verärgert, dass noch immer keine offizielle und zertifizierte Lösung in Sicht sei.

Der Druck ist groß

Mit „Logineo“ sollte bereits 2016 flächendeckend eine Software-Plattform geschaffen werden, mit der die Schulen endlich Dienstmailadressen, Kalender, digitale Lernmittel sowie den Zugriff auf eine Cloud oder einen Datensafe für vertrauliche Dokumente erhalten. Im Oktober 2017 stoppte die neue Landesregierung „Logineo“ jedoch wegen „gravierender technischer Probleme“. Derzeit überprüft laut Schulministerium ein Gutachter das Projekt. Wann mit einer Einführung zu rechnen ist, sei unklar. Der Druck ist groß: Bereits vier Millionen Euro sind in die Entwicklung der Plattform geflossen. Zudem hat sich die neue Landesregierung „weltbeste Bildung“ und „Digitalisierung“ auf die Fahnen geschrieben.

Die Digitalisierung der Lehrerzimmer wirkt ernüchternd. „Momentan versucht jede Schule, irgendwie eine Lösung zu finden“, sagte GEW-Vize Finnern. Laut VBE-Mann Stommel mühten sich viele Lehrer im Alltag, Informationsfluss und Absprachen über gängige Messengerdienste und Speichertools wie WhatsApp oder Dropbox abzuwickeln. Das Problem: Die Dienste halten datenschutzrechtlichen Vorgaben nicht stand. Die Lehrer bräuchten dringend zumindest Mail-Postfächer und ausreichend Computer, klagte Stommel.

Verträge neu aushandeln

Das Schulministerium will zwar grundsätzlich an „Logineo“ festhalten, nennt die bisherige Projektorganisation und die vertraglichen Regelungen jedoch „mangelhaft bzw. ungeeignet“. Verträge müssten neu ausgehandelt werden. Ob die bisherige Projektleitung in den Händen der Medienberatung NRW bleibt und das Kommunale Rechenzentrum Niederrhein die Plattform weiter entwickeln solle, sei noch unklar.

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