Unterhaltung

Jan Böhmermann bekommt Grimme-Preis für #verafake

Goldjunge: Böhmermann räumte in diesem Jahr diverse Preise ab. Ein Grimme-Preis kommt jetzt noch dazu.

Goldjunge: Böhmermann räumte in diesem Jahr diverse Preise ab. Ein Grimme-Preis kommt jetzt noch dazu.

Foto: imago stock&people / imago/STAR-MEDIA

Marl  Moderator Jan Böhmermann wird in diesem Jahr mit Preisen geradezu überhäuft. Nun bekommt er schon wieder den renommierten Grimme-Preis.

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Jan Böhmermann kann sich in diesem Jahr schon wieder über den Grimme-Preis freuen: Der ZDF-Satiriker und sein Team werden für die Beiträge #verafake und „Einspielerschleife“ im „Neo Magazin Royale“ mit einem Spezialpreis in der Kategorie Unterhaltung geehrt, wie das Grimme-Institut am Mittwoch in Essen mitteilte – für die „die engagierte Beobachtung und kluge Reflexion des laufenden Fernsehprogramms“, wie es hieß.

Im Beitrag #verafake schmuggelte die Redaktion des „Neo Magazin Royale“ einen Schauspieler in die RTL-Sendung „Schwiegertochter gesucht“ ein, der sich als scheuer Schildkrötensammler ausgab. Die Redaktion der von Vera Int-Veen fiel auf die Aktion herein – Böhmermann schlachtete die Aktion in einem ausgiebigen Beitrag aus.

Bereits zwei Grimme-Preise 2016

Mit der „Einspielerschleife“ verarbeitete Böhmermann die Geschehnisse rund um die Schmähgedicht-Affäre. Diese hält die Jury für eine „geniale Entzauberung der Fernsehroutine“, aber auch für eine „Liebeserklärung an das 24/7-Medium und seine Endlos-Erzählweise“, wie das ZDF mitteilte.

Im vergangenen Jahr hatte Böhmermann beim wichtigsten deutschen Fernsehpreis bereits zwei Auszeichnungen erhalten. Wegen des Wirbels um sein Schmähgedicht auf den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan war er aber nicht zur Preisverleihung erschienen.

Streit um Hashtag #gastoderspast

Für Streit in der Jury Unterhaltung sorgte die Auszeichnung der ProSieben-Show „Applaus und Raus!“ mit Moderator Oliver Polak. Es war der einzige Preis für einen Privatsender.

Während die Jury-Mehrheit in der Begründung lobte, Polak gelinge es, das „ausgeleierte“ Fernsehgesprächsformat „in die Sphären des Interessanten und Unerwarteten zurückzuholen“, distanzierten sich zwei Jury-Mitglieder von der Entscheidung. Der Jury-Vorsitzende Dieter Anschlag kritisierte, der für die Show verwendete Hashtag #gastoderspast und der – später geänderte – Twitter-Account @GastoderSpast diskriminierten behinderte Menschen.

„Eine solche Geisteshaltung und eine Sendung, die es zum Prinzip erhebt, Menschen bei Nichtgefallen ,rauszuschmeißen’“, seien einer wertegetragenen Auszeichnung wie des Grimme-Preises nicht würdig. Der Juror Jürn Kruse veröffentlichte im Online-Auftritt der „tageszeitung“ einen Brief an Polak, in dem er ebenfalls den Hashtag kritisierte.

Zwei Preise für „Mitten in Deutschland: NSU“

Insgesamt wurden zwölf Preise, zwei Spezialpreise sowie eine Auszeichnung für eine besondere journalistische Leistung in den vier Kategorien Fiktion, Unterhaltung, Information und Kultur sowie Kinder und Jugend vergeben. Sie zeigten „auf beeindruckende Weise, in welcher Bandbreite es dem Medium Fernsehen gelingen kann, komplexe Sachverhalte, politische Verstrickungen, die Logik von Krieg und Terror oder auch die Manipulationen in gesellschaftlichen oder privaten Zusammenhängen auf ganz unterschiedliche Art und Weise in bewegte Bilder, packende Dramaturgien und anrührende Geschichten zu übersetzen“, erklärte Grimme-Direktorin Frauke Gerlach.

Gleich zwei Auszeichnungen gibt es etwa für die Trilogie „Mitten in Deutschland: NSU“ (ARD) über die Mordserie der rechtsextremen Terrorgruppe. Der Preis für die „besondere journalistische Leistung“ in der Kategorie Information und Kultur geht an den Journalisten und Dokumentarfilmer Ashwin Raman für seine Produktionen „Im Nebel des Krieges – An den Frontlinien zum Islamischen Staat“ (ARD/SWR) und „An vorderster Front“ (ZDF).

„Nordstadtkinder: Lutwi“ bekommt Kinder-Preis

Zwei preiswürdige Produktionen drehen sich um die Themen Flucht und Migration. Der NDR-Film „45 Min: Protokoll einer Abschiebung“, der eine Abschiebeaktion in Norddeutschland dokumentiert, wird in der Kategorie Information und Kultur ausgezeichnet. Einen Preis im Wettbewerb Kinder und Jugend erhält „Nordstadtkinder: Lutwi“ (WDR) über einen zwölfjährigen Roma, der mit seiner Familie in Dortmund lebt und von Abschiebung bedroht ist.

Der undotierte Preis wird in diesem Jahr zum 53. Mal vergeben und gilt als wichtigster deutscher Fernsehpreis. Die Auszeichnungen werden am 31. März im Theater der Stadt Marl verliehen. (epd)

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