Pflegenotstand

35.000 Pflegekräfte gesucht – Job soll attraktiver werden

Drei Minister für die Pflege: Franziska Giffey (Familie, SPD), Hubertus Heil (l., Arbeit, SPD) und Jens Spahn (Gesundheit, CDU) starten ihre „Konzertierte Aktion Pflege“.

Drei Minister für die Pflege: Franziska Giffey (Familie, SPD), Hubertus Heil (l., Arbeit, SPD) und Jens Spahn (Gesundheit, CDU) starten ihre „Konzertierte Aktion Pflege“.

Foto: Inga Kjer/photothek.net / imago/photothek

Berlin  Drei Bundesminister wollen die Bezahlung und Arbeitsbedingungen von Pflegepersonal verbessern. So soll der Beruf attraktiver werden.

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Der Minister hat das Problem erkannt: Es gebe eine „regelrechte Vertrauenskrise“ in der Pflege, sagt Jens Spahn (SPD). Viele Fachkräfte seien frustriert. „Wir haben verstanden. Wir wollen was verändern“, so der Gesundheitsminister. Gemeinsam mit den Kollegen Hubertus Heil (Arbeit) und Franziska Giffey (Familie, beide SPD) startet Spahn am Dienstag die „Konzertierte Aktion Pflege“. Ihr Ziel: Der Beruf soll attraktiver werden.

Giffey, die einen „Pflegenotstand“ in Deutschland sieht, umschreibt es so: „Es muss cool werden, Pflegekraft zu sein.“ Und die Zeit drängt: In Deutschland sind in der Alten- und Krankenpflege 35.000 Stellen für Fachkräfte und Helfer offen.

Spahn wünscht sich konstruktiven Zoff

In einem Jahr oder weniger sollen Gewerkschaften, Arbeitgeber, Krankenkassen und andere Verbände Verbesserungsvorschläge erarbeiten. Spahn will kein Kaffeekränzchen, wie er sagt. Er wünscht sich eher konstruktiven Zoff. Es solle „keine Denkverbote“ geben, sagt er – und regt „Streit in der Sache“ an.

Konkret geht es um Verbesserungen in fünf Feldern, die in Arbeitsgruppen diskutiert werden sollen. Erstens: Die Ausbildung soll besser werden. Dazu gehört laut Giffey auch, dass die Auszubildenden mehr Geld verdienen – und so nicht mehr abhängig von ihren Eltern sind.

Zweitens: Die Arbeitsbedingungen für die Fachkräfte sollen verbessert werden. Pflegekräfte wünschten sich mehr Zeit, sagt Giffey. „Pflegen nach der Stoppuhr muss ein Ende haben. Gute Pflege braucht Zeit, um für Menschen da sein zu können.“ Gleichzeitig wollen die Minister dafür sorgen, dass der Beruf planbarer wird. Ehemalige Alten- und Krankenpfleger sollen durch die besseren Arbeitsbedingungen zurückgewonnen werden.

Drittens: Digitalisierung soll die Pflege modernisieren und verbessern. Fachkräfte könnten sich in Zukunft leichter via Online-Sprechstunde mit Medizinern austauschen. Die Pflegeschulen sollen fit gemacht werden für die Digitalisierung.

Viertens: Deutschland soll Pflegekräfte aus dem Ausland abwerben.

Allerdings will er niemanden abwerben, der in seiner Heimat als Pflegekraft gebraucht wird. Spahn schlägt unter anderem schnellere Visa-Verfahren vor.

Die fünfte Frage dreht sich ums Geld: Wie sieht ein gerechter Lohn in der Pflege aus? „Wer gute Fachkräfte will, muss auch gut bezahlen“, sagt Heil. Eine bessere Bezahlung sei auch eine „Frage des Anstandes“. Heil will den Fachkräftemangel mit mehr Tarifbindungen bekämpfen. Ohne „sanften politischen Druck“ werde das wohl nicht gehen, sagt der Arbeitsminister.

In der Pflege sind gut eine Million Menschen beschäftigt – mehr als 80 Prozent von ihnen sind Frauen. Unklar ist, was die Reformen kosten sollen. Zuletzt hat Spahn eine Erhöhung des Pflegebeitrags um 0,3 Prozentpunkte ab Januar 2019 angekündigt.

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