ARD-Krimi

„Tatort“ aus Stuttgart – Kammerspiel um einen Engel

Szene aus „Anne und der Tod“: Ist Altenpflegerin Anne (Katharina Marie Schubert) ein Todesengel?

Szene aus „Anne und der Tod“: Ist Altenpflegerin Anne (Katharina Marie Schubert) ein Todesengel?

Foto: Maor Waisburd / dpa

Stuttgart  Im neuen „Tatort“ aus Stuttgart geht es um die Situation in der Pflege. „Anne und der Tod“ ist ein atmosphärisch dichtes Kammerspiel.

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„Wenn man nur vier Minuten für Waschen und Kämmen hat und die Kasse dafür 3,07 Euro bewilligt, dann sieht das nicht aus wie bei Udo Walz.“ Die Uhr tickt ständig mit, für die minutengenaue Abrechnung sind die Wagen des mobilen Pflegedienstes sogar mit GPS-Ortungstechnik ausgestattet. Das Gehalt? Naja, geht so.

Anne Werner (Katharina Marie Schubert) macht sich über ihren Beruf keine Illusionen. Doch all diese Defizite nimmt die Idealistin bereitwillig hin, weil es um das Wohl von Menschen geht. Ihre Augen strahlen, wenn sie von ihrer Arbeit, von ihren Patienten erzählt. Katharina Marie Schubert spielt die hingebungsvolle Altenpflegerin, deren Fähigkeit zu Empathie und Mitleid schon fast selbstschädigendes Ausmaß angenommen hat, ausdrucksstark und bewundernswert differenziert.

Ist Anne Werner ein Todesengel?

Diese freundliche, kompetente Anne Werner ist ein guter Mensch, ein wahrer Engel. Ist sie auch ein Todesengel? Das können die Kommissare Lannert (Richy Müller) und Bootz (Felix Klare) von der Kripo Stuttgart nicht ausschließen. Zwei Senioren, die zwar krank waren, aber eben nicht todkrank, sind unerwartet gestorben. Der eine hat einen Sturz von der Treppe nicht überlebt, der andere hat ein wichtiges Medikament nicht eingenommen.

Beim ersten Opfer vermutet dessen Witwe, er sei gestoßen worden. Beim zweiten hält die Hausärztin einen Austausch der Tabletten gegen Placebos für möglich. Die Pflegerin hieß jeweils Anne Werner. Der neue Stuttgart-Tatort „Anne und der Tod“ nach einem Drehbuch von Wolfgang Stauch ist über weite Strecken ein ungewöhnlich ruhiges, atmosphärisch hoch verdichtetes Kammerspiel (Regie: Jens Wischnewski), wie man es – auch dank der großartigen drei Hauptdarsteller – innerhalb der „Tatort“-Reihe selten einmal gesehen hat.

Rückblenden auf Ort und Umstände

Von Anfang an steht das Vernehmungszimmer, steht die Befragung der Verdächtigen durch die beiden Beamten im Zentrum des Geschehens. Die Todesfälle haben sich da bereits ereignet, Rückblenden auf Ort und Umstände, auf die bislang ergebnislos verlaufenen Ermittlungen haben im Grunde nur erklärenden, dokumentierenden Charakter.

Je intensiver sich die Befragung gestaltet, je nachdrücklicher und glaubwürdiger Anne Werner alle Verdächtigungen zurückweist, desto mehr wandern die Gedanken des Zuschauers ab. Weil andere Themen hinter den möglichen Morden aufscheinen. Die Situation der Pflegebedürftigen drängt in den Vordergrund.