Let’s Dance

Lili Paul-Roncalli – ihre Tricks aus der Zirkusmanege

Let's Dance: Vier Dinge, die man über die Tanzshow wissen muss

Let's Dance: Vier Dinge, die man über die Tanzshow wissen muss

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Berlin.  Sie berauschte mit ihrem Rhythmus das „Let’s Dance“-Publikum: Die Zirkustochter Lili Paul-Roncalli nutzte dabei die Tricks der Manege.

  • Lili Paul-Roncalli gewinnt „Let’s Dance“ 2020
  • Die Musik aus einem Disney-Film verhilft ihr zum Sieg
  • Die Zirkustochter hat ihren Eltern noch nie einen Mann vorgestellt

Tränen überströmt, am Ende ihrer Kraft: Lili Paul-Roncalli liegt am Boden und hat es doch in den Tanzhimmel geschafft: Sie ist Dancing-Star 2020 – ein harter Kampf im Let’s Dance Finale gegen eine außerordentlich starke Konkurrenz.

Zirkusdirektor Bernhard Paul wirkte sorgenvoll

Fast hatte man befürchtet, dass ihre Nerven streiken, dass sie eben nicht noch über sich hinaus wächst, sondern einknickt. Wenn sie redete, wirkte sie immer so weich, so überaus verletzlich, fast als wäre ihr das alles eine Nummer zu groß.

Doch während ihr Vater, der berühmte Bernhard Paul (73), im Publikum nahezu sorgenvoll auf seine jüngste Tochter blickte, zog die Zirkustochter alle Register. „Lili ist eine richtige Rampensau!“ Das hatte einst schon ihr Bruder Adrian von ihr gesagt.

Lili Paul-Roncalli wollte „alles geben“

Sie ist eine Frau, die immer „alles gibt“. Das sind die beiden Worte, die bei „Let’s Dance“ wohl so oft fallen, dass man sich fragt, warum bei RTL denn keiner mal am Wording arbeitet.

„Ich habe alles gegeben“ – das ist das armselige Mantra dieser Show der tänzerischen Superlative, die aber auf der Ebene der Kandidaten-Dialoge häufig so einfältig wirkt wie ein Ringelrein. Und noch eins kommt immer wieder vor: „Es war eine Reise für mich.“

Auch Lili Paul-Roncalli (22) führte diese Stanzen auf den Lippen. Alles gegeben eben. Wenn sie redete, war es immer ein wenig so, als würde sie sich lieber wie Klein-Lili unterm Tisch verstecken.

Massimo Sinató ihr so routinierter wie exponierter Tanzpartner, zog sie dann mit einer ruckartigen Bewegung an sich, die eine Mischung aus Väterlichem und Heul-doch war.

Perfektionistin und Schlangenfrau

Sie ließ sich das immer ganz brav gefallen. Lächelte orientierungslos aus der Lücke heraus, die sich zwischen seinem Oberarm und der Schulter ergab. Hallo, dachte man. Was hat sie nur? Doch vielleicht, und das ist wohl stark anzunehmen, arbeitete sie einfach nach den Regeln der Kunst: Erwartungen niedrig halten und dann ohne Netz und doppelten Boden die Sterne vom Himmel holen.

So machte sie es die gesamte Show: Sie, die Perfektionistin, die im Zirkus als Schlangenfrau auftritt, die in den Probe-Einspielern gern auf naives Teenie machte, die immer im Ungefähren blieb, drehte, wenn sich der Vorhang hob, zu einer Fulminanz auf, die schier atemlos machte.

Rumba, Tango, Paso Doble – und ein Freestyle, der Geschichte schreibt

Ihre Rumba, ihr Tango, ihr Paso Doble – das hatte nichts Unsicheres mehr. Da tanzte kein unerfahrenes Girlie, das war die geballte Weiblichkeit einer Frau, die wusste, worauf es beim Spiel der Spiele ankam: Erotik pur, bei der sie ihren Partner durch die Hölle schickte.

„Das war ein Feuerwerk. So geladen voller Schritte und Energie!“ Juror Jorge González kam am Finalabend nach dem grandiosen Freestyle zur Musik des Disney-Films „Aladdin“ aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. Seine „Chilli-Lili“ habe Geschichte geschrieben.

Meisterin der Manege

Dass Lili Paul-Roncalli eine Meisterin der Manege ist, liegt auf der Hand. Von Kindesbeinen an hat sie gelernt, wie hart das Showgeschäft ist, das Höchstleistungen abverlangt. Unterrichtet wurde sie, was das Schulische betrifft, von einer Privatlehrerin, die sie auf Reisen begleitete.

Den Realschulabschluss hat sie in der Tasche. Das Zirkusleben aber hat seine eigenen Gesetze, das erfährt die Tochter von Bernhard Paul und der italienischen Artistin Eliana Larible-Paul oft genug: „Man ist halt immer unterwegs, da ist es auch schwieriger, Leute kennenzulernen und auch den Kontakt beizubehalten“, sagte sie in einem Interview. Außerdem seien ihre Eltern „pingelig“, sie habe ihnen noch keinen jungen Mann vorgestellt.

Circus Roncalli – der Circus voller Poesie

Wenn man in das Gesicht von Bernhard Paul schaut, der als Zirkusclown Pippo bei Roncalli die Leute zum Lachen und zum Weinen brachte, sieht man dieses Umsorgen in seinem Blick. So, als müsse er seine Lili stets beschützen.

Paul ist ein Mensch mit künstlerischen Fundament: Der Urenkel von Josef Weyl, der Textdichter von Johann Strauss, lernte an der Uni in Wien Studienkollegen wie den berühmten Maler Gottfried Helnwein kennen. Sein Traum war immer schon der Zirkus.

1975 machte er ihn wahr und gründete gemeinsam mit dem Wiener Dichter und Sänger André Heller den Circus Roncalli. Das Konzept dahinter: die größte Poesie des Universums, der Zirkus als Gesamtkunstwerk.

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Ärger mit Mitbegründer André Heller

Doch schon nach wenigen Wochen stritten sich Heller und Paul über Bühnenbilder und Dompteurnummern. Heller ging und nahm dabei 42 Artisten mit sich. Paul improvisierte mit Studenten und Ersatz-Artisten. Das letzte Gastspiel mit reduziertem Programm fand bei den Wiener Festwochen 1977 statt, dabei trat auch die Kelly Family auf.

Seine Kinder, so ist zu lesen, wollen seinen Traum weiterführen. Vielleicht wird die Show jetzt um Tanz-Einlagen reicher.

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