Tierrettungen

Wie eine dunkle Socke der Feuerwehr in Detmold half

Wenn jemand gar nicht zur Ruhe kommen will: einfach mal eine dunkle Socke über den Kopf ziehen. Beim Schwan in Detmold hat es geholfen.

Foto: Feuerwehr Detmold

Wenn jemand gar nicht zur Ruhe kommen will: einfach mal eine dunkle Socke über den Kopf ziehen. Beim Schwan in Detmold hat es geholfen. Foto: Feuerwehr Detmold

An Rhein und Ruhr.   Die Feuerwehr rückt immer häufiger zu Tierrettungen aus, wie jüngste Zahlen belegen. Einige Einsätze sind besondere Herausforderungen.

Dem Kanarienvogel daheim im Käfig wirft man ein Tuch übers Gestänge, um ihn zu beruhigen – aber: Was macht man einem Schwan, der in der Nacht zu Dienstag auf der Straße sitzt und da auch nicht weg will? Feuerwehrleute in Detmold haben einen Mitarbeiter der nahen Adlerwarte zu Hilfe gerufen. Dessen „Geheimtrick“: dem Vogel eine dunkle Socke über den Kopf ziehen. Siehe da – es hilft!

Das äußerlich unverletzte Tier wurde orientierungslos und ruhig. Zur Beobachtung verbrachte der Schwan den Rest der Nacht in der Adlerwarte. NRW-weit hatten Feuerwehrleute in den letzten Tagen eine ganze Reihe tierischer Einsätze: – eine kleine Auswahl: Am Niederrhein Voerde bargen Einsatzkräfte ein entkräftetes Reh, das sich ins Hochwassergebiet verirrt hatte.

2016 rückten Feuerwehren 8366 Mal zu Tierrettungen aus

In Bochum fischten Retter ein hilfloses Eichhörnchen aus einem Aufzugsschacht. Und in Coesfeld gaben Feuerwehr und Polizei einer Rotte von acht Wildschweinen Geleit, die dann schließlich durch einen Kanal davonschwamm. Wer bisher nicht wusste, dass Wildschweine schwimmen können, der weiß es nun. . .

Gefühlt hat die Zahl solcher Einsätze zugenommen, auf dem Papier tatsächlich auch: Jüngsten Zahlen zufolge rückten Freiwillige und Berufsfeuerwehren in NRW im Jahr 2016 insgesamt 8366 Mal aus, weil Tiere in Gefahr waren (Vorjahr: 7057). Experten sind aber mit der Einschätzung der Zahlen vorsichtig, sprechen nicht von einem Trend: „Die Zahlen schwanken“, so eine Ministeriumssprecherin. Zurückgegangen ist die Zahl der Einsätze wegen Gefahr durch Tiere – von 1934 im Jahr 2015 auf 1792 in 2016.

„Die meisten Tierrettungseinsätze kommen aus dem urbanen Bereich“, sagt Christoph Schöneborn vom Verband der Feuerwehren in NRW. Auf dem Land helfe man sich eher selber als in der Stadt. Tatsächlich sei auch nicht jeder Fall einer für die Feuerwehr: „Katzen kommen in der Regel von allein wieder vom Baum.“ Die Feuerwehr sei zuständig, wenn Tiere in einer klaren Notlage seien.

Prüfung im Einzelfall

Nicht von ungefähr gibt es gerade bei Großstadtfeuerwehren auch Spezialisten für Tierrettung. Die Feuerwehr in Düsseldorf etwa verfügt über mittlerweile sechs Kollegen, die in der Bergung von Reptilien und Exoten besonders versiert sind. Diese werden auch von anderen NRW-Feuerwehren angefordert.

Bei kleineren Rettungen rückt die Düsseldorfer Wehr auch nur mit kleinen Fahrzeugen aus, die eigens über Tierboxen verfügen. Ob Halter für solche Rettungseinsätze zur Kasse gebeten werden, hängt u. a. davon ab, ob ein schuldhaftes Verhalten vorliegt: „Das wird jeweils im Einzelfall geprüft“, so Feuersprecher Christopher Schuster. So ein Einsatz kann mit gut 100 Euro erledigt sein, je nach Aufwand können es aber auch mehrere Tausend sein.

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