"Kuscheltiere": Niedlich war gestern

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Dortmund. "Sie sehen einfach lustig aus. Man weiß nicht immer, was sie darstellen, so dass Assoziationen und Projektionen freie Bahn haben", sagt Stephanie Wagner, während sie "Hoppel" betrachtet. ...

... In seinem Fall haben potenzielle Käufer immerhin gewisse Anhaltspunkte. Die langen Ohren und der Name lassen einen das Stofftier der neuen Generation als eine Art Hase erkennen. Die Ähnlichkeit zu herkömmlichen Stoffhasen erschöpft sich jedoch schnell. "Hoppel" ist 23 cm groß, steht aufrecht und besticht durch die grasgrünen Knöpfe, die ihm als Augen dienen, sowie durch die rote Narbe an der Stelle seines Mundes.

Eigentlich ist "Hoppel" noch ganz nett. Jedenfalls im Vergleich zu anderen Schreckenswesen. Da gibt es als Gipfel der Geschmacklosigkeit einen Dönerspieß mit Bombe in der Hand, das "Scary-Girl" kommt als Zombie daher, auch tote Pinguine mit traurig-jenseitigem Gesichtsausdruck finden Gefallen.

Wer möchte denn so eine Figur auf seinem Kopfkissen platzieren? Sehr viele, hat Stephanie Wagner festgestellt. Im Laden "Heimatdesign" in der Dortmunder Innenstadt verkauft sie "Hoppel" und Co. vor allem an Erwachsene, die die lieben Tierchen als Geschenk für Freunde erwerben.

Die Stofftiere kommen gut an. "Ich höre immer viel Gekicher aus der Richtung des Regals mit den Figuren", lächelt Wagner. Der vergleichsweise hohe Preis scheint die Käufer nicht abzuschrecken. "Hoppel" samt handgefertigtem Kasten kostet 19,80 Euro.

Die Ideen zu den Figuren haben Mariko Neumeister und Uwe Schmidt aus Frankfurt/Main. Vor drei Jahren entstand die erste.

In Asien gibt es die Figuren schon lange

Unter ihrem Label "Jagdschloss" verkaufen die beiden die Produkte mittlerweile über "Heimatdesign" und zwei weitere Einzelhändler in Kassel und Basel sowie in ihrem eigenen Laden in Frankfurt und im Netz. "Die Namen sollen zum Charakter der beschenkten Person passen", erklärt Neumeister die Verkaufsstrategie. Das etwas boshaft aussehende "Schlitzohr" ist für Personen gedacht, die von ihrer Umwelt als ebendiese gesehen werden. Etwa 100 Stück hat Neumeister schon davon verkauft. Alle Figuren sind handgenäht, alle sehen daher auch immer ein kleines bisschen anders aus. Die Vorbilder fand Neumeister in ihrer Heimat Japan. "Ich bin damit aufgewachsen", sagt sie. "In Asien gibt es solche Puppen schon seit Jahrzehnten". Wann es in Deutschland anfing, weiß niemand so genau.

Bochumer: Puppen vermitteln "Lifestyle"

Dank eines ausgefeilten Marketings sind heute in erster Linie die "UglyDolls" (hässliche Puppen) bekannt. 2001 haben sie der Amerikaner David Horvath und seine koreanische Frau Sun-Min Kim erfunden. Auf der Webseite www.uglydolls.com "leben die Puppen in ihrem knallbunten" Animations-Universum und halten Blog, Forum und Online-Spiele für die Fans bereit.

Das Bochumer Unternehmen Säck & Nolde importiert die "Uglys" seit 2003 nach Deutschland. "Tonnenweise", sagt Manfred Säck. Er verkauft sie weiter an Einzelhändler, im letzten Jahr etwa 20 000 Stück.

Das Besondere an diesen Puppen? "Sie transportieren einen gewissen Lifestyle", glaubt Säck. Jede Figur hat einen eigenen Namen und bestimmten Charakter. "Tray" ist das Gehirn der "Uglys". Aber nicht, weil sie so schlau ist, sondern weil sie drei Gehirne hat - pro Auge eines.

Hässliche Stofftiere zu kaufen, hält Stefan Mosebach für "eindeutig einen Trend". Er studiert Kommunikationsdesign an der Uni Duisburg-Essen und entwirft nebenher ebenfalls bizarr aussehende Stofftiere. Gerade baut er seine Selbstständigkeit auf. Mut macht ihm dabei, dass er bisher immer alle seine Puppen verkauft hat, wenn er sie auf Messen präsentiert hat. "Es gibt einen harten Kern von Menschen, die auch in zehn Jahren noch solche Puppen machen werden", ist er überzeugt.

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