Sozialleben

Machen Smartphone und Tablet die Weihnachtsstimmung kaputt?

Stille Nacht unter dem Weihnachtsbaum. Auch zum Fest bleiben Smartphones, Tablets und Computer in vielen Familien angeschaltet

Stille Nacht unter dem Weihnachtsbaum. Auch zum Fest bleiben Smartphones, Tablets und Computer in vielen Familien angeschaltet

Foto: Getty Images / Hoxton/Getty Images

Berlin/Essen  Auch Weihnachten werden in vielen Familien die Smartphones nicht ausgeschaltet. Ein Miteinander ist so kaum möglich, warnen Experten.

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Lutz Kaiser sieht den Heiligabend schon vor sich. Verspeist ist die Gans, aufgerissen sind die Geschenkverpackungen und spätestens von da an ist die Nacht nicht mehr heilig, sondern nur noch still. Weil alle – Eltern wie Kinder – auf ihre Smartphones starren.

Weihnachten 2017, fürchtet der Vorstand der Krankenkasse Pronova/BKK, drohe in Sprachlosigkeit zu versinken. Denn laut einer Umfrage seiner Krankenkasse nutzen in jeder zweiten Familie die Mitglieder ihre Handys auch zu festlichen Anlässen. Und in jeder zehnten Familie wird auch zu Weihnachten nahezu permanent gechattet und gesurft.

Der ständige Griff zum Smartphone wird zum Problem

„Na ja“, sagt der Berliner Medienexperte Thomas Feibel, „Sprachlosigkeit“ sei ein etwas großes Wort. Aber grundsätzlich sei der ständige Griff zum Smartphone schon ein Problem. Und das nicht nur zu Weihnachten. Ein Gerät, das ursprünglich das Miteinanderreden ermöglichen sollte, verhindert genau das nun.

„Durch die neuen Technologien sprechen die Menschen teilweise gar nicht mehr miteinander“, sagt auch Meike Slaby-Sandte, Etiketteberaterin aus Langenberg. Natürlich sei das Smartphone grundsätzlich sehr nützlich, aber es führe auch dazu, dass Nutzer „besondere Momente häufig wie in einer Glocke wahrnehmen und sie nicht mehr mit dem Nebenmann in der realen, sondern mit ihren Kontakten in der virtuellen Welt teilen“.

Es wird kommuniziert – aber nicht untereinander

„Viele wissen nicht mehr, wie man sich als Familie miteinander beschäftigt“, bestätigt Feibel. Und so sitzen Mutter, Vater und der Nachwuchs unter der festlich geschmückten Tanne, schweigend ins Gespräch vertieft: „Es wird kommuniziert“, stellt Feibel klar. „Aber eben völlig anders. Und vor allem nicht untereinander.“

Stattdessen erfährt der Kumpel per WhatsApp, wie die Geschenkeausbeute war oder das Essen geschmeckt hat, werden in den Süden geflüchtete Bekannte über Facebook gegrüßt und die beste Freundin bekommt via Snapchat ein Foto der soeben ausgepackten Winterstiefel, versehen mit dem Kommentar „Oh mein Gott, wie krass sind die denn?!“.

Thematisieren, was man machen möchte

Feibel, der das Phänomen ausführlich in seinem neuen Buch „Jetzt pack doch mal das Handy weg“ schildert, warnt aber davor, nur den Kindern und Jugendlichen die Schuld an der Entwicklung zu geben. Im Gegenteil: „Die meisten Eltern sind nicht besser.“ Eine Erfahrung, die auch Slaby-Sandte immer wieder gemacht hat, wenn sie Benimmkurse für Kinder und Jugendliche abhält: „Da können viele Kids gar nicht verstehen, wenn ich ihnen sage, dass es sich nicht gehört, am Essenstisch zum Smartphone zu greifen. Denn ihre Mutter und ihr Vater machen das seit Jahren.“

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Auch wenn sie wissen, dass es falsch ist, wie die Krankenkassenstudie zeigt. Mehr als die Hälfte der befragten Eltern (53 Prozent) sagen, dass sie Vorbild sein möchten bei der Nutzung digitaler Medien, aber Schwierigkeiten mit der Umsetzung haben. Sie schaffen es einfach nicht, das Smartphone längere Zeit aus der Hand zu legen.

Regeln helfen – und für die Festtage sollte es Alternativen geben

Sie selbst, räumt die Knigge-Expertin ein, sei lange nicht besser gewesen. „Bis sich mein Sohn eines Tages beschwert hat, dass er mich nur mit dem Handy vor der Nase sieht.“ Seitdem gibt es im Hause Slaby-Sandte einen Platz, an dem die Telefone abgelegt und die meiste Zeit liegen gelassen werden. Alle hätten festgestellt: „Es ist ganz heilsam, mal ohne die Geräte auszukommen.“

„Regeln schaffen, Absprachen treffen“, rät auch Thomas Feibel. Und speziell an den Weihnachtstagen „Alternativen zum Smartphone anbieten“. Brettspiele, Ausflüge, Gespräche etwa. Erzwingen könne man diese Gelegenheiten allerdings nicht. „Es ist schon besser, im Vorfeld zu thematisieren, was jeder an den Feiertagen machen möchte“, sagt Slaby-Sandte. Kann natürlich sein, dass man sich dann darauf einigt, drei Tage lang aufs Handy zu starren.

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