Naturkatastrophe

Unwetter auf Mallorca: Deutscher rettet Siebenjährige

Mallorca-Unwetter: Hier versinkt ein Auto fast in den Fluten

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Palma  Auf Mallorca hat es nach heftigen Unwettern mindestens zwölf Tote gegeben. Unter den Opfern auf der Insel sind auch drei Deutsche.

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Nach den schweren Unwettern auf Mallorca hat eine Sprecherin der Notdienste am Donnerstag den Tod von drei Deutschen bestätigt. In einem Tweet hatte der Rettungsdienst 112 zuvor mitgeteilt, dass man in der Nähe von Artà zwei Leichen entdeckt habe.

Zwei Deutsche seien 63 und 61 Jahre alt und sollen seit längerem auf Mallorca gelebt haben. Eine bereits am Mittwoch entdeckte Leiche wurde ebenfalls identifiziert: Laut „Neuer Presse“ handelt es sich um einen 57-jährigen Redakteur der Zeitung.

Er sei auf der Insel im Urlaub gewesen. Am Dienstag habe er eine Freundin vom Flughafen abholen wollen, sei dort aber nie angekommen. Insgesamt hat es mindestens zwölf Tote gegeben.

Am frühen Freitagabend besuchte das spanische Königspaar die Region, um den Menschen Mut zu machen und den zahlreichen Helfern zu danken. Felipe und Letizia machten sich in Sant Llorenç des Cardassar einen Eindruck von der Lage und spendeten der Bevölkerung Trost, die in Scharen die Straßen säumte.

Mann aus Brandenburg rettet Siebenjährige

Rettungskräfte suchten weiterhin nach einem fünfjährigen Junge, der seit dem Sturzregen am Dienstagabend verschollen sei, wie der mallorquinische Notdienst am Donnerstagmorgen auf Twitter meldete.

Die siebenjährige Schwester des Jungen war von einem Deutschen gerettet worden, wie am Freitag bekannt wurde. Daniel Thielk aus Brandenburg sagte RTL, wie sich die Rettungsaktion abspielte: „Ich habe sie am Arm aus dem reißenden Strom gezogen. Sie wollte mich gar nicht mehr loslassen.“ Die Familie hatte den Mann nach längerer Suche ausfindig gemacht.

Wassermassen rissen Autos mit

Ausnahmezustand in Teilen von Mallorca: Heftige Regenfälle haben auf der Baleareninsel viele Straßen in reißende Flüsse verwandelt. In der Gemeinde Sant Llorenç im Osten Mallorcas trat am Dienstag ein Sturzbach über die Ufer.

Die Wassermassen rissen dort am Abend zahlreiche Autos mit, wie auf Bildern und Videoaufnahmen von Medien und des Wetterdienstes der Balearen zu sehen war. Es gibt mit dem neusten Leichenfund mindestens zwölf Tote.

Bei den zehn zuvor geborgenen Toten handele es sich um sechs Männer und vier Frauen, so die Einsatzkräfte. Drei der Opfer seien Ausländer - ein Paar aus Großbritannien und eine Holländerin. Ein Mann habe noch nicht identifiziert werden können.

Innerhalb von nur zwei Stunden stürzten dort am Dienstagabend nach Angaben des Wetterdienstes 233 Liter Wasser vom Himmel. Zum Vergleich: Im gesamten vergangenen Jahr sind in Deutschland im Schnitt 850 Liter pro Quadratmeter heruntergegangen.

Hotelgast: „Aus einigen Lampen kommt Wasser heraus“

Das Unwetter verursachte auch in anderen Regionen der Insel Chaos und Überschwemmungen. Betroffen war aber vor allem der Osten Mallorcas. Mehrere Landstraßen und Häuser waren dort unter Wasser.

Ein Tourist, der seinen Urlaub in einem Hotel im Küstenort Cala Mandia verbringt, wurde in der Onlineausgabe der „Mallorca Zeitung“ mit den Worten zitiert: „Hier waren heute zwei Wirbelstürme zu sehen, zum Glück nur auf dem Meer. Zwischendurch geht im Hotel der Strom aus, und aus einigen Lampen kommt Wasser heraus.“

Betroffene erzählten von dramatischen Augenblicken: „Ich bin ums Überleben geschwommen“, sagte ein junger Mann im spanischen Fernsehen. Ihm stand die Panik noch im Gesicht. Rentner Manuel Torescussa wurde von den Wassermassen in der Nähe von Sant Llorenç in seinem Auto erwischt. „Ich konnte gerade noch aus einem Fenster ins Freie klettern und musste dann 500 Meter schwimmen, fast meine gesamte Kleidung blieb dabei an einem Metallzaun hängen“, erzählte er der Zeitung „Diario de Mallorca“.

Noch bis Mittwochmittag Warnstufe Gelb

Ministerpräsident Pedro Sánchez flog am frühen Nachmittag auf die Insel, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Dabei lobte er vor allem die unermüdliche Arbeit der Einsatzkräfte und versprach, dass die Regierung der Region helfen werde, die zerstörten Gebiete wiederaufzubauen. Auch das spanische Königshaus sprach den Betroffenen via Twitter seine Solidarität aus.

Auf Mallorca hatte es schon seit Montag sehr heftig geregnet, ortsweise auch gehagelt. Durch das Unwetter kam es nach Medienberichten auf dem Flughafen von Palma am Montag und Dienstag zu Verzögerungen. Aus Sicherheitsgründen sei der zeitliche Abstand zwischen den Landungen vergrößert worden, hieß es.

In der Hauptstadt und auch am Ballermann östlich von Palma war die Lage aber weitgehend normal. Trotzdem herrsche noch bis Mittwochmittag auf der ganzen Insel Warnstufe Gelb wegen Starkregen und Gewitter. Am Donnerstag kehre das Strandwetter zurück, schrieb die „Mallorca Zeitung“.

Außenminister Heiko Maas (SPD) zeigt sich über die Nachrichten aus Mallorca erschüttert. „Diese Naturkatastrophe hat viele Menschen völlig überrascht“, erklärte er am Mittwoch. „Unsere Gedanken sind bei all denen, die Freunde oder Familienangehörige verloren haben oder noch vermissen. Wir wünschen den Betroffenen in diesen schweren Stunden Kraft und Zuversicht.“

Die Rettungsteams waren mit rund 400 Hilfskräften im Einsatz. Oberste Priorität hatte zunächst den ganzen Tag lang die Suche nach Vermissten. Neben Dutzenden Fahrzeugen wurden auch vier Hubschrauber, ein Flugzeug und ein Schiff eingesetzt. Auch der aus Mallorca stammende Tennisspieler Rafael Nadal half mit. Er bot an, die Räume seiner Sportzentren auf der Insel zur Verfügung zu stellen. „Trauriger Tag auf Mallorca. Mein tiefes Beileid gilt den Angehörigen der verstorbenen und Verletzten“, schrieb er auf Twitter.

Immer wieder kommt es auf der Insel zu Überschwemmungen. Erst im Juli hatte das Wetterphänomen Meteotsunami für überflutete Straßen im Nordosten Mallorcas gesorgt.

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Auch in anderen Teilen Spaniens kam es zu heftigen Unwettern. Handyvideos zeigen zum Beispiel auch starke Überschwemmungen in Barcelona.

(dpa/cho/les)

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