Friedhof

Mensch-Tier-Bestattungen: Mit Bello gemeinsam ins Grab

Friedhof für Mensch und Haustier: „Unser Hafen“ in Essen.

Friedhof für Mensch und Haustier: „Unser Hafen“ in Essen.

Foto: imago stock / imago/biky

Berlin.  Erstmals sollen Mensch-Tier-Bestattungen per Gesetz genehmigt werden. Vielen Menschen könnte damit ein ersehnter Wunsch erfüllt werden.

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Sie begleiten ihre Herrchen und Frauchen nicht selten über ein Jahrzehnt, sind bester Kumpel und so wichtig wie Familienmitglieder. Menschen, für die ihr Haustier ein Lebensgefährte ist, können sich künftig nach ihrem Tod mit diesem zusammen beerdigen lassen. Jetzt verabschiedeten die Abgeordneten der Hamburgischen Bürgerschaft ein entsprechendes neues Bestattungsgesetz, das deutschlandweit erstmals eine gemeinsame Bestattung von Mensch und Tier erlaubt.

Geplant sei zunächst die Einrichtung eines bis zu einem Hektar großen Grabfeldes auf dem Ohlsdorfer Friedhof, sagte der Sprecher der Hamburger Friedhöfe, Lutz Rehkopf. Es werde optisch abgegrenzt, um die Gefühle anderer Friedhofsbesucher nicht zu verletzen. Angedacht sei die Bestattung von Kleintieren wie Hund oder Katze, nicht dagegen von Pferden oder anderen größeren Vierbeinern.

Gesetz kommt Wunsch nach Mensch-Tier-Bestattung nach

Die Tiere müssten verbrannt und die Asche in Urnen überführt werden, erklärte Rehkopf. Für den Fall, dass der Tierbesitzer zuerst stirbt, könne er neben dem Grab einen Platz für sein Haustier reservieren. Der Wunsch nach Mensch-Tier-Bestattungen sei in jüngster Zeit vermehrt an den Friedhofsbetreiber herangetragen worden, so der Sprecher.

Auch der Verband Aeternitas e. V. ist von dem neuen Gesetz in Hamburg begeistert. „Wir haben das Thema Mensch-Tier-Bestattung schon seit einigen Jahren auf unserer Agenda“, erklärt der Sprecher der Verbraucherinitiative für Bestattungskultur, Alexander Helbach. Tatsächlich sei es seit einigen Jahren in Deutschland vereinzelt möglich, sich mit seinem Haustier auf einem Friedhof bestatten zu lassen , allerdings sei es bislang nicht gesetzlich, sondern nur per Erlass genehmigt gewesen.

Bestattungen mit Tieren als Geschäftsmodell für Friedhöfe

So hatte das Gesundheitsministerium in Nordrhein-Westfalen (NRW) im Juni 2015 bereits eine Bestimmung ausgesprochen, laut der verstorbene Haustiere in einer Urne als Grabbeigabe gestattet sind. Allerdings bieten nur wenige Friedhöfe in NRW aktuell Mensch-Tier-Bestattungen an, ein großer in Essen-Frintrop ruht laut Medienberichten bereits seit zwei Jahren. Hintergrund sind Rechtsstreitigkeiten der Deutschen Friedhofsgesellschaft als Betreiber, der Frintroper Gemeinde und der Evangelischen Landeskirche.

Es gibt laut Helbach allerdings auch zwei Dutzend Friedhöfe in Deutschland – beispielsweise in Jena und Marburg – wo eine Mensch-Tier-Bestattung auf Anfrage möglich sei. Helbach sieht in dem neuen Hamburger Gesetz, das landesweit in den Kommunen Schule machen könnte, derweil auch eine große Chance für viele Friedhöfe, wirtschaftlich wieder aus der Krise zu kommen.

„Viele Friedhöfe in Deutschland wurden in den Sechzigern geplant und angelegt, als man noch mehrheitlich von Sargbestattungen ausging“, erklärt der Sprecher der Initiative für Bestattungskultur. Mittlerweile seien im Bundesgebiet aber zwei Drittel aller Beerdigungen Urnenbestattungen, so dass es viel Leerstand gebe. Den Vorwurf von Kritikern, man stelle Tier und Mensch gleich, kann der Experte nicht nachvollziehen. „Der Gedanke ist mehr: Das Tier wird dem Menschen beigefügt“, erklärt Helbach.

Mit Tieren geteilte Gräber haben eine lange Tradition

Für die Katzenliebhaberin und Buchautorin Maike Grunwald („Katzen“, Reclam-Verlag) ist der Wunsch, mit dem Haustier beerdigt zu werden, ebenfalls keine Spinnerei, sondern ein berechtigtes Anliegen. „Haustiere sind heutzutage Familienmitglieder“, erklärt die Berlinerin. „Deswegen wollen viele Halter ihr Tier auch nach dem Tod wie ein Familienmitglied behandeln.“

Der Gedanke, mit seinem Liebling auch auf dem Friedhof zusammenbleiben zu können , bedeute Trost. „Es ist leicht, darüber zu lächeln. Man muss aber bedenken, dass gerade für alte oder kranke Menschen, die die Wohnung nicht mehr verlassen können, die Katze ein unentbehrlicher Bezugspunkt ist.“ Zudem verweist sie darauf, dass die Bestattung mit Tieren eine lange Tradition in der Menschheitsgeschichte hat, nicht erst im alten Ägypten. In Zypern etwa wurde ein 9500 Jahre altes Mensch-Katze-Grab entdeckt.

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