Altern

Midlife-Crisis bei Frauen: 40 Jahre, weiblich und dann?

Immer mehr Frauen spüren um die 40 Veränderungen im Leben – und immer mehr von ihnen sprechen darüber. (Symbolbild)

Immer mehr Frauen spüren um die 40 Veränderungen im Leben – und immer mehr von ihnen sprechen darüber. (Symbolbild)

Foto: Joseffsonvia www.imago-images.de / imago images / Westend61

Berlin  Die Midlife-Crisis ist plötzlich weiblich. Immer mehr Frauen sprechen offen über die Veränderungen. Was wird anders im Alter um 40?

Die Probleme nehmen mit 40 schon mal zu. Für Frauen wird es schwerer, Gewicht zu halten. Der Stoffwechsel verändert sich, die Muskelmasse nimmt ab. In Parfümerien sind die Verpackungen von Hautpflegeprodukten für die Ab-40-Jährigen jetzt dunkelrot, dunkelblau, silbern oder goldfarben. Es fehlt jugendliches Rosé. Mode in dem Alter wird als „edel“ beworben, nicht als „sexy“.

Und natürlich, die Kinderfrage, spätestens, wenn die Vier auftaucht, sollte man sich als Frau darüber klar werden, ob man noch Kinder will. Denn das Zeitfenster der Fruchtbarkeit schließt demnächst. Am bittersten ist aber sicher die Erkenntnis: Die Hälfte des Lebens ist schon vorbei, statistisch gesehen.

Mit dem Alter verändert sich die hormonelle Ordnung


Die Frau ab 40. Was ist dran an diesem nicht ganz einfachen Lebensabschnitt, über den immer mehr Frauen offen sprechen? Bisher war die Midlife-Crisis immer irgendwie männlich. Mann mit Familie und Karriere kauft sich Sportwagen, verlässt die Frau und sucht sich eine Freundin. So das Klischee. Diese Krise klang immer ein bisschen wie eine Entschuldigung für: Schatz, es geht ja nicht anders. Mein Kopf, die Psyche, sie will es so.

Vielleicht liegt es an der Gleichberechtigung, zu der auch die Krise in der Lebensmitte gehört. Auch Frauen wandeln sich plötzlich. Begehren auf, sagen „Nein“, begeben sich auf die erneute Suche nach dem Ich.

Biologen haben dafür eine Erklärung: Mit dem Alter verändert sich die hormonelle Ordnung. Ös­trogene nehmen ab, der Einfluss des Gestagens nimmt zu. Die typisch weibliche Seite, Anpassung, nicht zornig und aufbrausend reagieren, baut ab zugunsten der männlichen.

Mit 40 Jahren unsichtbar geworden

Ein weitere Zutat ist die äußere Veränderung. Susanne Schneider schreibt im „SZ-Magazin“, dass sie im Alltag unsichtbar geworden sei, wie Luft. Anne Philippi erklärt in der „FAZ“, dass sie keine Lust mehr auf Produkte für reife Frauen habe, dass sie sich Botox spritzen lasse und dass sie schon gar nicht in „Würde altern“ will.

Pamela Druckerman (49), Bestsellerautorin und Amerikanerin in Paris, notiert in ihrem Buch „Vierzig werden à la Parisienne“ (Mosaik Verlag), dass man mit 40 von einer Bühne abtritt, „ohne die nächste bereits erobert zu haben“.

Nach ihrem international erfolgreichen Erziehungsratgeber „Bringing up Bébé“ stellte sie fest, dass über ihre eigene Lebensphase bisher wenig bekannt ist. Im Telefonat mit unserer Redaktion zitiert sie Arthur Schopenhauer: „Die ersten vierzig Jahre unseres Lebens liefern den Text, die folgenden dreißig den Kommentar dazu.“

Zu seinem Alter stehen ist wichtig

Sie selbst wollte mehr verstehen von sich, von dem, was nun mit ihr passierte. Auf die Frage, warum 40 eigentlich anders ist als davor, antwortet sie: „Bis dahin ist man sein Leben lang jung, das ist alles, was man weiß. Aber plötzlich mit 40 überrascht man niemanden mehr. Ob man nun Vorsitzende des Obersten Gerichtshofs ist oder Präsidentin.“ Besonders erschütternd fand sie, wie sie von nun an in Restaurants behandelt wurde.

„Mit 40 begannen innerhalb von ein paar Wochen die Kellner im Café mich mit Madame anzusprechen. Vorher war ich immer die Mademoiselle, die unverheiratete, junge Frau.“

Plötzlich hatte sie eine Schwelle übertreten. „Ich konnte vor dem wahren Alter meines Gesichtes nicht mehr fliehen.“ Eines habe sie mit der Zeit gelernt: „Wenn man versucht, so jung wie möglich auszusehen, ist das der sicherste Weg, alt auszusehen.“

Doch das ist das Äußerliche, was ist mit dem 40-jährigen Inneren? „Manchmal denke ich immer noch, ich bin noch nicht ganz da, wo ich gern sein würde. Obwohl ich überlegter, erwachsener, vielleicht auch gelassener bin als früher.“ Eine Erfahrung, die auch Moderatorin Barbara Schöneberger (45) gemacht hat.

Beim Altern an den Franzosen orientieren

Der „Gala“ gestand sie, dass sie immer dachte mit 40 würde alles schlechter. Doch das Gegenteil war der Fall: „Ich muss aber ganz klar feststellen, dass es mit 40 eigentlich erst so richtig losging. Ab 40 habe ich viel lockerer auf die Dinge geblickt, und ich bin auch viel stolzer auf alles Erreichte als vorher.“ Sie wisse inzwischen besser, was sie wolle. Und habe dann auch den Mut gehabt, eine eigene Frauenzeitschrift („Barbara“) zu gründen.

Barbara Schöneberger- Drei Dinge, die man über die Moderatorin wissen muss

Doch manche Entscheidungen werden einem mit 40 abgenommen. Wie die Kinderfrage. Pamela Druckerman beschreibt den Druck, der auf dem Thema liegt: „Wenn es dann irgendwann keine Möglichkeit mehr gibt, Kinder zu bekommen, sind Frauen oft erleichtert, dass sich das Problem von allein gelöst hat.“

Druckerman schlägt vor, sich beim Altern ein bisschen mehr an den Franzosen zu orientieren. Statistisch gesehen haben zwar auch dort ältere Frauen weniger Sex, doch nicht so radikal weniger wie etwa in den USA.

Bessere Menschenkenntnis und psychische Widerstandsfähigkeit

Es gibt laut Druckerman auch die guten Seiten am Alter, die Weisheit, die aus folgenden erlernten Fähigkeiten resultiere: Die bessere Menschenkenntnis, psychische Widerstandsfähigkeit, Erfahrung und das Wissen darüber, wann es besser ist, nichts zu tun. Ihr Tipp für jedes Alter: „Versuche immer die beste Version von dir zu sein, die es gibt.“

• Pamela Druckermans Tipps für Ü-40er

  • 1. Verabreden Sie sich nicht mit Leuten, mit denen Sie sich gar nicht treffen wollen.
  • 2. Wenn Sie sich fragen, ob das die Tochter oder die Freundin eines Mannes ist, handelt es sich wahrscheinlich um die Freundin.
  • 3. Wenn Sie sich mit jemandem aus der Modebranche treffen, verzichten Sie auf etwas Trendiges, tragen Sie Schwarz.
  • 4. Es gibt keine Erwachsenen. Alle improvisieren nur, aber manche tun das besonders selbstbewusst.
  • 5. Verzeihen Sie Ihren Ex-Partnern, selbst den fürchterlichen. Auch die haben nur improvisiert.
  • 6. Es ist okay, wenn Sie keinen Jazz mögen.

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