Ermittlungen

Todesfall von „Gorch Fock“-Kadettin wird neu aufgerollt

Ein Foto der auf der „Gorch Fock“ ums Leben gekommenen Soldatin Jenny Böken ist auf ihrem Grab.

Ein Foto der auf der „Gorch Fock“ ums Leben gekommenen Soldatin Jenny Böken ist auf ihrem Grab.

Foto: Henning Kaiser / dpa

Kiel  Der Tod von Jenny Böken wird wieder untersucht. Der rätselhafte Fall der „Gorch Fock“-Kadettin beschäftigt in Kiel erneut Ermittler.

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Der rätselhafte Tod der „Gorch Fock“-Kadettin Jenny Böken wird von der Staatsanwaltschaft Kiel wieder aufgerollt. Das Todesermittlungsverfahren sei wieder aufgenommen worden, teilte die Behörde am Dienstag mit – mehr als zehn Jahre, nachdem die junge Frau unter ungeklärten Umständen ums Leben kam.

Nach den Aussagen einer Zeugin müssten einige Punkte überprüft werden, hieß es weiter. Die Angaben dieser Zeugin beruhten allerdings im Wesentlichen auf Hörensagen, hieß es. Sie sei im Jahr 2008 Soldat der Bundeswehr gewesen, habe aber weder zur Marine noch zur Besatzung der „Gorch Fock“ gehört. Die Ermittlungen zu dem Fall waren bereits 2009 eingestellt worden.

Jenny Böken, damals 18 Jahre alt, war in der Nacht zum 4. September 2008 während einer Ausbildungsfahrt des bekannten Segelschulschiffs der Marine bei einer Wache über Bord gegangen. Die genauen Umstände sind bis heute ein Rätsel. Der Leichnam wurde erst nach elf Tagen aus der Nordsee geborgen. Die Ermittler hielten ein Unglück bisher für am wahrscheinlichsten. Für die ARD wurde der Fall verfilmt , 2017 zeigte das Erste sowohl das Drama als auch eine Doku darüber.

Eltern von Jenny Böken glauben nicht an Unglücksfall

Die Eltern hingegen halten sogar einen Mord für möglich. Sie stützten sich dabei auf eine eidesstattliche Aussage eines früheren Bundeswehrangehörigen, der im April dieses Jahres – nach einer Geschlechtsumwandlung – von der Kieler Staatsanwaltschaft als Zeugin vernommen wurde.

Oberstaatsanwalt Axel Bieler hatte damals gesagt, die Aussage werde überprüft und dann entschieden, ob das Todesermittlungsverfahren wieder eröffnet wird. Die Zeugin sei früher ein Kamerad von Jenny Böken bei der Bundeswehr gewesen, sagte Bieler Ende April nach der staatsanwaltschaftlichen Vernehmung.

Laut dem Anwalt der Bökens, Rainer Dietz aus Aachen, soll die im April vernommene Zeugin erklärt haben, kurz nach dem Auffinden der Leiche hätten mehrere Männer, darunter Marineangehörige, sie in einer Kaserne besucht. Sie sollen angedeutet haben, dass die junge Frau erdrosselt worden sei.

Vater von Jenny Böken übergab Ermittlern 14 Aktenordnern

Im September 2018 hatten sich die Eltern der toten „Gorch Fock“-Kadettin an Schleswig-Holsteins Justizministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) gewandt. Über ihren Anwalt Dietz beantragten sie, die Ministerin solle das Oberlandesgericht Schleswig-Holstein anweisen, statt der Kieler eine andere Staatsanwaltschaft mit der Prüfung des Antrags auf Wiederaufnahme der Ermittlungen zu beauftragen.

Die Eltern hatten der Staatsanwaltschaft Fehler, Versäumnisse und Voreingenommenheit vorgehalten. Die Generalstaatsanwaltschaft in Schleswig-Holstein verwarf den Antrag.

Der Vater der Kadettin hatte im September 2018 knapp 140.000 Unterschriften für eine Wiederaufnahme der eingestellten Ermittlungen gesammelt. Insgesamt 14 Aktenordner hatte Uwe Böken der Justizministerin übergeben. (dpa/ba)

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