Mord

Stuttgart: Mann wurde mit Deko-Samuraischwert getötet

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Stuttgart.  In Stuttgart ist ein Mann mit einem Schwert getötet worden. Es handelte sich um eine Deko-Waffe, die der Täter am Tattag gekauft hatte.

Der Schwert-Mord auf offener Straße in Stuttgart liegt bereits mehr als eine Woche zurück. Nun gibt es weitere Details zur Tatwaffe. Wie die Polizei bekanntgab, ist der 36-Jährige mit einem Samuraischwert getötet worden.

Es handele sich um eine Deko-Waffe, die der mutmaßliche Täter am Tattag gekauft habe, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch. Die Waffe ist frei verkäuflich, sie darf aber nicht am Körper geführt werden.

Auch der in der Flüchtlingsdebatte für seine polarisierenden Aussagen berüchtigte Grünen-Politiker Boris Palmer hat sich inzwischen in einem Gastbeitrag in der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ geäußert.

Palmer schrieb, dass die AfD und deren Anhänger die Gewalt von rechts bagatellisiere, schreibt der Tübinger Oberbürgermeister. Es seien aber auch viele auf dem linken Auge blind, die sich für weltoffen und tolerant hielten.

Die Aussagen dürften auch in der eigenen Partei für Aufregung sorgen – auch wenn zuletzt der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann gesagt hatte, dass Palmer der Partei gut tue.

Schwert-Mord Stuttgart: Waffe galt als Deko

  • Die Tötung in Stuttgart ist mit einem Samuraischwert verübt worden
  • Es handelte sich um eine Deko-Waffe
  • Grünen-Politiker Boris Palmer findet, dass viele auf dem linken Augen blind seien
  • Der Tübinger Oberbürgermeister nimmt den Schwert-Mord in Stuttgart vergangenen Mittwoch als Auslöser für seine Kritik
  • In Stuttgart hatte am Mittwochabend ein Asylbewerber einen 36-jährigen Deutschen mit einem Schwert getötet

Würden Asylbewerber zu Tätern, verharmlosten sie dies als Einzelfälle oder bestritten jede politische Relevanz, wirft Palmer ihnen vor und ergänzt: „Hätte ein Neonazi mit dem Schwert einen Afrikaner erschlagen, würden dieselben Leute längst Konzerte gegen rechts auf dem Cannstatter Wasen veranstalten.“

Was war passiert? Am helllichten Tag rastete der Mann Mittwoch vergangene Woche aus, stach mit einem Schwert mehrfach auf sein Opfer ein – mitten auf der Straße. Die Hintergründe des mutmaßlichen Schwert-Mordes in Stuttgart liegen noch weitgehend im Dunkeln, die Stuttgarter Staatsanwaltschaft geht von einem persönlichen Motiv aus.

Der mutmaßliche Täter hatte angegeben, er stamme aus Jordanien, die Behörden gehen dagegen davon aus, dass es sich um einen Syrer handelt, der seit 2015 mit einem gültigen Aufenthaltsstatus in Deutschland lebt.

Die Struktur der Gewaltkriminalität von Asylbewerbern sei bekannt, schreibt Palmer in der „FAZ“ und fordert eine Debatte. Ebenso seien weitreichende Konsequenzen für den Sicherheitsapparat abgeleitet worden aus dem Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, den ein Rechtsextremist im Juni erschossen haben soll.

„Dazu kommt es aber nicht, weil jeder Versuch eine solche Debatte zu führen, als rechtspopulistisch abgetan und als angeblich rassistisch delegitimiert wird“, schreibt er. Palmer wird seit längerem und zunehmend wegen seiner von Äußerungen zur Flüchtlingspolitik auch von eigenen Parteifreunden scharf kritisiert.

Lob für Palmer von Kretschmann

Zuletzt hatte Palmer für Wirbel gesorgt, als er eine Werbung der Deutschen Bahn kritisiert hatte. Darin waren Menschen mit unterschiedlichen Hautfarben zu sehen. Das löste auch in der eigenen Partei für Aufregung. Winfried Kretschmann sprang dem Tübinger Bürgermeister daraufhin zur Seite.

Der Politiker hatte 2017 mit seinem Buch „Wir können nicht allen helfen“ für viel Aufsehen gesorgt. In diesem Video äußert sich der Tübinger Oberbürgermeister in einem Gespräch mit unserer Redaktion dazu.

Flüchtlingsdebatte- Darum haben die Grünen Angst vor diesem Buch

Boris Palmer – Fakten zum Grünen-Politiker:

  • Boris Palmer ist seit 2007 Oberbürgermeister von Tübingen
  • Äußerungen des Grünen-Politikers sorgten vor allem in der Flüchtlingsdebatte für Wirbel
  • Mehrere Grüne forderten bereits den Austritt Palmers

Mehrere Augenzeugen sahen die Tat in Stuttgart

Nachricht vom 6. Juni 2019: Dutzende Augenzeugenhatten die Tat gesehen. Laut der „Bild“ war das 36-jährige Opfer mit seiner elfjährigen Tochter am frühen Mittwochabend an seinem Wohnhaus angekommen, als der mutmaßliche Täter einen Streit begann und das Schwert im Verlauf der eskalierenden Auseinandersetzung aus seiner Hülle zog. Das Kind sei vor Schreck weggerannt.

Das Opfer und der 28 Jahre alte Tatverdächtige kannten sich. Der mittlerweile geständige Issa M. und das Opfer hatten mit einem weiteren Mann in Stuttgartbis vor kurzem zusammengelebt. Mittlerweile sind weitere Details zur Identität und Vergangenheit von Issa M. bekannt.

Schwert-Mord in Stuttgart: Issa M. ist bereits mehrfach straffällig geworden

Anfangs hieß es seitens der Polizei, man habe einen 28 Jahre alten Syrer festgenommen. Doch es handelt sich offenbar nicht um einen Mann aus dem Bürgerkriegsland, sondern um einen Jordanier.

Trotzdem ließ der Mann sich offenbar nach „Bild“-Informationen 2015 in Eisenhüttenstadt in Brandenburg als Syrer registrieren, Heimatort Dara – etwa 30 Kilometer entfernt von seiner Heimat Irbid in Jordanien, kurz hinter der Grenze. Dafür soll er sich in der Türkei einen gefälschten syrischen Pass besorgt haben, wie sein Bruder der „Bild“ berichtet.

Von Brandenburg aus begann der des Schwertmordes Beschuldigte offenbar mehrere Straftaten. So hat er laut „BZ“ seine schwangere Lebensgefährtin verprügelt, wurde in Neuruppin dafür verurteilt. Auch in Berlin sei er straffällig geworden, berichtet die „BZ“ – und habe Spielautomaten in einer Kneipe an der Baumschulallee aufgebrochen.

Die Zeitung zitiert eine Gerichtssprecherin: Der Strafbefehl von November 2018 habe nicht zugestellt werden können.

Diese Google-Karte zeigt den Tatort, die Fasanenhofstraße in Stuttgart, wo sich die Tat zugetragen hatte.

Issa M. hat bis vor kurzem mit dem Ermordeten zusammengelebt – in einer Dreier-WG. Dieser dritte Mann hat auch mit der „Bild“ gesprochen – und von vielen Streitereien berichtet. Über den Tatverdächtigen sagt er: „Er hat sich einfach an keine Regeln gehalten.“ Auch seine Miete habe er nicht bezahlt, angeblich habe der Mitbewohner ihn deshalb dem Vermieter gemeldet. Ein möglicher Auslöser für die Gewalt?

Mann nach Schwert-Mord in Stuttgart wegen Mordverdachts in U-Haft

Staatsanwaltschaft und die Polizei Stuttgart haben weitere Details zu den Ermittlungen gegen den Schwert-Angreifer veröffentlicht. Ein Richter hat Haftbefehl wegen Mordes erlassen, der Mann sitzt in Untersuchungshaft. Er hat die Tat gestanden.

Die Ermittler teilten nun weitere Einzelheiten zum Verdächtigen mit: Bisher geht die Polizei davon aus, dass es sich bei dem Angreifer um einen 28-Jährigen handelt. Issa M. soll am 1. Juni 2018 nach Stuttgart gezogen sein. Bis Ende April 2019 lebte er den Ermittlungen zufolge etwa ein Jahr lang in einer Wohnung gemeinsam mit dem späteren Opfer. Zur Tatzeit soll sich der 28-Jährige aber hauptsächlich in einer Gemeinschaftsunterkunft im Raum Ludwigsburg aufgehalten haben.

Mutmaßlicher Schwert-Angreifer in Brandenburg straffällig

Gegen den Verdächtigen seien zudem zwei Strafbefehle wegen Körperverletzung und Hausfriedensbruch in Brandenburg erlassen worden, bestätigte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Neuruppin, Oberstaatsanwalt Jürgen Schiermeyer, am Montag Medienberichte. Laut einem Strafbefehl hatte der nach Behördenangaben 28-Jährige seine Freundin geschlagen. Beide Taten hätten sich 2017 ereignet, sagte Schiermeyer.

Ende Februar 2015 soll Issa M. nach Deutschland eingereist sein und ist seit Oktober 2015 als Flüchtling anerkannt. Seit November 2015 sei er im Besitz einer Aufenthaltserlaubnis.

„Zweifel an seiner Staatsangehörigkeit nährte der Beschuldigte bei seiner Festnahme selbst“, heißt es in der Polizeimitteilung. Er habe angegeben, zwei Jahre älter zu sein und eine jordanische Staatsangehörigkeit zu besitzen. Papiere, die er bei sich trug, weisen ihn als 28 Jahre alten Syrer aus.

Verdacht auf psychiatrische Vorgeschichte bisher Spekulation

Wie die „Stuttgarter Nachrichten“ berichten, soll sich Issa M. schon langem in sozialen Netzwerken als glühender Anhänger eines freien Palästina präsentiert haben. Rätsel gebe indes ein Foto auf, das ihn offensichtlich an einer S- und U-Bahn-Station nahe einer Berliner Nervenklinik zeigt.

Der Verdacht einer psychiatrischen Vorgeschichte ist bisher aber noch Spekulation.

Die Ermittler setzten am Freitag indessen ihre Zeugenbefragungen im dem Fall fort. Im Fokus stehen Anwohner sowie Bekannte des Opfers. Die elfjährige Tochter des Opfers, die den Angriff mitansehen musste, ist eine potenzielle Zeugin.

Die Staatsanwaltschaft erklärte am Freitag, es gebe ausschließlich persönliche Beweggründe des mutmaßlichen Täters. „Es gibt weder religiöse noch politische Motive“, sagte Staatsanwalt Heiner Römhild. Ob sich der Mann schon zu Details geäußert hat, teilte er nicht mit.

Angriff mit Schwert in Stuttgart – Täter war polizeibekannt

Der Tat vorangegangen war offenbar ein Streit der zwei ehemaligen Mitbewohner, der komplett eskaliert war – und ein tragisches Ende nahm.

Ein Anwohner hatte die Tat gefilmt. Auf dem Video ist unter anderem der Täter zu sehen, auch das Ausmaß der Gewalt lässt sich erkennen. Das Video kursiert unter anderem bei WhatsApp und bei Facebook – wobei dort inzwischen der Videofilter gegen verbotene Inhalte zu greifen scheint.

Ein Polizeisprecher sagte, das Video sei bekannt, allerdings werde dringend appelliert, dieses nicht weiter zu teilen. Dies könne sogar strafrechtliche Konsequenzen haben, sagte er unserer Redaktion.

Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg wies in einem Tweet darauf hin, dass die „Herstellung und Verbreitung von Medien, die grausame oder unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen zeigen“, verboten sind.

Dass jemand mit einem Schwert oder Ähnlichem angreift, ist eher ungewöhnlich. Im vergangenen Dezember attackierte ein Mann einen Taxifahrer in Österreich mit einem Samuraischwert – er hatte nicht bezahlen wollen.

Im März dieses Jahres wählte ein Mann ein andere außergewöhnliche Waffe. Er schoss in Magdeburg mit Pfeil und Bogen auf Autos.

(dpa/ses/cho)

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